Monday, July 29, 2013

DRUG HONKEY - Ghost In The Fire - Cd / Transcending Obscurity



Alles beim alten im DRUG HONKEY Camp, der Kopfschmerz ist noch da, die Winterdepressionen überstehen die sommerliche Gluthitze, die Musik bleibt statisch und zäh wie Bitumen, der aus den Straßen quillt, weil es ihm weil zu heiß ist. Woher dieses Doom – Psycho Desaster kommt, liegt auf der Hand, die Musiker haben freiwillig ohne Gasmaske im Wohnwagen von Walter White geschlafen. Und die Auswirkungen benebelnder Dämpfe und giftigen Senfgases lassen das Hirn tropfenweise zu den Ohren heraus rinnen. Angeblich tritt man bei einmaliger Anwendung bis zu 8 Stunden ins Nirwana ein, verklumpt sich die graue Masse und durchlebt eine pseudo – kreativen Prozess. Jedenfalls könnte ich mir gut vorstellen, dass jemand auf solche Weise solche Alben aus dem Gefängnis seiner Fantasie befreit. Mit absolutem Minimalismus und extremster Verzögerung auf allen Spuren, selbst beim Gesang, blubbert die Band ihre Musik durch das metaphorische Glaspfeifchen. Immer begleitet mit seltsam wabernden psychedelischen Soundcollagen, die an die LSD Verrückten Experimentalmusiker aus den 70ern erinnern, lässt uns der Sänger in befremdlich langgezogenen Leidensbekundungen an seinem Seelenchaos teilhaben. Viel mit Musik im eigentlichen Sinne hat es nicht zu tun, selbst eingefleischte Doom –Fans dürften an ihre Grenzen stoßen. Mit klarem Verstand lässt sich das weder greifen noch halbwegs gesund überstehen. Und auf keinen Fall Montagmorgen, denn es ist wenig erstaunlich, dass dieser Schleppkahn der Emotionen die Stimmung eines Wochenanfangs nahezu perfekt in Szene setzt. Stimmensamples ertönen aus künstlich geschaffenen Maschinenhallen, Geschwindigkeit ist ein Gerücht im Dunkeln, eine Sekunde währt ewig, wenn sie mit Gummibändern am Gipfel des Mount Everest befestigt ist. Vorrangig kracht ein schlechtgelaunter Bass in die Fahrspur, drückt dem einschlafenden Schlagzeuger seine Meinung sehr deutlich aufs Auge, lässt sich vom rifffreien Feedbackgestöber der Gitarre wenig beeindrucken und knattert behäbig wie die Eiszeit über das Antlitz des gesunden Menschenverstandes. Dabei schabt er hier und erodiert da. Er ist so was wie der rote Faden auf einer disharmonischen Talfahrt.
Die durch den Rausch angeblich gesteigerte Leistungsfähigkeit, die mit dem rasanten Hochfahren der Körpermaschinerie zusammen hängt, lässt sich bei DRUG HONKEY allerdings nicht wirklich verifizieren. Ganz im Gegenteil krachen die die Rolltore runter, die Protagonisten lassen sich mit allem über Gebühr Zeit, ja schlurfen bequem durch den vernebelten Ozean der Gefühle wie ein singender Buckelwal beim Unterwasserballett. Also liegt es doch auf der zitternden Hand, dass Walter White alias Mr. Heisenberg noch ganz andere Sachen in seinem fahrenden Labor köchelt. Substanzen, deren Wirkung über Tage anhält, so wie es die Musiker selbst gestehen. Und unter deren Wirkung haben sie ihre halluzinogenen Erfahrungen dann vertont. So geht es weniger um Musik als rationale Kunstform, sondern um düstere und angsteinflößende Klangexperimente, nicht um schwere Salven aus tiefgestimmten Instrumenten, sondern um den Ausdruck einer verdrehten Erlebniswelt. Und das kann sich niemand jeden Tag eintüten, wer das im Auto zu leiern hat, bekommt eine Anzeige wegen Drogenkonsums, ohne Urinprobe oder Körperschweißtest. Ein ganzes Album lang passiert solange nichts, solange ihr das gefährliche Niveau der Band nicht teilen könnt. Und für Leute die sich gern einen drehen und feiern ist das letztendlich sogar der ultimative Downer. Rezeptpflichtig irgendwie, schwer zu schlucken und nur unter Aufsicht anzuwenden. Über einen objektiven musikalischen Wert weiß ich nichts zu berichten, also tippe ich bei der Punktvergabe mal willkürlich in die Mitte. Das sollte zumindest gnädiger sein, als noch beim letzten Album, was wohl zeigt, wie leidensangepasst ein Mensch mit den dahinziehenden Jahren werden kann. 
6/10

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