Friday, August 23, 2013

COLD COLOURS - Cold Colours - Cd / Sleaszy Rider Records



Düsteren und depressiven Metal, das ist es was COLD COLOURS darstellen will. Dunkel kommt es mir in verschiedenster Weise vor, depressiv auf jeden Fall. Zumindest muss das Gemüt des Organisators stark angeschlagen sein, wenn er seine manchmal flügellahmen und dann wieder wild schwärmenden Musikkrähen flattern lässt. Beginnend als Soloprojekt, später als echte Band und nun, weil´s  wohl nicht schnackelt wieder allein und selbstbestimmend unterwegs, ploppt bereits das 4. Album aus dem schwarzen Loch von Leck mich doch. Lediglich auf Studiomusiker zurückgreifend, die seine Ideen für die Rinde in Töne fassen, fühlt sich Mainman Brian J. Huebner in seinem eigendiktatorischen Stile wohl wie die fette Robbe auf der kalten Scholle. Mit einer etwas wild und nicht immer ganz zu Ende gedachten Mischung aus Gothic, Black, Death und Doom kreuzt er rastlos durch das Metaluniversum. Oder wenigstens durch eine vernebelte Parallelwelt. So schleichen Balladen im klassischen Metalstil von hinten ums Eck, puppenlustige Melodien spinnen ihre Fäden und verheddern sich häufiger als nötig. Dann  wieder malträtieren griffige Riffs angeschlagene Gemüter, gruselige Tastenbewegungen erzeugen enervierende, aber auch absolut stimmige Elektronikvibrationen, schwarzgewandte Akkorde krachen durch den Forst, immer wenn du der irrigen Annahme aufgesessen bist, dass du dich endlich an was gewöhnt hast, kommt schon der nächste Bruch im Gefüge des Gewohnten. Mit jedem Stück zwingt der Schöpfer dem Wirrwarr neue Facetten auf und macht irgendwie auch ständig andere Musik. Wenn man das unter Progression eines Albums, Entwicklung künstlerischer Kreativkraft versteht, dann liegt da ein Lehrbeispiel im Staub und hechelt. Nur kann sich niemand sicher sein, ob es nun ein negatives oder positives ist, denn die Wahrheit liegt wie so oft mal wieder dazwischen. Die voranschreitenden Ideen scheinen auf jeden Fall größer und potenter als die endgültige musikalische Umsetzung, und dabei bemüht er sich doch mit aller Macht Oberflächlichkeit zu vermeiden. Ob er es nun auf dem epischen Weg versucht, auf dem weichen und zarten oder auch rüdere Pfade beschreitet, liegt scheinbar ganz an der Tagesform, oder am Härtegrad des Wassers, mit dem er sich morgens seinen Kaffee brüht. Warum sonst schwenkt die Tür auch in Richtungen, wo gar keine Angeln zu vermuten sind. Nur mit der Brechstange hat er nichts an der Mütze, selbst wenn er die härtere Variante seines Gemütszustandes vertont. Das funktioniert (oder auch nicht) sowohl mit Growls als auch melancholischem Zahnwehgesang. Vereinzelt gedoppelt, nie aber wirklich ungeschickt in Szene gesetzt. Dieses Album ist von absolutem Individualismus geprägt, aber auch von Anmaßung und Selbstüberschätzung. Zum Ende hin bekommt es eine härtere Note, schwelgt in wiederkehrenden Themen, wirkt aber tiefgängiger. Das namengebende Rotting Christ Cover mal ausgenommen, auch wenn es die ungefähre Ausrichtung des Konzepts wage beschreibt.
Die progressive Keule, die die Band oder ihr Vorstand einstmals wohl getragen haben ist in den Wirren des neuen Albums längst verschwunden. Dafür möchte es gern semierfolgreich auf Zugänglichkeit plädieren. Und tatsächlich sind die Grundgedanken mehrerer Stücke auch leicht zu merken. Allein Mitwipp – Faktor hält sich aber noch bedeckt, den es fehlt gänzlich am Reiz des Besonderen. Zu tröge und gefühlsduselig einerseits, zu unterkühlt andererseits, unstrittige Faktoren, die dafür verantwortlich sein dürften, dass der neuerliche Griff nach den Sternen nicht ganz so prall und zufriedenstellend ausgeht, wie erwartet. Tröstlich wenigstens, dass die Melodien in den balladesken Stücken etwas dezent berauschendes haben, in gewisser Weise gefangen nehmen können. Der ganze Rest ist bemühtes Mittelmaß, ist verfehltes Engagement und bedauerliches Herumdümpeln in einem trüben Pool. Nach einem halben Dutzend mal vorbeischwimmen lassen, weiß ich immer noch nicht, was ich davon wirklich zu halten habe, einzig meinen persönlichen Geschmack tangiert der Schinken gar nicht, das steht fest. 
5/10

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