Tuesday, July 9, 2013

THE LUMBERJACK FEEDBACK - Hand Of Glory - Ep / Kaotoxin Records



“Loud & Low”, das sind die selbstgewählten Eckpfeiler einer ungewöhnlichen Band, einer Band, die bewusst auf das eine verzichtet und das andere gleich 2 x hat. Aber immer der Reihe nach. Das mit dem „laut“ ist subjektiv, da es immer noch im Ermessen des Konsumenten liegt, wie weit er die Regler in der eigenen Küche aufdreht. Kann aber schon sein, dass die Musik der etwas seltsamen und konzeptionell herausstechenden Franzmänner besser funktioniert, wenn sie ordentlich schmerzvoll in den Eingeweiden vibriert. „Low“ trifft es dann jedoch viel genauer, um den stilistischen Mittelpunkt zu finden. Sludge und Doom, schwerfällig und treibend, depressiv und progressiv. Selbst wenn auch das nicht generalisiert werden darf. „The Lumberjack Feedback“ ist wohl eine Band zum Zuhören und diskutieren, das Inhalat verbotener Substanzen packt eine rosa Wolke drum und verstärkt den psychedelischen Charakter. Dann fällt es nicht ins Gewicht, dass sich vieles in Schleifen bewegt, wohl aber, dass der immerwährende Rhythmus ständig feine Leads und sanfte Nuance mit sich treibt. Ich komme also nicht umhin, den Herren ein aktives Songwriting zu bestätigen, egal ob ein Riff einmal oder unzählige male auftaucht, es bewegt irgendwie immer was neues, stößt beständig andere Türen zu noch nebulöseren Räumen auf. Natürlich ist es immer im Bereich des Möglichen, dass sie ihr Konzept auch mal überreizen und der Eindruck entstehen könnte, hier spielt jemand auf Zeit. Nur wird das kaum die Sichtweise der Band sein. Der zentrale Punkt, und damit zum „2x“, ist die Tatsache, dass sich alles um sonore, ständig in Bewegung befindliche, manchmal an spießige Tamburintakte erinnernde Rhythmen aufbaut. Dafür benötigen sie 2 Drummer, etwas das nicht so außergewöhnlich sein mag, aber doch seltsam genug, verknüpft sich dieser Umstand nämlich mit der vollkommenen Abwesenheit eines Sängers. The Lumberjack Feedback ist eine reine Instrumentalband, die ihre Geschichten mithilfe von dicken Gitarrenbrettern und Schlagzeugfokussierung erzählt, bei denen das angeschlagene Tempo, das durchaus wechselt, wenn es auch lieber behäbig und bleiern ist, den Ton angibt und Bilder wie ein überhitzter Diaprojektor an die metaphorische Wand wirft. Aber kann das wirklich eine echte Stimme ersetzen, den Anschein des Unfertigen hinwegwischen? Sind denen einfach keine Texte eingefallen, oder wollte sich niemand dafür hergeben, am Mikro wahlweise auszuticken und einzuschlafen?  Wischt Gott die Küche selbst und wem hat er den Flederwisch ausgerissen? Das spielt glaub ich alles keine Rolle, wenn eine Band aus diesem Genre so kreativ dem Ende aller Dinge am Bart zieht, auch wenn das erst auf den 2. Blick auffallen mag und die Akzeptanz in der verrohten, biersaufenden Satanistenwelt, im Blut und Sex Gebaren auf ewig Vorpubertärer realistisch betrachtet randständig bleiben wird. Einfach ist die Ep sicher nicht, da sich die verkrusteten Hörgewohnheiten des durchschnittlichen Bekloppten mit einer gewissen Herausforderung messen müssen. So arg kompliziert wird es aber auch nicht, denn allein die etwas flotteren Riffs sind sehr eingängig. Für den Anfang reichen aber 2 Songs mit so um die 20 Minuten selbstgebasteltem Untergangssound dann doch. Bevor noch jemand die alten Rasierklingen wieder entgratet und vertikal auf weißem Fleisch ansetzt, um sich die Sache mit dem ewig langweiligen Blutdruck aus der Seele zu waschen. Am Ende und wenn wir überlebt haben, öffnet sich eine musikalische Blüte, die nach modrigem Funeral Doom stinkt und den intellektuellen Reiz von Neurosis verströmt. In dieser Mischung fällt irgendwann gar nicht mehr auf, dass da überhaupt niemand gesungen hat. Kandidaten mit unkontrollierten Stimmungsschwankungen und solchen die nur aggressiv auf die Zwölf vertragen, sollten lieber in der Eckstampe Bier saufen gehen, ansonsten kann man sich das bei Sonnenschein und Vogelzwitschern relativ gefahrlos eintüten lassen.
7/10

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