Thursday, July 11, 2013

SPHERON - Ecstasy Of God - Cd / Apostasy Records



Die Schöpfungsgeschichte, der Versuch des Alten kreativ zu sein, die Ekstase Gottes – wie ekstatisch, wie genial ist er aber wirklich, treibt er ein Spiel, dass bisher unentdeckt blieb, zieht er die Fäden hinter dem Wolkenvorhang gar aus ganz anderen Gründen? Ist er etwa gar nicht so selbstlos, liebt er uns etwa nicht nur, weil wir so grazile und unschuldige Gestalten sind, die sein geschmähtes Paradies bevölkern?
Angeblich hat ihn das Chaos angekotzt, hat wohl nichts mehr gefunden in seinem wüsten Bastelkeller und musste Ordnung machen. Auch Junggesellen müssen manchmal die Auslegware sehen können. Am ersten Tag hat er den großen Schaltkreis verlegt, ein recht aufwendiger Bauplan, den niemand, auch nicht Gott so einfach ohne tieferen Sinn installiert. Allein die Materialkosten müssen nach planetaren Maßstäben heute noch zu einem zwangsläufigen Schufaeintrag führen. Da ist es gut, wenn wenigstens einer unbegrenzt Kredit hat. Dann hat er die Decke gemalert, mit langweiligen Fresken, die meist in Bewegung sind, und den Blick in sein Wohnzimmer versperren. Am 3. Tag hat er Land und Meer geschaffen, im Dreck gebuddelt und den Garten mit Grünzeug garniert. Als Landschaftsgestalter ist er wirklich genial der Zausel. Oder lenkt eine verführerische Optik nur von den wahren Tatsachen ab? Dann kamen die Lampen dazu, beglitzern und beflammen alles recht hübsch, sorgen für Kontrast und Farbspiel, wie es nicht mal der Japaner mit seinem Technikflitz hinbekommt. HD und 3 D und Doppel D hat der Schöpfer schon viel früher raus gehabt, als der Elektronikmarkt zugeben will. Und weil man nun genug sehen konnte, hat er Leben ins Wasser und an den Himmel gesetzt, auf das es flatterte und blubberte, intensiver als bei Zoo – Kaiser zu Weihnachten. Danach wirft er zahlloses plüschiges und schleimiges, borstiges und nacktes auf die Erde, lässt kreuchen und fleuchen, stopft die Erde mit einer beeindruckenden Artenvielfalt voll und erschafft seinen privaten Tierpark. Na und dann sind wir an der Reihe, was allgemeinhin als Schwachstelle in der Produktionskette betrachtet wird, als den großen Fehler, den blinden Fleck auf seiner Ekstase – Lupe. Denn mit uns kehrt das Chaos zurück, mit dem er doch so gründlich hat aufräumen wollen. Aber bitte, Meister aller Klassen, was hast du dir auch dabei gedacht, die Frau aus der Rippe des Mannes zu erschaffen und beide nackt unter einen Baum zu setzen. Ohne Herd! Ohne Fernseher, ohne Stammtisch und Häkelclub, was hast du geglaubt was die machen, du alter Schwerenöter. Natürlich bedankt sie sich bei ihm, und er hat ja keine Hosen, kann also nicht verbergen, wie gern er sich Dankbarkeit entgegen sehnt. Und nur deswegen setzt der Patriarch die Menschheit vor die Tür. Der Sündenfall! So ist die Geschichte bekannt geworden. Aber steckt vielleicht doch mehr dahinter? Was wäre, wenn das alles Kalkül wäre, wenn der Plan genau diese Sollbruchstelle beabsichtigte? Da baut er ein Pärchen, das wenig gemein hat, außer die Lust und schwupps sind Konfrontation und Stress vorprogrammiert! Das nenn ich eiskalt, lässt jede moderne Verschwörungstheorie blass aussehen. Gott hat von Anfang an seine eigene Realityshow gewollt, das beste Rezept gegen Langeweile, wenn man keine Freunde und keinen Alkohol hat. Der wollte das Chaos nicht abschaffen, sondern ein brandneues zum Selbstzweck erschaffen, sich zurück lehnen und das Blutbad genießen. Das ist sein 7. Tag, der bis dato währt! Das ist die wahre Ekstase Gottes, und die halten wir ihm seitdem hoch, wie einen Ständer im Nuttenschoß.
Nur Vorsicht müssen wir walten lassen, so selbstsüchtig das auch war, zu dicht mit der Wahrheit darf man ihm nicht auf die Pelle rücken. Ein Genie wie Chuck Schuldiner hat das einst versucht, Mozart sicher auch. Und nun  sitzen sie da oben und sind handlungsunfähig. Aber mit einem stolzen Maß an Schadenfreude dürfen sie doch herab schauen. Denn es steht fest, dass ihre Saat aufgegangen ist, und intelligente Musiker den Kampf aufgenommen haben, um die nüchternen Fakten ans Licht zu bringen. SPHERON gehören dazu und schockieren mit einem so weitgreifenden Debüt, dass sich die Frage stellt, ob die wirklich noch lange brauchen, bis sie Gott bloß stellen. Die sind jetzt schon musikalisch weiter, technisch fitter, kompositorisch innovativer als die meisten Bands, die sich aus ihrer 3 Demo Karriere heraus geschält haben. Sie nehmen zahllose klassische Bezüge, verzichten komplett auf stumpf und beeindrucken mit immenser Weitsicht. Aggressiv, progressiv, harmonisch, verspielt, frontal auf die Glocke und dem Chaos völlig abgeschworen, so bringt man Ordnung in die rotte Hütte. Schuldiner wird seine wahre Freude daran haben und dem Rauschebart den Stinkefinger zeigen. Wenn es die Umstände und die Geduld erlauben, kann daraus was echt Großes wachsen, etwas das aus profanem Death Metal heraus sticht, wie die Hand Gottes bei der Fußball – WM. SPHERON schneiden dem allmächtigen Manipulator ein Schnippchen, das so reif und ausgeklügelt ist, dass es gar nicht von einem Debüt sein dürfte. Meinen allergrößten Respekt!   
9/10

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