Saturday, August 31, 2013

CAUVERY - We Are The Plague - Ep / Selbstgezapft



CAUVERY verkörpern alles, was eine moderne Deathcore Band so ausmacht. Schnelle, kurz gegriffene Riffs lösen Hardcoreriffs ab, die das Stakkato in einen typischen Kontrast zum melodiösen und recht schnittigen Geplänkel setzen. Beatdowns schlagen mit akustischen Tiefschlägen Kerben ins Trommelfell. Thrashige Anteile mit wirklich ausgezeichneter Girarrenarbeit wechseln mit Ausflügen ins´ Genre des technischen Death Metal. Dazu growlen und keifen sich 2 Frontstimmen im Wechsel oder Doppelpack aufgestaute Großstadthitze in die Fresse und röcheln sich den letzten Zipfel Geist aus dem Territorium hinter den Mandeln von den vernarbten Seelen. Die Drumarbeit kommt nicht zu kurz, versucht meist mit Erfolg auf der Höhe des Geschehens zu bleiben und der Bass ist Füllmaterial. Für eine so junge Band wie CAUVERY ist es auch nicht weiter schlimm, dass sie noch gewisse Abstimmungsprobleme und diverse unrunde Elemente zu bewältigen haben, dass manche Stellen ungewollt und unnötig chaotisch klingen. Darüber lässt es sich leicht hinweg sehen.
Und schon wären wir fertig, haben einen durchschnittlichen, dem Wachstum zugewandten Vertreter seiner Art  kennen gelernt und wissen ein aufkeimendes Potential schon an der Schwelle zu schätzen. Wenn da nicht, ja wenn da nicht bereits 10 Jahre Musik im Backkatalog stehen würde. Zwar eine Dekade lang unter anderem Namen, aber immerhin. Ein Teil der Songs stammt noch aus der Endphase des Vorgängers. Wenn man nun die Lampe aus dieser Richtung strahlen lässt, dann sind einige Oberflächlichkeiten nicht mehr ganz so einfach vom Tisch zu wischen. Jedoch gelingt es, die Musik aktuell breiter zu fächern, zumindest habe ich den Eindruck, dass das alte Material unflexibler und einen Tick fantasieloser war. Dass sie auch heute stilistisch noch immer zwischen allen Stühlen hängen, mag daran liegen, dass eine Entscheidungsfindung bei so vielen favorisierten Musikrichtungen wohlüberlegt sein muss. Und ehe unwiderruflich die falsche Seite gewählt wird, ist es wahrscheinlich einfacher, sich die Rosinen aus der Elefantenkacke zu popeln und was Zuckersüßes nach eigenem Geschmack zu backen.
Genug nun der rummoserei, in der heimischen Hölle von Belo Horizonte, drunten im Brasilianischen, gelten die bestimmt als sichere Bank bei jeder Show. Dann brennt der Urwald…oder irgendein anderes Klischee. Unterhaltungswert hat die Musik allemal, engagiert scheinen mir die 5 Herren auch zu sein. Und ein Stück wie „Seeds Of Stagnation“ schreibt sich auch nicht eben mal von allein. Das melodische und fies klebende Eröffnungsriff gibt dem Stück gewaltig Drive, bevor der Hardcoreanteil mit dickem Daumen auf die Bremse drückt und die Kiste ruckelnd an Fahrt, nicht aber an Energie verliert. Mehr davon, und das Album hätte noch einige Reserven locker machen können. Dann, wie der Titel es anspricht, wenn auch sicher in einem anderen Zusammenhang, würde niemand von Stagnation flüstern. Nun wenigstens beweisen sie, dass sie nicht in gängigen Mustern festgefahren sind, dass sie geschickte Musiker mit den passenden Gespür für den richtigen Hook zu richtigen Zeit sind. Auch das folgende „To The World Eyes“ hat durchaus Potential, liebäugelt es zwischendrin immer mal mit technischem Todesblei, kokettiert mit dezent progressiver Verzückung und verwischt die Grenzen zur Moderne recht glaubwürdig. Der Ausbruch aus dem Gewöhnlichen gelingt so gesehen recht gut, pustet aufkeimende Langeweile immer dann vom Parkett, wenn es nötig ist.
CAUVERY jonglieren ihr eigenes Produkt durch eine Art Gratwanderung. Sie zeigen was in ihnen zu stecken vermag, geben sich aber zu häufig auch mit zu wenig zufrieden. Am besten Interessierte sperren selbst mal die Ohren auf, wenigsten bekommt ihr ein Album zum Preis einer Ep.  
6/10

Friday, August 30, 2013

SEROCS - The Next - Cd / Comatose Music



In seiner Frühphase war SEROCS so was wie ein liebgewordenes Stiefkind des Mexikaners Antonio Freyre, für dessen Erziehung er ganz allein verantwortlich war. Er nährte es, wusch es, hegte, pflegte, liebkoste und prügelte es, bis ein hässlicher kleiner Bastard aus einem stählernen Kokon schlüpfte. Heute ist das ein multinationales Projekt, dass aufgrund von Distanzüberwindung und viel zu viel Aktivität der Mittäter, kaum einen wirklichen Bandstatus erreichen dürfte. Es verdingen sich Leute aus Amerika, Kanada und Finnland an diesem mexikanischen Racker, drücken ihm alle irgendwie ihren Stiefel in den Nacken und pinnen ihn damit etwas zu sehr am Boden fest. Hier haben wir Leute von Monstosity und Vile dabei, von Kataplexia und Sotajumala, wohlgemerkt stellt das nur eine Auswahl der bekannteren Bands dar, an denen die Mitmusiker sich zu schaffen machen. Hinzu kommen diverse Gastmusiker von Lecherous Nocturne und Demilich, und ein jeder will seinen Rotz in die Suppe spucken. Es kann somit gar nicht ausbleiben, dass sie ihren Fußabdruck im Antlitz des kleinen Scheißers zurück lassen und der selbst als gebeuteltes Kind mannigfaltige Blessuren davon trägt, die er so schnell nicht überwindet. Zusätzlich sind alle Stücke wohl auch in anderen Studios produziert worden. Wenn dem so ist, dann ist das Chaos perfekt und der Faktor Homogenität ein Witz. Auch mit perfekter Vita und irrsinnig viel Talent und Geschick kann die Chance auf den großen Brocken, den genialen Fischzug schnell mit leeren Netzen und stumpfen Haken enden. Dann nämlich, wenn die Musiker sich ihrer Hingabe an das Produkt, der totalen Unterwerfung an die eine Sache plötzlich nicht mehr bewusst sind. Dann bröckelt die Front und feindliche Kampfverbände erstürmen lange für unschlagbar gehaltene Bastionen. Dann ist die Musik, die sich immer noch auf hohem Niveau bewegt, und das muss bei der Riege der Mitmischer vorausgesetzt werden, doch nichts weiter als das Herunterwichsen des eigenen Könnens. Dann geht Inspiration verloren, es wird lediglich das abgerufen, was einem auch im Schlaf aus dem Kittel purzelt. Klar, auch so was ist noch weit über der Norm unerfahrener Krachfetischisten. Das ist aber leider auch wenig überzeugend, zu gleichförmig, vergisst die prägnanten Parts und wirkt auf diese gewisse professionelle Art schrecklich lustlos. So will zumindest ich keinen technischen Death Metal hören. Wenn er ostwärts einfährt und den Schacht westwärts verlässt, ohne Spuren zu hinterlassen, dann ist die ganze Unternehmung SEROCS viel zu abgeklärt und selbstverliebt, dann fehlt der objektive Blick von außen.
Um nun wirklich schlecht zu sein, fehlt es an schlechten Musikern, denn auch wenn sie zumindest auf dieser Rinde an mangelndem Spürsinn kranken, erwarten euch dennoch souveräne Songs, denen an Geschwindigkeit und technischer Ausrichtung ein sehr gesundes Maß an Knowhow innewohnt. Das selbstgesteckte Ziel, den technischen Bleihagel zu den eigenen Wurzeln zurück zu führen, gelingt auf The Next nur zum Teil, denn sie stecken irgendwo zwischen Cryptopsy, Gorguts und Defeated Sanity fest, ohne deren intelligentes Spiel für sich selbst abrufen zu wollen. Denn am Können liegt es nicht. Wem es jedoch genügt, sich mit sicheren Blastnummern die Kronen locker prügeln zu lassen, wer straightes Spiel mag und nicht gern zu intensiv um die progressive Ecke denkt, wer sich einfach mal so richtig aufs Kreuz legen lassen will und nach einen brutalen Ritt bettelt, na dem wird jeder Wunsch erfüllt. Wund im Schritt und morsch im Rücken werdet ihr euch von eurer Liegestatt hochquälen, wenn das Gemetzel vorbei ist. Klare Bässe und vertracktes Gitarrenspiel mit mehr oder minder funktionalen Riffs treiben Schindluder mit der eigenen Überzeugungskraft, und der Drummer nagelt alles von hinten, was den Rock nicht fest halten kann.
Von dieser Seite betrachtet machen SERCOS durchaus einen guten Job. Wer aber höhere Standards setzt und aufgrund der Besetzung auf Anspruch plädiert, wird mitunter bitter enttäuscht. Dem fehlt mit Sicherheit der Hauch des Besonderen, der vermisst Griffigkeit, dem geht just die technische Hölle nicht tief genug. Geht irgendwo probehören, und dann müsst ihr halt selbst entscheiden. Ich verschenke 6 Punkte, die rein auf  Musik reduziert sicher unterbewerten, betrachtet man das Gesamtpaket, aber wahrscheinlich sogar hoch gepokert sind.
6/10

Wednesday, August 28, 2013

PREPARE FOR THE MINDSCAN - Same - EP / Selbstvernichter



Boston – Neu England – einst ein idyllisches Hafenstädtchen mit traditioneller Tee Party in ländlicher Umgebung, voll mit grimmigen Wilden – und heute ein Moloch aus Beton und Stahl, regiert von Iren und diversen tückischen Geschäften. Das Chaos und der Kommerz haben das Ruder längst an sich gerissen, vergessen scheinen die Zeiten, als der Einwanderer mit dem Ochsenkarren seine Parzelle absteckte, seine Saat auswarf und das viele ungenutzte Holz schlug. Das hat er eigentlich schnell begriffen, der Frischamerikaner, das Holz schlagen - in allen Belangen. Aber angefangen hat er mit Holz im ursprünglichen Zustand. Und was ist so ein Baum schon, doch nur ein riesiges Stück Unkraut, das ahnungslosen Autofahrern unverhofft vor die Motorhaube springt und innerlich wahrscheinlich diebisch feiert, wenn mal wieder ein paar Köpfe an seiner garstigen Rinde zerplatzt sind. Natürlich müssen die weg! Und wer braucht schon die eigene Scholle mit dem krabbelnden Gewürm und zirpenden Monsterschrecken, frisches Obst, in dem fiese Maden lauern und Fleisch vom glücklich gekeulten Rind, solange die Mikrowelle im verqualmten und überteuerten Apartment noch Strom hat. In dieser Tradition machen PREPARE FOR THE MINDSCAN Musik, denen ist die Unruhe und Enge, der Krach und der ständige Drang in Bewegung sein zu müssen angehaftet, wie die klebrige Sommerhitze im Stadtkern, wie der Geruch von Abgasen, Frittenbuden, Abwasseranlagen und Hundescheiße. Die machen mit voller Brust Kleinholz aus tausendjährigem Gebäum und verbrennen alles zu Asche, die verbeulen und demolieren jegliche Konfession, weil sie wie eine durchgedrehte Stampede durch die Gegend donnern und vor keinem Hindernis Halt machen. Trampeln einfach über alles hinweg.
Aber wer den grindigen Pogo tanzen will, der darf auch nicht gerade zimperlich sein, wer größtenteils mit 3 Akkorden um die Häuser zieht, der hat rein künstlerisch kaum die Auswahl, der muss ganz einfach mitten durch. Dabei geht es um Geschwindigkeit und Lautstärke, nicht um den filigranen Anteil, der als überflüssige Last hinten vom Hänger purzelt. Hauptsache ist doch, dass die belfernden und growlenden Anführer ihre Sache mit Aufrichtigkeit und Authentizität zu vertreten wissen. Wichtig ist auch, dass sie sich selbst, und nur sich selbst zwischendrin eine Verschnaufpause gönnen. Alle anderen bekommen vom instrumentalen Brechstangendesign ohne Unterbrechung den guten Geschmack verdellt. Ab und an fällt an der Seite mal ein nicht gerade geschicktes melodisches Kleinkunstwerk aus dem Rahmen, aber auch das muss nicht weiter beachtet werden, punktet es schlichtweg nur mit gewollter Profanität, zittert sich so billig und abgefuckt am Straßenrand entlang wie eine Cracknutte auf Freiersuche. Der Punk ist maßgebend für all die künstlerischen Entgleisungen des Bostoner Trios, der Grindcore bestimmt den Sound.
Die löffeln uns mit viel innerer Überzeugungskraft zu, machen einen Wirbel, der mehr Staub in die Augen bläst, als benötigt wird, um die Schwächen des putzigen Hackwerks zu verschleiern. Mit primitiver Keule und stumpfer Gewalt platzen Halsschlagadern und ploppen halbintakte Hirne aus eben noch denkenden Menschlein. Natürlich hätten sie ihre Stücke auch interessanter gestalten können, auf Facettenarmut verzichten können und ihrer Umwelt das brutale Staunen mit der Nagelpistole ans Ei tackern können. Natürlich hätte mehr an intelligenter Musik drin sein können, müssen vielleicht sogar – letztlich es ist aber nicht! Und so bekommt ihr eine ungeschönte Portion Grind und Crust für gar kein Geld, als umme – download – und dürft damit die Wände streichen, dem Nachbarn die Mitminderungsgründe um einen Punkt erweitern, den Abraum in eurer Küche zum geschlossenen Fenster hinaus blasen und so weiter. Zusammengefasst -  ihr dürft damit Spaß haben. Und wer was Hartes in der Hand haben will, dass laut explodiert, der kann sich die Cd-r Version ordern. Guter Anfang! 
Hier gehts zum Selbstversuch - viel Glück beim Überleben:  http://prepareforthemindscan.bandcamp.com/
6/10

Tuesday, August 27, 2013

INFECTED SOCIETY - F STANDS FOR FUCK YOU - MISERABLE FAILURE -Miserable Fucking Society - Cd / Kaotoxin Records



Inhumate haben dieses Jahr ihr 6. Album veröffentlicht. Wenn sie ihrem selbstgeformten Konzept des Lebenskreislaufes treu bleiben, dann fahren sie mit dem 7. so ungefähr in 4 Jahren in den Schacht und hinterlassen in Frankreich eine Lücke, die es zu schließen gilt. Diese Woche sind mir gleich 2(+1) Anwärter auf gerissene Stimmbänder, blutige Köpfe und bedrohliche Bühnenshows mit einer Klappe ins Netz gegangen.
Die 3 Acts halte ich aber momentan für mental zu labil um eine solchen Posten aus dem Stehgreif zu übernehmen, oder es liegt an den so extrem gestört erscheinenden Persönlichkeiten, bzw. an dem was sie da musikalisch aus dem wirren Gedankenknoten ihrer entfesselten Fantasie befreit haben. Ich glaube ja fest, die sind naturbreit, oder jemand hat denen diverse bewusstseinserweiternde Substanzen verkauft, vielleicht nur unter das Falafel gemischt. Im Allgemeinen habe ich nichts gegen Drogen, wer denkt, dass das Leben so schwer ist, dass er es nicht mit seiner eigenen Schwäche messen will, der soll von mir aus die Hintertür nehmen, wenn’s´ zum Besserfühlen taugt, nur zu. Wer sich damit wohler und freier fühlt, kleine blaue Elefanten wie die Ringe des Saturn um seinen Wasserkopf fliegen sehen will, oder auch nur Gott die Hand zu reichen beabsichtigt, der soll mit seinem Dealer den Twist tanzen. Schließlich ist das ja die immer geforderte Eigenverantwortung über das persönliche Nervenkostüm, und auf den austickenden Verstand hat die Öffentlichkeit im Speziellen keine gesonderten Ansprüche zu erheben. Es sei denn, der Konsument muss gleichzeitig ein Flugzeug notwassern oder vergleichbar komplexes bewerkstelligen, wie vögeln im Fahrstuhl. Sobald die Komponenten Zeit und öffentliche Gefährdung des Allgemeinwohls greifen, dann lasst verflucht noch mal die Finger von Drogen! Sonst ist mir das so egal wie Preiserhöhung für Tofuprodukte.
Aber den Scheiß an Grindcoremusiker verticken, bei denen die Köpfe auch ohne Einnahme schon zu explodieren drohen, das ist schlichtweg verbrecherisch. Alle 3 Bands geben sich redlich Mühe, dem Irrsinn eine Plattform zu pflastern, die bei Inhumate ja wohl schon da war, aber um einige Landebahnen für abstürzende konzeptionelle Entgleisungen zu erweitern ist. INFECTED SOCIETY sind unter den Krachabhängigen wohl noch die traditionellsten, schnupfen eine Mischung als Grind und Hardcore von der Tischplatte, machen das mit einem gewissen Feingefühl und vergessen die Keule ebenfalls nicht. Die Riffs sind nachvollziehbar und verlieren sich nicht im generellen Durcheinander, das noch folgen soll. Also beginnt die 3 – Way mit der eingängigsten Band, und selbst die kommen schon mit einem Gewalthammer daher, der die selbstgehäkelten Socken durchlöchert und ziegenfüßige Hufe grob pedikürt. Den latent spürbaren Death Metal Einfluss bringen die einzelnen Mitglieder mit, die ihre Parallelwelten nicht so gänzlich im Schubfach wegschließen konnten (Yyrkoon, Drowning…)
In  F STANDS FOR FUCK YOU tummeln sich Benighted Leute, die in das Gewölle ihrer eigenen Querschläger sowohl Struktur als auch vollendete Kopfschmerztendenz hineinknoten. Dann sägt ein Bastard an Grind, Hardcore und groovigen bis progressiven Rockattitüden am entnervten Gemüt. An der einen Stelle groovt die Musik den Grind vom löchrigen Dach, dann wieder geht das so wild und willkürlich durchs Feld, mit einem Geplärr, dass wie Rage Against The Machine auf Metamphetamin rüber kommt, dass die Kompassnadel panisch die Richtung verliert. Hinsichtlich egozentrischer Eigenwilligkeit geht der Punkt ganz klar an den Mittelpart dieser Schmetterrinde.
Und dann  wären da noch MISERABLE FAILURE, sind glaub ich keine Franzosen, haben dafür als ausgewiesene Speedfreaks den größten Schniefer von was auch immer in ihre epileptisch über die Instrumente zappelnden Kadaver aufgenommen haben. Bei denen müssen alle Frauen sterben und Freunde werden in die Wüste geschickt, niemand ist bei denen sicher (auf die Texte bezogen). Das alles bei voller Fahrt, irrwitzigem Gebrüll, Gekeife und Gekreische. Die Schmeißen ihren Unrat bei Vollgas aus dem rasenden Vehikel und stürmen jede Andacht ohne Absicht auf Beichte. In wieweit die noch ernst zu nehmen sind, liegt ganz am Realitätsbezug der persönlichen mehr oder weniger angegriffenen Objektivität. Wenn eine Band von den Dreien den größten Batz an der Birne hat, dann die!
Letztendlich drängt sich die Wahrscheinlichkeit zu einem ultimativen Harmonie-, und Melodiemassaker immer mehr auf, und nach einer knappen halben Stunde zum Preis einer Ep ist im dunklen Inneren der Denkapparatur nichts mehr da wo es hingehört. Also, wenn ihr glaubt in euren Köpfen wäre es zu aufgeräumt, oder ihr der widersinnigen Überzeugung seid, diese Ordnung könnte nichts durcheinander bringen, dann holt euch eine Belehrung ab! 
8/10

Monday, August 26, 2013

PERVERSION - Pillars Of The Enlightened - Cd / Blasthead Records



Im Original schon Anfang 2012 erschienen, holt PERVERSIONs´ „ Pillars Of The Enlightened“ nochmals zum Aufmerksamkeitsschlag aus. Kanadas Blast Head Records hat sich der Band aus der Wüste angenommen, um sich auch sein Stück Wohlstandskapital aus Dubai zu sichern. Nur für den Fall, dass das Öl kurzfristig knapp werden sollte und man eine andere Geldanlage bei den Scheichs braucht.
Zwischen ungezählten Kamelladungen heißen Sandes, sprichwörtlich ins Wasser gesetzten Wohnanlagen und bis unters Himmelszelt gedrehte Stahl und Glastürme formierte sich anno 2006 ein unheiliges Dreigestirn, um unter dem sauberen Kaftan den versteckten Dreck aufzuwirbeln.  Und nun prügeln sie waschecht im Stile ungläubiger Dekadenz den westlichen Hasspredigten nach. Ganz vorn im Buch der kapitalistischen Verwerflichkeit und der demokratischen Gottlosigkeit stehen Suffocation. Deren Art den Death Metal mit technischer Gewalt im Schlafe zu verputzen, hat großen Einfluss auf den in nichts nachstehen wollenden arabischen Adepten. Und was soll ich sagen, die Mittel die die Band nutzt und das Ohr dass sie für die Musik hinter dem schändlichen Ozean hat, die Energie und die Überzeugung, mit der sie an das Teufelswerk gehen, steht dem Vorbild kaum nach. Qualitativ betrachtet ist „Pillars…“ weit davon entfernt, ein Versteckspiel im Schatten aufzuführen. Der Drummer hat sein Kit fest im Griff, Timing stimmt und seine Pedale schmeicheln mit einem starken und rhythmischen Ritt. Ein Songwriting ohne größere Aussetzer lässt kaum irgendwelche sinisteren Bedürfnisse des Metalheads unberücksichtigt, der technische Aspekt liegt zwar nicht auf den hohen Seiten, das klingt doch noch recht hakelig, so als würde der Gitarrist sich dabei nicht wirklich wohl fühlen. Das wirkt fast immer zu vorsichtig und zu langsam, was zu den saugenden Takten des Schlagwerkers nicht so recht passen will. Aber dafür gibt es bleibende Riffs, die einiges über gewöhnliches Füllmaterial hinaus ragen.
Des weiteren treffen wir hier mal wieder auf polnische Blasphemie im musikalischen Sinne, auch deren Blast und Brechstangen – Szene hat ihren Anteil am Wüstensturm. Ebenfalls an Bord sind wahrscheinlich Deicide und Vital Remains. Das sind alles mit Verstand gewählte Säulen für ein in Eigeninitiative gewachsenes, sehr stark präsentiertes Album, dass an der Tür zum Erfolg klappert, als wäre der persönliche Heilsbringer nun doch auf der anderen Erdhalbkugel zu suchen. Jedenfalls bin ich von dem straighten Vorgehen des Trios beeindruckt und auch fast gänzlich überzeugt. Hab auch so ziemlich alles gefunden, was das Label in seiner zu recht protegierten Band sehen und hören will. Nur der schwedischen Einschlag, der so gepriesen wird, will sich mir nicht vorstellen, aber egal, alles andere reicht locker um den Schädel mit einem gewissen Anspruch weich zu kloppen.
Etwas erstaunt war ich über das abschließende „Dementia (Of Devourment)“, das doch ganz anders rüber kommt, als die 7 starken Songs im Vorfeld. Wie aus dem Nichts flutscht ein auf Thrash Metal Roots basierendes Stück um die runde Ecke, sägt mit einem Riff durch den Set, dass die Heide wackelt, punktete zudem mit teilweise gedoppeltem Gesang, der doch sehr aus der Dying Fetus Ecke kommt. Alles in allem muss man nach dem Geblaste und technischen Äxten unvermittelt eine ziemliche Portion Groove schlucken.
Also nicht nur souverän, auch überraschend funktionieren PERVERSION und reichen noch eine weitere Facette ihres tiefgestimmten und auf Aggression gebürsteten Schaffens nach.
Sie gehen mit wachem Verstand durch ihr musikalisches Leben und lassen nichts aus, was sie persönlich voran bringen wird. Mit der dazugehörigen Portion Spaß gelingt zukünftig sicher noch mehr. 
7/10