Sunday, August 4, 2013

DISSOULED - Inject The Grind-Cure - Cd / 666 Records



DISSOULED sind im Auftrag des Teufels unterwegs, kümmern sich darum, den Hippies in der norddeutschen Tieflandbucht genügend Freiraum für Happenings zu geben, sorgen sich um die gebeutelte und gestresste Mutter Erde und protegieren einen rektalen Vorfall aus Skandinavien. Klingt verwirrend? … ich weiß nicht, wer sich den Schulranzen mit Grindcore vollstopft und jeden Schweißtropfen, den das schwere Gepäckstück fordert, als Kur zur eigenen Verstandsgesundung versteht, der findet leicht Zugang zum Yum Yum Yum Universum der Wolfsburger. Obwohl … das mit dem Genesungsprozess würde ich eher durch die rosa Brille betrachten. Wer sich solch gemeine Hackerei reinzieht, ist schon im Vorfeld dermaßen derangiert, dass ein vollständiger Heilungsprozess so wahrscheinlich ist, wie die Tatsache, dass wir morgen per Anhalter mittels eines Handtuches durch die Galaxis trampen. Wer weiß aber schon so genau, wo die Wissenschaft uns eines Tages hinführen wird. Klar ist nur, Wissenschaft muss Spaß machen. Das könnte das Motto der 4 deutlich überdrehten Volkswagenanreihner sein. Vom Cover grüßt der Mad Scientist mit Spritzbesteck und Lupe, den OP bekommt er von einem ausladenden Pin Up Standgebläse vorbereitet. Der Glockenturm ist sexy und soll wahrscheinlich auch die Absicht der Musiker verkünden, ebensolche verführerischen und anrüchigen Tonfolgen aus ihrem Instrumentenkerker zu entlassen. Das geht maximal in die Büx, denn hier vögelt der Grindcore den Punk, dass die Bettfedern ekstatisch quietschen, und das ist nicht sexy. Das ist schmutziges Geschäft, dreckig, räudig und irgendwie auch billig. Unterhaltsam und kurzweilig also, so sehr, dass der Spaß den Anspruch aus dem Team wirft. Aber das muss niemand mit Sorgenfalten auf der krausen Stirn betrachten, DISSOULED gelingt ein zu kurzes im gleichen Atemzug vergnügliches Album. Eines das groovt und rockt, das sich selbst wohl nicht ganz so ernst nimmt, musikalisch aber trotzdem gefestigt ist. An der einen Ecke wird gehackt bis der Schaft splittert, an der anderen beschwingt auf Deeskalierung gesetzt. Die beherrschen die Palette von Entspannt bis Haltlos, kullern häufig von einem Extrem in das andere, machen aus Grindcore ein Fest für den Unterleib, sind versaut, zynisch, sarkastisch, nie aber gezielt oberflächlich. Kann sein, dass der eine, besondere Hit auf dem Album fehlt, oder dass der Hörer mit angespannter Verzweiflung nach Tiefgang suchen muss, ohne auf die Goldader zu stoßen … ganz gewiss sogar. Doch ist das kein Grund, einen aufkeimenden Fluchtreflex in die unplanmäßige Tat umzusetzen. Den primitiven Hau – Drauf Charakter pflegt die Band bewusst, die lassen es lieber in jedem Winkel krachen und schrammeln, bevor jemand auf die Idee kommt, da müsst sich auch technisch was drehen lassen. Chaotisch zu ein, hat absolut Charme, deshalb darf auch jeder mit der ihm von Gott verordneten Stimme die Mikros malträtieren, anbrüllen, kotzen, kreischen, propagieren und anders oral würfeln. Mal in der Kette, mal alle durcheinander. Irgendwie willkürlich, genauso wie die Gitarre ihre Akkorde setzt und nicht immer macht, was situationsentsprechend zu erwarten wäre. Dabei verlassen sie sich im Allgemeinen auf einen einfachen Punk – Rhythmus, gehen komplexeren Strukturen mit Erfolg aus dem Weg. Unterm krummen Strich ist „Inject The Grind – Cure“ ein rohes und ehrliches Underground – Produkt, eines ohne realistische Chance Oberluft zu schnuppern. Und das muss auch gar nicht sein, solange die Lach- und Nackenmuskeln zum vergnüglichen Pogo auffordern, solange abstraktes Melodiegut mit heiseren Kehlen gepusht wird. Die Scheibe ist nicht übermäßig brutal, nicht wahnwitzig dem Knüppel geopfert, nicht schwartendick produziert. Sie macht Laune, stampft den Tanzboden brüchig und mehr bedarf es auch nicht. Zumindest nicht im Grindcore! Wenn es umgehend greifbar wird, dass die Musiker einen am Schlitten haben, sich die Kufen mit der Drahtbürste polieren, dann ist alles gut, denn dann transportieren sie sich selbst, dann stecken sie bis zum Hals mit Ehrlichkeit in ihrer eigenen Musik, was bitte geht denn über eine solche Attitüde hinaus. Cooles Krawallalbum! http://www.dissouled.com/
7/10

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