Wednesday, July 10, 2013

I KILLED EVERYONE - Necrospire - Cd / Pavement Entertainment



Legendäre Szenewalzen wie Dying Fetus oder Suffocation haben schon vor langer Zeit vorweg genommen, was all die heutigen Deathcore – Rotzer als ihr Eigen betrachten. Breakdowns sind ein Rezept aus dem amerikanischen Death Metal der 90er. Aktuell wird das gern unterschlagen. Oder ist aus dem Bewusstsein der nachdrängenden Generation mit dem neuen Verständnis für Metal einfach verschwunden. So ist es dann wohl beinahe als Sternstunde des Erweckungsprozesses zu bezeichnen, wenn sich jemand aus der jungen Garde hinstellt und deutlich Bezug zum Death Metal nimmt. Deutlicher als viele Zerhackstückler das bereit sind zu offenbaren. I KILLED EVERYONE, die recht produktiv erscheinen  und vermutlich zentralistisch, diktatorisch geführt werden, mischen Upers und Downers, Grooves und Technik mit überdeutlichem Bleigehalt. Brutal und technisch, melodisch und ungemein aggressiv, so gestaltet sich das Marschtempo, in gewissem Sinne auch progressiv, vor allem aber modern. Und überall drückt ein basisgebendes Stilelement durch – Death Metal. Würden die nicht ständig mit zugegeben übertriebenen Breaks arbeiten, das Handauflegen der dicken Frau im Zelt überlassen, und die Klampfen öfter frei schwingen lassen, würde das ganze Konzept angenehm auf den Kopf gestellt. Aber da die Truppe aus Illinois bekennende Deathcore – Protagonisten sind, kommen die nicht umhin, auch so klingen zu müssen. Das ist ein Umstand, der vielen mächtig auf die Gonaden drückt, häufig nur bedingt akzeptiert wird und irgendwie auch den musikalischen Wert schmälert. Oder genauer gesagt, verschleiert. Mit solchen Vorurteilen haben I KILLED EVERYONE sicher auch zu ringen, was dann zu einer noch deutlicheren Abspaltung der Szene führt. Auch in meinem Refugium findet sich Musik dergestalt nicht, wohl kann ich aber zuhören und verstehen, warum sich dieses Subgenre immer mehr Raum verschafft. Deathcore ist wie die Pocke, die an der Backe wuchert, die sich durch jahrzehntelang gewachsenes Fleisch frisst und immer mehr Aufmerksamkeit einfordert. Sie wird vom Parasiten zu einem Individuum. Das ein Eigenleben führt und seinen Wirt, nachdem es genug gefressen hat, nur noch als rudimentäre Stütze benötigt. Eine komplett neue Musikindustrie hat den Parasiten als den nötigen Reanimationsschub in der Metalszene verkauft und mit ein paar krummen Kniffen die nächste große Geldquelle aufgetan. Dass der gestandene Death Metal Fan mit seinem Tunnelblick das nun missbilligt und zum Teil sicher recht gute Musik nicht hört, aus Prinzip verachtet, ist nicht weiter verwunderlich. Geschichte wiederholt sich halt. Die Kluft wird größer und Trotzreaktionen bestärken auf getrennten Wegen. I KILLED EVERYONE wagen nun den Spagat und holen ihre Wurzeln, oder die ihrer Väter, wieder mit ins Boot, erinnern sich an das was Death Metal einstmals ausmachte und spielen Symbiosegott. Mit metaphorischer Laboreinrichtung vermischen sie alle guten Elemente und waschen den Schlaf aus den Augen. Mit vertretbarem musikalischem Niveau versuchen sie die Schere zwischen sich verächtlich belauernden Lagern ein Stück weit zu schließen. Am Ende schein das ganz gut gelungen, der wahre Innovationsschub fällt aber nicht vom Laster, dafür wird zu viel recycelt, mit zu vielen gewöhnlichen Mitteln gearbeitet. Auch wenn die Umsetzung ihrer Ideen (zumindest glauben sie, dass es ihre sind), handwerklich kaum anzufechten ist, so bleibt die löbliche Absicht häufig doch in zu großer Banalität stecken. Die Ursache dafür mag darin liegen, dass eine gewachsene Band anders agiert, als eine Saloondrehtür. In den 5 Jahren ihrer Existenz und unter Zuhilfenahme diverser Veröffentlichungen, hat dieser Crossover – Versuch schon 12 Leute verschlungen. Und diese innere Unruhe überträgt sich dann auch auf die Arbeit und die Präsentation nach außen. Unterm Strich sind I KILLED EVERYONE mit all ihren guten Absichten doch nur eine von vielen, weil sie mehr beabsichtigen, als sie stemmen können. 
6/10

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