Tuesday, July 16, 2013

FACEBREAKER - Dedicated To The Flesh - Cd / Cyclone Empire



Der Untote als mäanderndes Individuum muss maximal verlottert und lecker angegammelt sein, nur dann darf er sich als echter Zombie fühlen und das schmackige Lieblingsgrauen der Metalgemeinde sein. Dann ist er würdig, als authentische Vorlage für sägende Gitarren, gorige Lyrics und bollernden Sound zu dienen. Dabei färbt das Lokalkolorit die Verhaltensweise der wandelnden Schnapper und Beißer. Der amerikanische Zombie war einst ein tumber Schlurfer, der Einkaufszentren und Innenstädte frequentierte, einfach nur wegen seiner klassisch geschulten Konditionierung. Mit den Jahren hat der dann an Intelligenz und bedauerlicherweise auch an Tempo zugelegt. Wahrscheinlich musste er sich auch den wachsenden Herausforderungen einer modernen Zeit anpassen, warum soll es ihm anders gehen als uns. Gut schlauer werden wir nicht, aber jeden Tag etwas fixer auf den Füßen.
Der südeuropäische Zombie verhielt sich da ganz anders, den verließ seine mediterrane Erziehung nicht so schnell, gelebte Sozialisation streift niemand ab wie einen zu eng gewordenen Mantel. Die Mittelmeerleichen hatten die Ruhe weg, mieden Großstädte und suchten in aller Ruhe vorzugsweise tropische Inseln und alte Landgüter heim. Dabei wahrten sie das skurrile Antlitz von angetrocknetem Kartoffelpüree. Manche konnten sogar reiten. Außerdem waren die sexuell viel mehr getrieben, als alle ihre Verwandten. Grapschen und Titten blitzen musste mindestens sein.
Der britische Zombie ist meist einer der rennt als wäre der olympische Gedanke das letzte das sein lebendes Gehirn verstrahlt hat. Ursächlich hat das aber was mit der schlechten Küche auf der Insel zu tun. Da der Zombie es sich nicht leisten will, geschmacklich versautes Fleisch durch ein Übermaß an Pfefferminzsoße zu sich zu nehmen, muss er von der schnellen Sorte sein, bevor die Nahrungsquelle zu arg kontaminiert ist.
Der japanische Zombie kennt keine Konventionen, der lebt seine kulturellen Eigenarten in sexuellen Eskapaden und lässt sich immer noch vom ständigen Zeitdruck seiner Landsmänner beeinflussen. Der passt in keine Schablone und ist auch so nicht wirklich zu verstehen, geschweige denn von seinen Leichenkumpels zu unterscheiden. Individualität ist ihm piep egal.
Und so tummeln sich zahlreiche Ableger der gammligen Bruderschaft in den großen Nationen der Welt, bildgewaltig dokumentiert und explizit drauf gehalten. Was ist aber nun in den Ländern, wo keine Kamera zur Verfügung steht, um der Wahrheit auf die Schliche zu kommen? Nun, da wird ganz im klassischen Sinne erzählt, Geschichten werden in Liedern an die nächste Generation weitergeleitet. In Schweden engagieren sich FACEBREAKER  sehr verantwortungsvoll und unermüdlich. Kein Detail soll verschwiegen, keine Schandtat unter den Teppich gekehrt werden. Seit vielen Jahren kämpfen sie an vorderster Front, klären uns auf, wie tot, verrottet und hungrig die Gefahr für hominides Leib und Leben ist, dass die wandelnden Leichen die blutrote Hölle lostreten werden, und wie das mit der Infektion vonstattengeht. Und nun schlagen sie ein neues, 4. Kapitel in ihrer „Encyclopedia corporis mortui“ auf, bringen uns die unlauteren Absichten des schwedischen Zombies schonungslos nah, erzählen von seiner absoluten Hingabe an das warme, menschliche Fleisch. Stilmittel zu Veranschaulichung sind die bewährten. Es gibt keinen Grund, musikalisch neue Wege zu beschreiten, das würde vom eigentlichen Anliegen ablenken und unverzeihliche Zwischenfälle provozieren. Bolt Thrower, SFU und der Drive alter Illdisposed sind weiterhin die vertrauten Stilmittel um den prosperierenden Leichenzug in die Schranken zu weisen. Darüber liegt der traditionelle Regionalsound und das reicht allemal um vorzubeugen, Leben zu sichern und mit aller Macht zurück zu schlagen. Gerade mit solchen gewaltig rollenden und groovenden Midtempogranaten lassen sich flächendeckend ganz Horden ausradieren. FACEBREAKER setzen ihren einmal eingeschlagenen Pfad erfolgreich fort, verzichten auf komplexe Strukturen zugunsten der Eingängigkeit. Quasi muss niemand die Schrotflinte zusammen bauen und arretieren, das Teil ist schussbereit und garantiert maximalen Schaden. Wer wissen will, wie es im Buch des schwedischen Stinkers weiter geht, wie aus äußerer Neutralität innere Wut und Zerstörung wird, der kauft sich das neue Album zur eigenen Erleuchtung. Ein Ratgeber für die ganze Familie – das fetzt ein! 
8/10

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