Saturday, August 3, 2013

DEHUMAN REIGN - Destructive Intent - Mcd / FDA Rekotz



Was hat der Amerikaner dem gebeutelten, ordnungsliebenden, arbeitsversessenen, spießigen Deutschen gebracht? Einst den Rosinenbomber für den für das anstehende Wirtschaftswunder prädestinierten Bevölkerungsteil und gerüchteweise den Kartoffelkäfer für die Zonenseite. Er brachte uns das Verständnis für einen weltweiten Demokratisierungsprozess unter Zuhilfenahme diversen  Militärjunta Supportes, setzt sich für die Freiheit des globalen Zweibeinervorkommens ein, indem er ein wohlweislich ein wachsames Auge auf jeden Twitter „Gute Nacht –Post“ hat, uns so vor künstlich gezüchtetem Terrorismus schützt. Von ihm haben wir die Jeans, die erdballumspannend als Arbeitshose ausgedient hat und ein ganzes Modeimperium vereinnahmte, bis hin zu chinesischen Textilbleichefacharbeitern. Von ihm weiß der Germane, dass Fast Food nur so ungesund ist, wie ein Gesundheitsminister bereit ist, das zu ignorieren, solange Schulkantinen eben mit weichgekochter Nudelpampe verkleistert werden. Wegen ihm dürfen wir in unseren Eckstampen nicht mehr rauchen, oder der Kneipier hat die Speisekarte gestrichen. Auf seinen patriotischen Befreiergeist geht so viel Unsinn, dass ich mich fragen muss, ob die dort drüben irgendwann mal von den Gesellen mit den dreieckigen Rädern abgeholt werden. Was hat uns der Amerikaner nun wirklich rüber geschickt, das in seiner Nachhaltigkeit beweiskräftig ist. Und da sag ich nur, Death Metal! Darin sind sie immer noch ganz groß, auch wenn sie gewaltig auf die Kacke hauen. Aber beeinflusst haben Bands wie Immolation, Incantation, Deicide, Morbid Angel und Death viele Bands in unsren Breitengraden. Und das mit der Nachhaltigkeit bezieht sich auf die eigentlich skandinavisch dominierte Retro Bewegung, die so manchem Musiker auch wieder die Augen aufdrückt um sich auf den Pioniergeist amerikanischer Bleigießerei zu besinnen. So geschehen bei den Bulettenkillern von DEHUMAN REIGN aus Börlin. Die haben von all den genannten Bands ihre Dosis ins ZNS bekommen, von der einen weniger, von der anderen mehr. Stilecht ist das Gebot der Stunde, nicht gekünstelt brutal, ultragutturalvomitirgendwas, sondern Death Metal im Geiste der Frühneunziger – Erweckerbewegung. Dazu gehört eine gewaltige Portion an Geschwindigkeit, dazu gehört Drive, der nicht abreißen darf, dazu gehört Songwriting, das straffer organisiert scheint als eine deutsche Großküche und dazu gehören auch diverse Thrash – Riffs, die den Nacken massagebedürftig zurück lassen. Mit dieser ersten Mini knüpfen sie ohne Schwierigkeiten an die guten alten Zeiten an, als umgedrehte Kreuze auf bleicher Stirn noch schick waren und glaubwürdig eine pubertäre Revolution nach außen trugen. Damals durfte man noch seine Jeans in Cowboystiefel stecken, Hauptsache man verstand was von prägnanten Hooks, düsterer Atmosphäre und hatte das nötige technische Geschick um reichlich kantige Schläge auszuteilen. DEHUMAN REIGN gelingt das scheinbar aus dem Stand, zerren sie die einzelnen Stücke doch mehr als gekonnt an der rostigen Kette über den Hinterhof des Abdeckers ihres Vertrauens, haben ihre ganz eigene und reizvolle Art an Brutalität und lassen hier und da auch wenige moderne Eigenschaften durchblicken, oder kokettieren latent mit der vernebelten Stimmung nordischer Waldschrate. Das sind aber nur Spielereien die von der eigentlichen Absicht nicht ablenken können. Todelsblei in seiner ureigenen amerikanischen Variationsflut zu absorbieren und mit genug Geschick eine autonome Schlachtplatte zu servieren. Und weil sie ihr Vorhaben zügig und mit der nötigen Glaubwürdigkeit (auch auf der Bühne) durchziehen, besteht durchaus die Möglichkeit, dass sie die aufgesogene Nachhaltigkeit der Vorlagengeber selbst weiter transportieren, und in Zukunft noch mehr Death Metal aus dem Schatten zerren, der Spaß macht, anspruchsvoll verschraubt ist und von Anfang bis Ende flackert wie die Ewige Flamme in der Neuen Wache. Aber erst mal die Mini aurikulär verklappen, erfahren, dass der Ami doch nicht ganz unnütz ist, und wissen, das der Deutsche immer noch in der Lage ist, daraus was ganz eigenes zu machen. http://dehumanreign.bandcamp.com/
8/10

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