Monday, July 15, 2013

MYSTIC CHARM - Shadows Of The Unknown - Re – Release / Memento Mori



Als der Amateur Schliemann in der Türkei über das von den Griechen verbuddelte Troja stolperte, war das eine Sensation, weil es 5000 Jahre gedauert hat, bis die Ruinen Sonnenschein fassen durften und Homers´ Abenteuerplot als pures Fantasiegespinst galt. Gut versteckt!
Als Carter Tutanchamun weckte und so seinen Fluch lostrat (wer will schon so rüde mit Hämmern und Getöse aus dem Schlaf gerissen werden), waren auch ungefähr 3200 Sommer durch die Wüste spaziert. Ebenfalls eine spektakuläre Aktion.
Und als die deutschen aus dem Badesand noch die Büste der Nofretete hoben, und sie im Kolonialstil als deutsches Kulturgut in Berlin auf eine Stele klebten, da war das Aufregung, Entdeckerstolz und Skandal gleichzeitig.
Und die Aktion des Italieners, der für die Spanier gleich einen ganzen Kontinent fand, ist an Nachhaltigkeit kaum zu überbieten!
All solche Dinge zeugen vom Forscher und Erfindergeist der Europäer, und auch davon, die besten Detektoren mit sich zu führen, Spürnasen zu sein!
Nur der Niederländer fällt da etwas hinten runter, der findet nichts außer Klischees, erfindet nichts außer eines seltsamen Dialektes für Fernsehentertainer und er befindet sich ständig mit einem Fuß in der Abschaffung der selbstgepriesenen Liberalität. Alles nix um sonderlich stolz durch das Watt zu schlurfen. Die wühlen auch absichtlich nicht allzu tief in der eigenen Vergangenheit, weil sie umgehend auf Grundwasser stoßen und unversehens absaufen könnten. Nun gut, sie sind ja auch nur eine Handvoll von Dauercampern und Blumenzüchtern, Coffeeshop für Kiffertourismus Schließende und der eigenen Hauptstadt nicht Vertrauende Masse an Individualisten, die die Anerkennung der internationalen Staatengemeinschaft nicht braucht. Wirklich erstaunlich sind die Anzahl und der Facettenreichtum an Metal Bands, dass sich das kleine Fragezeichen auf den Weg macht und wissen will, wo die alle herkommen und wo die überhaupt alle Platz haben.  Das kreative Gerangel ist derart dicht gedrängt, dass ausgeschiedene und im Sand der Zeit verweht schnell in Vergessenheit geraten. Und so kommt der Archäologiespaten der Musik, einer mit neuzeitlichem Schliff, zum Einsatz und findet bisweilen einige Perlen, die im Schatten der Vergangenheit eingetrübt sind.
Eine von den längst Dahingeschiedenen sind MYSTIC CHARM aus Amsterdam, die ihre Hochphase 94 mit „Shadows Of The Unknown“ hatten und danach in Morpheus Armen einschlummerten. Sich diesem Album anzunehmen trägt jede Berechtigung auf verantwortungsvollen Schultern. War es und ist es doch immer noch eine exzellente Abrissbirne in Sachen Death / Doom. Extrem primitiv und auf das Wesentliche fokussiert, bass – bollert ein Urviech am Rande des Minimalismus durch zurückliegende knapp 20 Jahre. Damals auf der Höhe der musikalischen Zeit, versprühen die Aufnahmen heute einen morbiden Charme. Eine tiefe Rhythmusgitarre mit effektiven aber kaum aufwendigen Riffs bestimmt das Geschehen, begleitet von gruseligem Georgel mit einer Spannweite zwischen romanischer Kirchenruine und 50er Jahre B – Movies. Das als Doom startende Unternehmen mutiert im Laufe des Albums zu einem echten Mid – Tempo – Eisen, frei von Technik, dafür mit der Erkenntnis, das Toni Iomi immer noch die authentischsten Metalriffs in der kurzen Geschichte des Krawalls schreibt. Die Bassgitarre bombt ganze Lebensräume platt und die Drums sind so was wie die Kettenraupen, die den Schutt zu Bergen häufen. Durch den Set geleitet werden wir von der wenig femininen Stimme von Rini Lipman, die auch mal auf Sprechgesang ausweicht, aber durchweg charismatisch über ihre Lyrics keucht und krächzt. Ich weiß nicht, wie viel Beachtung das Album dereinst einheimsen konnte, aber im Nachklapp lohnt sich eine Neuauflage durchaus. Zuzüglich bekommt  ihr noch das erste Demo quasi als Bonus mit ins Paket, sowie neues Coverartwork, so dass der Spaß an der Friedhofsatmosphäre nicht zu kurz kommt.
Da hat der Niederländer doch mal was, worauf er stolz sein kann, etwas mit Nachhaltigkeit, das auch eine Generation später tadellos für Kopfschmerzen gut ist, und nicht immer nur Fußball und verpatzte Länderspiele und der ganze Mist!

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