Friday, August 16, 2013

DEAF & DUMB - Evildarkrooted... Total Dumb - Cd /Bizarre Leprous Prod.



Deaf & Dumb … nun selbst schuld würde ich sagen. Der menschliche Körper hält nur ein gewisses Maß an physischer wie psychischer Belastung aus. Irgendwann versagen die neuronalen Schleichpfade, werden hirnorganische Befehle zu Irrläufern und man versteht nur noch Bahnhof oder/und 5x am Tag ist die Hose nass. Schwere Schicksale mit selbstverantworteter Ursache. Warum muss sich jemand auch ständig mit selbstgekochtem Unrat die Ohren zuschmieren und dann hinterher beim Kassenarzt noch die Heulsuse mimen, klar doch! Solche Spacken! Oder aber man haut sich bewusst die Birne zu Brei und begrüßt jeden Gehirnzellenbrand mit offenen Armen, das geht auch. Das muss das Prinzip von  DEAF & DUMB einst in den 90ern gewesen sein. Grindcore mit wenig Struktur aber einem hohen Maß an Chaos, herrlich befreit von konventionellem Gedankengut, dafür musikalisch der eigenen Willkür unterworfen. Das komplette Material der Tschechen erscheint jetzt noch mal, wohl weil sie sich neulich zurück gemeldet haben, und einen Weckruf in den Äther schießen müssen. Über diverse Splits und Demophasen sind sie in der guten alten Zeit nicht hinaus gekommen, vielleicht sind sie an ihrem eigenen Wirrwarr verzweifelt. Vielleicht haben sie erkannt, dass das Potential nun doch nicht auf elefantenen Beinen stand, oder es gab Projekte, deren Fortbestehen ihnen wichtiger war. Vielleicht wollten sie sich mit diesem Bandnamen auch nur selbst auf die Schippe nehmen und einfach etwas tote Zeit platt drücken. Denn rein künstlerisch haben sie wenig Großes geleistet, außer mächtig auf die Tube zu drücken und so viel zu deppern, dass auch der Nachbar noch Risse im Fundament hat. Zwischen den Überdosen an hektischem Grindverschluckern blitzte immer mal wieder etwas Death Metal auf, denn den tempoekstatischen Vollrausch hielten sie nicht komplett durch. Das mit der Artentweichung in die Bleiummantelung mag daran liegen, dass die Mitglieder in diversen bekannten Combos rührten, als da wären Genetic Threat (alle), Despise, Imperial Foeticide. Da dürfte Beeinflussung, wenn vielleicht auch nicht beabsichtigt, nahezu unumgänglich sein. Vor allem der Gitarre ist das immer intensiver anzuhören. Im Laufe der diversen Veröffentlichungen darf der auch Bass mehr knattern und der Groove seine Position beziehen. Und trotzdem wirkt das Geschlage und Geschrubbe reichlich konzeptfrei, kann nicht mit anderen Massenverwesern der eigenen Szene mithalten. Na und dann haben sie das Licht ja auch ausgemacht.
Und nun stehen sie wieder vor der Tür, wollen es noch mal wissen und … knüpfen überhaupt nicht an die Vergangenheit an, lassen ihre Leichen ziemlich unberührt im Keller. Geblieben scheint der Name, geändert ist die Orientierung. Heute steht da Death Metal mit diversen Stilverflechtungen und lediglich geahnten Anleihen beim Grind. Das Tempo ist raus, Eingängigkeit scheint der neue Gott zu sein. Nicht nur der Umgang formt den Menschen, auch die Zeit. Und was dann am Ende von der Lade purzelt, ist gar nicht mal so übel, wie auch wieder nicht besonders. Etwas moderner eben, mit Gitarrenriffs und nadelnden Drums, die beide schon ganz gut Biss haben. Wobei das Schlagwerk sehr synthetisch klingt. Aber das kann beabsichtigt sein, denn ein synthetischer Touch liegt scheinbar gewollt über der ganzen Produktion. Insgesamt liegt der Focus der Band auf unterkühlter Atmosphäre, Düsternis und einen verhalten experimentellen Seitenpfad. Die Stimme, die hat sich nicht verändert, der Frontmann growlt immer noch auf die gleiche sonore und langweilige, fast emotionslose Art und Weise. Das will nicht wirklich passen, damals aber noch weniger.
An das Projekt kann ich nicht so richtig glauben, und der vom Label domestizierte Legendenstatus erschließt sich mir nicht so recht. Unterm Strich stehen 2 ganz unterschiedliche Bands auf der Waage, und wohin der kleine rote Zeiger sich zu neigen gedenkt, weiß ich auch nicht. Ich finde die eine Seite genauso durchwachsen wie die andere. 
5/10

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