Friday, July 12, 2013

INHUMAN - Course Of Human Destruction - selbstgestrickte Cd



Inhuman – mehr Sammelbegriff als Name, mehr Fließbandstempel als individuelle Aussage. Beginnend mit der eigentlichen Bedeutung des Wortes, in all seiner Variationswut, von Völkermorden und Kriegen über weltweite Sklaverei am Arbeitsplatz bis hin zu ohrenbetäubenden Geräuschorkanen, die vielerorts als Kunst und Musik angepriesen werden wie sonnengereifte Tomaten aus Holland, oder (sehr verwerflich) Nachtarbeit am Wochenende. Vieles ist subjektives Empfinden, lange aber nicht alles, das zeigt der geschundene Planet täglich auf vertrauensvollen Nachrichtenkanälen (mit Produktplatzierung) und in seriösen Klatschblättern.
Inhuman – das steht aber auch für ungezählte Metal – Formationen, die sich einen versierten Zeichner ins Boot geholt haben, um diese „Einmaligkeit“ im Logo für die Ewigkeit festzuhalten. Also über diesen Namen kann sich eine Band allein nicht profilieren, ist er genauso wenig aussagekräftig wie Olaf Schubert auf sächsischen Mineralwasserflaschen. Inhuman als alleinstehendes Gütesiegel oder im Verbund mit anderen Zusätzen und Zungenbrechern gibt es reichlicher als Fliegen auf Guano. Zynische Geister würden schon bei der Namenswahl jegliche Kreativität anzweifeln. So ist jedes Inhuman – Konstrukt gezwungen, die einzig wahren Inhuman zu sein und sich musikalisch von allen anderen Vertretern der Gattung abzuheben. Ich habe keinen blassen Schimmer inwieweit den indirekt konkurrierenden Vettern in Vergangenheit Erfolg beschieden war, die deutschen Veteranen mochte ich seinerzeit sehr, außerdem haben sie den Ring wohlweislich rechtzeitig verlassen und sich einen wesentlich prägnanteres Banner gesucht, unter dem bis dato Qualität ein Trademark ist.
Mit „Course of Human Destruction“ macht sich nun ein neuer Anwärter um das Inhuman – Turmzimmer bereit, seinen Anspruch durchzudrücken. Auf dem europäischen Festland dürfte dabei der Exotenbonus noch rudimentär greifen, kommt die Band doch aus Costa Rica. Da wir aber in Zeiten der leidigen Globalisierung aller eher schlecht als recht miteinander auskommen müssen, greift das nicht mehr wirklich. So müssen auch Akteure aus den letzten Zipfeln der interplanetaren Bleiumlaufbahn beweisen, dass sie in die Reihen der Etablierten gehören und nicht nur einfach so mitspielen wollen. Der Anspruch und die Erwartungshaltung steigen genauso an wie Ölpreise und Inflation.
Nun hat es dann tatsächlich nicht lange gedauert, bis der Beweis auf der metallenen Auslegeware lag, dass Inhuman aus der Karibik richtig was in der Hinterhand haben, nicht einfach so über seichte Gewässer plätschern. Mit einer Mischung aus technischen Koryphäen, irgendwo zwischen Cannibal Corpse und Death überrascht eine junge Band mit sehr engagiertem Songwriting und tougher Umsetzung. Die Schnur am Rollen hält dabei vor allem der Leadgitarrist, der mit geschickten Solos sich auftuende Lücken füllt und sein Spiel bis in den letzten Winkel scharf feilt. Sehr klassisch und einfach eine Lecke, dem Zauber der hohen Saiten zuzuhören. Dagegen ist die Rifffront manchmal etwas zu sehr auf  Zeitverzögerung aus, vereinzelt den Rotstift angesetzt hätte noch mehr gestrafft. So wirklich ins Gewicht fallen will das aber nicht, denn die Koordinationsfähigkeit der Musiker, die fast durchweg sehr flott unterwegs sind, ist schon eine Show wert. Richtig cool wird es dann zum Schluss, wenn der Basser seinen Drummer liebt und beide elektrisiert durch in sehr aggressives und direktes Stück führen, das dann gar keinen Tanz auf den hohen Saiten mehr nötig hat. Mit einem Debüt, das sich so selbstsicher und spielfreudig in die Arena begibt, lässt sich Staat machen. Da verzeihen sich kleinere Unzulänglichkeiten wie von selbst.  Die Cuba – Anrainer sind auf dem besten Weg, einem banalen Namen zu neuem Glanz zu verhelfen.   
http://inhuman1.bandcamp.com/
8/10     

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