Saturday, August 3, 2013

BEYOND - Fatal Power Of Death - Cd / Iron Bonehead Prod.



Als Possessed einstmals sorglos in einer ihrer 7 Kirchen den Death Metal ausgruben, oder dem Bastard wenigstens einen Namen gaben, waren sie sich der Leichtfertigkeit ihrer Handlung und der Konsequenzen für die bleischwere Musikszene auf keinen Fall bewusst. Aus einem Wortgespinst erwuchs eine Szene, die sehr schnell die farbenfrohsten Stilblüten austrieb, obwohl sie immer nur düster sein wollte. Unüberschaubar ist die Spielwiese der Degenerierten, Kaputten Aussteiger, Irren und Chaoten und Unverbesserlichen geworden, aus Schrammelrevolution wurde echte Kunst, wurde Kommerz, wurde Ausverkauf und Rückbesinnung.  Heute gibt es mehr Bands als gut für ein gesundes Klima sein kann, aber freie Entfaltung ist ein Markenzeichen gelebter Demokratie. Auch im Death Metal zwischen kaputten Kühlaggregaten, warmem Dosenbier und stickigen Sommerzeltcamps greift das, wenn aus leiernden Autoradios und autonomen Stomversorgungskonstrukten Klassiker neben lokalen Newcomern ballern, brüllen, grooven und hacken was die Axt hergibt. Die Szene lebt, wenn auch nicht so geschlossen wie häufig beschworen,  und die besinnt sich in zunehmendem Maße auf ihre Anfänge.
In diesem Sinne agieren BEYOND, die ihre Wurzeln so verdammt tief in den 80ern haben, dass kein Interpretationsspielraum bleibt. Und wenn es nicht Geschichte wäre, dass der Death Metal seit mehr als einem ¼ Jahrhundert über das Antlitz eines zerrütteten Planeten wandelt, dann würden die Musiker überzeugende Basisarbeit leisten, glauben machen, an etwas ganz Neuem beteiligt zu sein. So verdammt roh und kantig schmettern sie rasend schnelles Stakkato in den Topf, sägen angenehm unschön, manchmal disharmonisch und immer verpestet schwarz, machen aus den letzten 25 Jahren Kleinholz und Räucherspan, führen alles was in der Szene waberte, mäanderte, existierte und künstelte gnadenlos vor. Sie reduzieren Death Metal auf das was er ehemals sein wollte, ohne es wirklich steuern zu können. Drums aus der Motorenhalle scheppern hemmungslos, sind weit entfernt davon an einer Überproduktion einzuknicken. Ehrlich und punktgenau auf das Fell gebracht. Ein Gitarre die giftig spucken, gruselig Erpelpelle erzeugen und überhart dicke Soundwände in den Düsterforst stellt, garantiert trendfreies Possenspiel aus der Ursuppe. Da geht von primitiv bis hin zu ekstatischen Solis und prägnanten Hook alles. Im Großen und Ganzen ist sie der unumstrittene Mittelpunkt eines diabolischen Radaus. Eines Radau der nicht an der großen Kunst kratzt, dieses wohl auch nicht vorhat. Aber zumindest Köpfe sollen rollen und Blut muss fließen. Viele Strukturen sind betont einfach gehalten, die Songs erstrecken sich auch in Wiederholungen, die das authentische Feeling des totmetallischen Genpools zur Geltung bringen. Der Bass rollt im Einvernehmen mit seiner Freundin der Gitarre, unterstützt den Rhythmus und fordert die Drums heraus, das Tempo auf seine Entspanntheit einzustellen. Ja und dann der Gesang – der kommt direkt aus Oma Teufels Küche. Einer Küche, die so riesig ist, dass das Organ einen grauenvoll passenden Hall bekommt, als würden die 10 Gebote rückwärts zitiert und Gott persönlich gibt Satan ein Autogramm unter das letzte Amen. Das Konzept der Band stimmt, dafür bedarf es keiner Leiter für die Trauben oben am Baum, sondern der Axt an seinem Stamm. Stimmig wird es mit Keyboardpassagen, die im Intro noch zweckdienlich sein mögen, den weiteren Verlauf aber eher dezent begleiten. Das ist so ein bisschen Handwerk, das die Brutalität und Disharmonie irgendwie unterstützt, teilweise aber auch karikiert. Hauptaugenmerk liegt ganz deutlich auf absoluter Kompromisslosigkeit, auf der direkten Absicht, der Kommerzialisierung der Szene den faulen Zahn zu ziehen. Death Metal mit gewollten Thrash Stippen, hässlicher Ausstrahlung und unkompliziertem Design, das ist BEYOND, und wer berechtigt den alten Tagen seinen Tribut zollen möchte, zapft sich Possessed auf und gibt hinterher deren Folgeerscheinung eine echte Chance. Die wetzen so radikal die alten Messer, dass sie die absolut verdient haben. 
8/10

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