Saturday, July 27, 2013

DEATH AGONY - Carcinogenic Memories - Cd / Eigenverantwortung



Steppenbrand ist das Stichwort! Kennt das jemand? Dafür muss man nicht mal Arte schwänzen, das hatte schon Kika im Nachmittagsprogramm. Steppenbrand ist der feurige Savannensturm, dessen Flammen alles verschlingen, der alles tötet und der neues Leben bringt. Steppenbrand ist dafür verantwortlich, dass Marathon olympisch wurde (nicht der Unsinn mit den ewig klammen Griechen), alles ist ständig in Bewegung und der Fluchtreflex kennt nur eine Richtung. Er ist die Ursache dafür, dass Mauz und Hoppel den Igel Huckepack nehmen und durch das kurze, trockene Gras schleppen. Sein Atem (vom Sturm – der vom Igel wenn überhaupt nur kurzzeitig) ist glühend heiß, und er verschlingt alles, was seinen Weg kreuzt, er scheint mal sprunghaft, mal berechenbar, ist aber immer der gnadenlose Vernichter. Er beherrscht mit Geschwindigkeit und Beharrlichkeit, mit Schmerz und Brutalität, zeigt keine Gnade und keinen Respekt. So ein Feuer da draußen ist pure Wut und brandiger Hass, Verursacher des größten Flächen – Barbecues weltweit, alles knusperdurch und ganz bestimmt nicht englisch. Er marschiert immer vorwärts und lässt verkrustete Konventionen, alte Strukturen, einlullender Alltäglichkeit ihrer Vergänglichkeit gewahr werden.
So wie der Steppenbrand funktioniert, so funktioniert jede gute Death Metal Band. Wie der Flammensturm, zaubert sie Blast unter das Dach, bis der First qualmt, groovt sie die Arthrose aus den Kniegelenken, ist kreativ auf ihrem Weg der Zerstörung und bietet lyrisch unbequeme Wahrheiten … oder aber pseudokranken Unsinn (der einzige Unterschied, der den Nutzen des Steppenbrandes karikiert) Wenn ihr Death Metal in ähnlicher Weise versteht (ohne zu verachten, dass der Scheiß auch noch Spaß macht), dann habt ihr eure Szenefavoriten. Und zu denen wird DEATH AGONY wohl lange Zeit nicht gehören. Die Jungs aus Frankreich mühen sich redlich ab, ihren Faves hinter dem milchigen Spiegel gerecht zu werden. Sie berufen sich auf Vader, Behemoth, SFU, ja sogar Slayer. Und unter solch hoch gesteckten Zielen strampeln sie voller Enthusiasmus. Die ziehen und treten an und nach ihren Instrumenten, als würde gerade jetzt was Neues in die Welt gesetzt und sie wollten Zeuge eines Millenniumsereignisses sein, ihren Part mit frisch geschränkten Sägen in das junge Fleisch ritzen. Solche Vorgehensweise gefällt mir. Egal woher Kritik wehen sollte, es geht mit Ellenbogen mittendurch. Auf der anderen Seite leiden sie etwas an Kreativitätsarmut. Denn den Death Metal den sie für sich entdeckt zu haben glauben, der tief verwurzelt in den 90ern steckt, klingt in ihrer Version irgendwie banal und wenig herausfordernd. Klar, einen gewissen Proberaumcharme trägt die Musik schon in sich, es ist quasi hörbar, wie konzentriert sie ihre Songs zusammen bauen, mit aller Naivität die es bedarf aus voller Brust zu brüllen. Nur ist das Handwerk, oder vielmehr die Umsetzung so gewöhnlich, dass es niemanden mehr aus dem Fahrgleis schubst. Stumpfe Riffs, leiernde Solis, offensichtliche Timingschwierigkeiten sind nicht durch den Willen  zu kaschieren, die brutalsten Schlächter jenseits des Rheins zu sein. So gut wie nichts ist nicht schon besser, oder zumindest anderenorts zerkaut, verdaut, ausgespuckt und ausgeschissen worden. Dass muss auch gar nicht negativ sein, im eigentlichen Verständnis von guter Mucke ist es das auch nicht, aber den eigenen Spirit muss eine engagierte Band einfließen lassen, wenn sie authentisch und selbstbewusst auf den Putz hauen will. Wenn dem nicht so ist, dann gibt es den unbegehrten Platz in der grauen Warteschleife. Wer trotzdem Interesse hat, sollte keine Bange haben, schlimmer geht immer, noch ist nicht jeder Unterhaltungswert von der Ladefläche gefallen.
Mit dem Tempo sind sie immer flott unterwegs, machen von dieser Seite beäugt einen agilen Eindruck. Auch lyrisch versuchen sie scheinbar recht ansprechend Oberflächlichkeit zu vermeiden. Also ist wohl alles nicht so schlimm, aber im Ganzen betrachtet auch nicht wirklich gut, nicht überzeugend. Zumindest nicht genug, um im Buch der Großen mehr als eine Marginalie an den Rand zu kritzeln. DEATH AGONY bietet passable, wenn auch nicht unbedingt spannende Unterhaltung mit Kurzweil und dezentem Nackenschmerz. 
6/10

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