Saturday, July 13, 2013

CHALICE OF DOOM - Into Hypnagogia - Cd / Memento Mori



Die Leichtigkeit des Seins in die Endlichkeit der Fantasie eingefügt, Vater Schlaf auf den Aktivismus einer Rotte Lemminge losgelassen, noch lange bevor die dicke Frau singt, ist es Zeit für den Schnitter, Death und Doom sind für Sonntagsautowascher das gleiche wie süß aromatisierter Karosserieshampoo! So verwirrt lässt mich eine Band aus Jordanien zurück, die sich kuschlig untergehakt aufstellt und ihre Musik Death & Doom nennt, aber eigentlich nur schmusen will. Satt mit melodischen und häufig dezent beschwingten Keyboards im Zentrum, jeder Menge Samples und Sprechgesang basteln die wohl an einem neuen Soundtrack für irgendein opulentes Wüstendrama. Dass sie vom Metal dabei so weit abrücken, wie ich einst von meiner hässlichen Banknachbarin in der Schule, dass sie keine Spur Aggression oder auch langsam einfahrende Düsternis zeigen, nimmt die Glaubwürdigkeit der eigenen Suche nach einem passendem Genre. Da helfen auch ultratiefe Growls nicht, die wirken neben einer bezirzenden und schläfrigen Leadgitarre absolut deplatziert. Irgendwo zwischen der rudimentären Stimmung von Paradise Lost und den Tastenattacken von Crematory machen es sich die Herren gemütlich, klingen depressiv leicht verstimmt und lungern mit einer mediterranen bis klassischen Melodienflut im Dickicht. Chorale Intonation und  cleane Gesänge aus beiden Geschlechtercamps werden unterstützt durch banale Rhythmen und radiotaugliche Arrangements. Die männliche Stimme ist so klar und gut produziert, dass sie Boybandcharme verbreitet und als Schlüpfermagnet schnell das Lager wechseln sollte. Dazwischen dürfen wir Black Metal Screams erleben und müssen uns fragen, wen die hier verarschen wollen. Rein von der vokalen Musikalität mag mancher sich die Augen wischen lassen, vorrangig propagiert die Band aber Metal, und diese Absicht ist klar gescheitert, der Bühnenausgang falsch gewählt. Keine Ahnung, welche Wand die anheulen, aber nach meiner Auffassung stehen sie vor einer, die von zahllosen dicken Kötern angepisst wurde und nun versuchen sie dort einen Trinkwasserbrunnen mit ihren schwermütig verkleisterten Sinnen zu buddeln. Zu keiner Sekunde kommt das Album aus der Hüfte, so dass sich der Death Metal Part wohl nur auf die langweiligen Growls bezieht. Doom wird über das Tempo gesteuert, wirkt auch ziemlich melancholisch, weist aber nicht die Spur von wahrer Verzweiflung und apokalyptischer Endgültigkeit auf. Lediglich jene, die eine gut wattierte Schulter zum anlehnen suchen und auf Inhalte verzichten mögen, könnten an dem Gejammer einigermaßen Freude haben. Die wahre Absicht der Musiker entzieht sich meinem Horizont, kann sein, dass ich dafür nicht intelligent genug bin, wahrscheinlicher aber mag ich keine Heizdecke im Federbett. Oder anders ausgedrückt, ich stehe auf Speckkuchen und nicht auf Süßgebäck, auch wenn das gewiss nicht objektiv ist „Into Hypnagogia“ hat was von der dicken Torte beim Rentnergeburtstag. Zwischen all dem lustigen Diagnosenbingo und dem austauschen neuster Hinterbliebenengerüchte wird eine Kilotonne Sahne, Buttercreme, Nougat und Kunstkirschen über Blusen, Tischdecken und gruselige Hautfalten verteilt. Schwülstig und ungemein überladen nimmt das Desaster seinen Lauf, lässt die Bauchspeicheldrüse kollabieren, den Blutzucker die Arterien verkleistern und die Pumpe versagen. Der Schlund verstopft, die Lunge aspiriert, der Husten erreicht den Tischnachbarn. Nur der Magen bleibt unbeeindruckt, der abgehärtete kleine Scheißer! Und genauso übertrieben tafeln CHALICE OF DOOM ihr Album auf, beladen es mit den sprichwörtlichen Kalorien, die niemand verkraften kann und überzuckern die Kompositionen maßlos. Dass es hinter dem Schleier inhaltlich recht dürftig aussieht, lässt sich so kaum vertuschen. Der Mann am Keyboard spielt den Kapellmeister, dirigiert seine Vokalterroristen und der Rest fügt sich. So was kann man in diversen Genres bringen, nicht aber im Metal. Belanglosigkeit ist das Plüschsofa der Faulen! 
3/10

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