Monday, August 12, 2013

AFGRUND - Corporatocracy - Mcd / PRC Music



Ein Jahr nach The Age Of Dumb muss AFGRUND etwas übel auf den Magen geschlagen haben, dass sie so eilig haben, mit einem neuen Release an die Öffentlichkeit wollen. Der Grund scheint schnell ausgemacht: die größte Frikadellenschmiede der Welt. Dubioses graues Hack von zweifelhafter Herkunft zwischen 2 bröslige Weizenausschußpapplinge gezwängt, mit chemisch verfeinerten Soßen besprenkelt, ein ängstliches Gurkenscheibchen wegen der Bionote und des Gesundeffekts an die gierige Hand gegeben und fertig ist der Magenkrebs und Brieftaschensaugrüssel. Wirklich perfekt ist die tadellos geschmierte Verblödungsmaschinerie aber erst, wenn die Promotion erfolgreich gegen den gesunden Menschenverstand verstößt, und zumindest in Deutschland beweist, wie blöd wir doch alle sind. Da reicht asiatisches Plastikspielzeug aus einer Sklavenmanufaktur um ganze Familiengeburtstage in den Frittenpalast zu locken, und dabei ist das PVC – Kleingut, wenn runtergewürgt, nicht schädlicher als der Fraß dessen Quelle von der Firma so geheim gehalten wird, als wäre sie der rote Knopf zur apokalyptischen Bombe. Nicht ein Ökoslogan lässt sich wirklich beweisen, sein Wahrheitsgehalt ist Lüge gegen die Intelligenz. Aber wen interessiert das schon, solange Blagen mit Profit gemästet werden können und alle rosig grinsen. Doch, AFGRUND interessiert es, deshalb treten sie uns mit roher Gewalt in das Geschehen, grinden ihr Anliegen übler und brutaler in den Äther, als der Schlachter seine glücklichen Kühe. Klar, politisch korrekter Crust&Grind hat seine bekannten Ressentiments gegen Viehzeugmord mit Salatblatt schon immer in den nicht ganz astreinen Genen, das ist nicht neu. Aber niemand muss in einer Graskommune wohnen, um sich der Scheinheiligkeit eines Milliardenunternehmens bewusst zu sein, gerade in der Familie fällt die Verantwortung doch wohl höher ins  Gewicht, als in einer Punkerbierscheune. Mir rasanter Geschwindigkeit und einer gehörigen Portion D-Beat wühlen die Aktivisten des Höhrsturzradaus sich durch den Filz aus rücksichtsloser Wirtschaft und korrupter Politik. Einzig wohl nur, um ungehört zu bleiben. Zumindest im großen Stile, denn diplomatisch und rücksichtsvoll ist das Vorgehen des multikulturellen Europaprojektes weiß Gott nicht. Aggressiv ist das Stichwort, und damit weckt man vielleicht wirklich die Öffentlichkeit, nur anders als ursprünglich beabsichtigt. Der Knüppel keult das letzte bisschen Feingefühl aus dem Schädel, zur Vorsicht gemahnt gar nichts mehr, mit althergebrachten und überfunktionalen aber auch einigen moderneren Axtschlägen überzeugen AFGRUND zumindest musikalisch auf breiter Ebene, wetzen ihre Sensen an Nasumgrind und ähnlich positiv verwertbarer Musikteufelei. Dabei ziehen die Streiter wider das große Schlachten lieber mit dezentem Tiefgang ins Feld, als mit dem stumpfen Schlägel, zocken sich aufgrund der kompositorischen Hetzerei in die absolute Atemlosigkeit, in den sauerstofffreien Raum und hinterlassen ein wüstes Durcheinander an subjektiver Wirklichkeit  und absoluter Wahrheit. Woher haben die das nur? Das zeigt sich am Ende der ökologisch motivierten Propagandaschlacht. Da stehen dann die eigenen und treffenden Versionen von Songs von Nasum (ach was!), Repulsion und Discharge zur Verköstigung bereit. Die Stücke gehen in punkto Kompromisslosigkeit, Geschwindigkeit und Härte sogar noch ein paar Schritte weiter, so bestätigt es zumindest mein getrübtes Empfinden. Kann auch gut sein, dass die Rübe in subjektiver Hinsicht an Klingellautstärke zunimmt, das interne Urteilsvermögen meines nicht ganz autark operierenden Verstandes unter Einflussnahme von zu viel Akkordechaos steht). Das wäre dann auch geklärt.
Und da Frissmichreich keine Pause macht, können und wollen AFGRUND das auch nicht, deshalb halten sie den Fuß auf dem Gas, grooven mit schwerer Maschinerie nur in Ausnahmefällen (Pharmageddon – der antibiotische Notendruckpartner aus der Medizinbranche muss ja auch erst mal durch den Organismus). Erwähnter Song währt dann auch bedingt durch seinen Extrastatus in Bezug auf die erzählerische Bremswirkung etwas länger, ansonsten sind die meisten Geschichten in etwas über einer Minute durch. Das ist ungefähr so lange, wie ein infiziertes Kadaver benötigt, den runtergewürgten Tiefkühlmüll vom Fastfoodpapst wieder auszukotzen. Sieht so aus, als hätten AFGRUND ihren Musikstil daran gemessen, manchmal klingt es auch so. Fakt ist aber ebenfalls, dass sie mal wieder fast alles richtig gemacht haben. Somit ist Corporatocracy…nun ja kein revolutionärer Weckruf, aber eine waschechte Vergrindung der Dumm und Dreist Apparatur. Und irgendwo dazwischen sollte auch ein Augenzwinkern zu finden sein. 
8/10

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