Tuesday, August 20, 2013

DESOLATOR - Unearthly Monument - Cd / Hellthrasher Prod.



Kennt das jemand, wenn sich die Ermattung wie ein modriger Strohsack über einen legt, wenn man sich schlagartig übersättigt fühlt und zwingend die Schotten dicht machen muss? Klar kennt ihr das! So was passiert euch doch auch, wenn ihr nach einem heiteren und physisch auslaugenden, dazu noch alkoholverseuchten Open – Air Wochenende ins heimische Reich einfallt. Wenn der Kadaver brennt, der Schädel trotz absoluter Leere brummt wie eine dieselknappe Planierraupe und die Tränensäcke auf Knieniveau baumeln. In dem Wissen, dass es mal wieder unvergleichlich war, ist trotzdem Rekonvaleszenz angesagt, hat zumindest ein Nachmittag auf der Couch bei belangloser Berieselung von sinnfreiem Fernsehprogramm oder Fahrstuhlmusik aus der Dose absolute Präferenz. Blümchenwiesen anstatt abgesoffene Schlachtfelder, keine Menschenseele im Sichtfeld, anstatt überall diese verdreckten, dauerbreiten Typen, säuselnde Stille wie ein warmes Sommerlüftchen anstatt tosendes Chaos aus einer Million Boxen auf Orkanstärke. Pause vom Teufel und seiner Brut, von den ganzen Porno Hirnies und den lärmenden Sozialkritikern, Schluss mit Spaß!

Und an genau diesem Punkt befinde ich mit gerade. Das Erstaunliche daran ist, vielleicht sollte ich mir auch Sorgen machen, dass ich gar nicht weg war, gar keinem honigsüßen und bleischweren Krawall im Überfluss ausgesetzt war. Nö, ich war fein buckeln, gab sogar Volksmusik beim Seniorenbums (arbeite im Pflegeheim), also alles schick! Und trotzdem haben DESOLATOR irgendwo in mir diesen wunden Punkt gekitzelt. Ob es am Namen liegt, weil sie mein fein konstruiertes Eigenschutzgebilde an irgendeiner Stelle zerbombt haben? Oder weil sie mit der öffentlichen Erwartungshaltung spielen wie mit einem dreibeinigen Welpen? Na, der wahre Grund ist sicher ein ganz anderer, einer der so mancher ambitionierten Band zum finalen Strick wird, und das Zauberwort heißt Mittelmäßigkeit. Das wiederum sorgt über kurz oder lang für eigenverantwortete Luftknappheit. DESOLATOR proben sich mit mäßigem Erfolg durch Mid – Tempo – Death Metal, tragen den Charakter eines verwanzten Kellerkabuffchens, in das sie ihre Instrumente gequetscht haben,  hinaus in ihre kleine, lokale Welt. Schrubbeln sich einen mit gewöhnlichen Riffs, manchmal eher thrashig als tödlich, häufig viel zu einfallslos, oder aber ausgenudelt wie ein Veteranenpimmel. Schlagzeugern sich die Bude kaputte, achten dabei nicht immer auf griffige Arrangements. Growlen sich den Putz von der gewölbten Decke und zeigen wenigstens darin ein gewisses Maß an Stabilität.
Dass die wie erwähnt aus Schweden stammende Band weit weg ist vom klischeebelasteten Nationalverantwortungssound, vom schlammigen Friedhofsschachten und Gräber mit alten Leichen füllen, spielt dabei keine Rolle. Müssen ja nicht alle in dasselbe Horn wichsen, nur weil das so leichtfertig schnell vorausgesetzt wird. Der Haken der Kritik zerrt das modrige Fleisch an ganz andere Stelle aus der abgetauten Kühlkammer, die Musik von DESOLATOR ist just so ernüchternd altbacken, dass sie damit auch noch den letzten Blumentopf an die Konkurrenz verschenken. Auf dem Boden, den sie bestampfen, haben schon ganz andere getanzt, manche besser andere auch noch übler, aber wohl noch niemand wirklich gut. Das funktioniert nur, wenn es irgendwo einen Gott des uninspirierten Stumpfsinns gibt. Es gibt Bands, die es darauf anlegen, so primitiv zu klingen wie der Keulensound vom Kollegen aus dem Neandertal, und das ist cool, weil es auch funktionieren kann. Das aber haben DESOLATOR ganz sicher nicht vorgehabt. Dass sie aber an ähnlicher Stelle landeten, heißt leider nur, dass sie viel zu früh abgeschmiert sind. An der Route hätten sie feilen sollen, wohl auch so manches einfach losgetretenes noch mal überdenken, sich auf keinen Fall mit dem ersten Plan zufrieden geben sollen. Das reicht gerade mal, um die letzte Schüttung vergessen zu machen, die letzte Kotzorgie ins eigene Zelt in die Annalen zu vergessender Momente zu kritzeln, um dem ultimativen Kopfschmerz noch das letzte Körnchen zwischen die grauen Windungen zu kicken. Für eine wirklich gute Unterhaltung mit Spannung, Spaß und Spiel taugt das ungeordnete Brummen und Deppern auf keinen Fall. 
5/10                                                                                              

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