Wednesday, August 14, 2013

AGGRESSIVE TYRANTS - Narcosurrealismus - Cd / Bizarre Leprous Prod.



Neulich in Uschis´ Sadistenscheune in Kleinkrämersdorf: Der Elektriker hat gerade die Streckbank repariert, der Kurierdienst ein neues Banjo für den schielenden Jungen auf der Brücke gebracht und nun schlürfen sie zum Feierabend noch einen Eiskaffee an der Bar. Im Stall sodomiert Uschis´ Brut wohlerzogen mit den Tieren und ihr Mann streicht den Holzschuppen mit den Eingeweiden der immer nörgelnden Nachbarn. Im Keller müssten mal die Ketten entrostet werden und den elektrischen Stuhl muss ich auch wieder überholen lassen, denkt Uschi. Sie rekelt sich zufrieden in ihrem zu eng gewordenen Lederkorsett und lässt die Peitsche noch mal wie die schönste Nebensache der Welt auf weißes, jungfräuliches Fleisch klatschen. Der Schrei schmeichelt sich wie ein warmer Sommerwind in ihr Ohr. Vögelchen zwitschern, Blümchen sprießen. So lässt sich ländliche Idylle genießen, so einfach kann das Leben sein. 

Das wissen auch AGGRESSIVE TYRANTS zu schätzen, und das seit nunmehr 20 Jahren. Pünktlich zum Jubiläum bringen sie ein neues Album an den Mann, erzählen darauf gefühlte 1001 Gute Nacht Geschichten. Geschichten die den sexuellen Verkehr mit Federvieh bevorteilen, von Anal – Terroristen schwärmen, stellen uns ihre lokalen Sadisten vor, zeigen wie man Syphilis auf jeden Fall bekommt und laden zum Superinzest.  Alles Dinge die man unbedingt auf der Agenda für ein gelungenes Wochenende in der Tschechischen Republik haben sollte. Mit so einem Jubiläumsreiseführer kann beinahe nichts schief gehen. Blöd zwar, dass er in Landessprache verfasst ist, aber der Faden ist ausgelegt und der Haken schnell geschluckt. Perverser Realismus oder krankes Fantasiekonstrukt, woran die Mitglieder von AGGRESSIVE TYRANTS nun wirklich leiden, das bleibt dem Zufall überlassen. Auffällig ist es nur, dass bei all den Geschichten aus dem schnuckeligen Umland, die Musik beinahe keine Rolle mehr spielt. Jedenfalls scheinen sie seit den Gründungstagen vor einer Entscheidungsfrage zu stehen, die da lautet; Was machen wir hier eigentlich? Die akustische Präsentation ihres pervertierten Erlebnisberichtes ist unterm Strich kurzweilig, unterhaltsam und geht ziemlich strikt ans Eingemachte. Nur lässt sich der wahre Motor nicht so ganz fassen. Sind sie nun von Death Metal inspiriert, ist Carcass Grind das Zünglein an der Waage, oder ist profaner Goregrind dann doch der Tonangeber? Irgendwie sind die einzelnen Komponenten wie Treibholz, gehen mal unter und kommen anderswo wieder hoch. Zusätzlich frischen sie die wüsten Geschmacksverirrungen noch mit Elektrobeats auf und lassen den Konsumenten an klassischen Metalriffs teilhaben. Die schmettern genauso rücksichtslos eine Nummer auf den geteerten Betonboden, wie sie grooven können, haben einen überdrehten Industrialtouch, den sie ohne Mühe auch wieder fallen lassen. Bei AGGRESSIVE TYRANTS kommt einiges zusammen, wenn der Harmonizer aufgedreht ist und tschechische Mädels in befremdlicher Sprache ihre interfamiliäre Wollust in den öffentlichen Raum stellen. Dazu wird gegurgelt und gebrüllt und geschweinegrunzt was die Anatomie hergibt, da wird wild in die Heide geknüppelt und zum Polka – Tanze gebeten. Gleichwohl kann man das Bein in leicht fassbarem Rhythmus schwingen oder aber mit wutentbrannter Mine den Kopf gegen die Mauer dreschen, bis Blut spritzt und Hirn kleckert. Nur die große musikalische Weisheit tropft ihnen nicht vom Antlitz, sie konzentrieren sich auf die einfachen Dinge. Und wer sich damit abfinden kann, gern Männer in Latex und Ledersuiten sieht, ihr bescheuertes Treiben einer grindigen Plattform für würdig erachtet, wer gern vertrautes Kleinholzhacken an die Genusspapille führt und Gore und Porn wie zerknitterte und verklebte Hochglanzmagazine unter das Kopfkissen stopft, der bekommt seinen Spaß. Also im Handgelenk locker lassen, die Rinde gleichförmig mit einer auf die Stunde zulaufenden Spielzeit kreisen lassen, und ein paar satte Riffs auf den Pops klatschen lassen! http://bandzone.cz/aggressivetyrants
7/10

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