Wednesday, August 21, 2013

EREB ALTOR - Fire Meets Ice - Cd / Cyclone Empire



Als verklärender Geschichtsteutone ist es knifflig, sich mit den nach moderner Interpretation fragwürdig belasteten Vorfahren intensiver zu beschäftigen. Das heroische Potential der Germanen ist ein für alle mal versaut worden, als dieser bescheuerte ostmärkische Postkartenabmaler und sein hinkendes Gesocks daher kamen und für reichlich unrühmlichen Zinnober sorgten. So ein bekloppter Sack, hätte der einst im Felde nicht blind bleiben können. So aber tragen wir für alle Zeiten ein unauslöschliches Stigma. Und wer sich ohne Universitätshintergrund für das Treiben der Cherusker, Alemannen und weiß Donar wer noch interessiert, der rutscht ob gewollt oder nicht, schnell mal in eine ganz dunkeldeutsche Ecke. Schade drum, denn in anderen Ländern ist die Verklärung der Ahnen ein höchst willkommenes Hobby. Bei den Skandinaviern zum Beispiel, die ihre Wikinger scheinbar über alles lieben. Klischeebärte tragende Axtschwinger, Eroberer, Handelsmänner und Entdecker. Im Norden darf man Spaß an solchen Dingen haben, in unseren Breiten heißt das Deutschtümelei und passt nicht ins Bild des einigen Europa. Aber das wird uns kaum umbringen, ob da nun ein Herman ganz unten im Stammbaum steht oder nicht, ist im Grunde fiepsegal.
Nun aber zum Wesentlichen. Der Nordmann holt ihn gern und mit Erfolg raus, seinen Städtegründer, seine wahren Russen (bezüglich der Herkunft der Rus – so wenigstens eine Theorie), seine Ozeanschipper und ersten transkontinentalen Amerikaner der Moderne. Er liebt seine Götter wieder, lässt Hämmer donnern, Einäugige zornig und gütig schalten und walten, er schwärmt von Asen und Wanen. Und das lässt er auch im übertragenen Sinne bildgewaltig in seine Musik einfließen. Der Meister des epischen Schlachtentaumels war wohl unbestritten Tomas Forsberg. Er hat Fenris unterm Hals gekrault und jede Heimtücke Lokis sofort durchschaut. Er hat mit seinen Alben Vater – Sohn Geschichten aus Zeiten erfunden, als Monogamie im Götterhaus unvorstellbar war. Und über seine, für zahlreiche Nachfolgende viel zu großen Fußabdrücke im Lehm der Äonen, sind ganze Musikerheerscharen gestolpert. Dass es aber immer noch gelingt, den Blitz genau dahin zu schleudern, wo der Herr von Blut, Feuer und Tod scheinbar eben noch stand, das beweisen EREB ALTOR. Und dazu stehen sie auch. Mit episch ausladenden Stücken zerren sie die Recken der jenseitigen Welt vom nimmer endenden Saufgelage ins Licht. Und für so ein gelungenes Werk, das mehr als nur eine schlichte Bathory – Reminiszenz darstellt, darf man Odins Tafel schon mal für den Moment verlassen. In kompositorischer Hinsicht stehen EREB ALTOR kaum im Schatten des großen Vorbildes, eher schon gleichauf. Der cleane Gesang mit diesem heroisch, melancholischen Blick klingt sogar noch besser. Aber das sage ich nur ganz leise. Ansonsten erwartet euch ein Album, das genau da ansetzt, wo Twilight Of The Gods aufhörte. Chorale Gesänge, treibende Rhythmen, schwarze und zornige Ausbrecher, Instrumentales und Traditionelles. Mit so ziemlich jedem Anschlag zerren sie den so verehrten Quorthon noch näher an sich heran. Es entsteht der Eindruck, dass es gar nicht um das Recycling kriegerischer Heerscharen geht, dass Muspellsheim und Nifelheim auch gern Kneipen in sozial vakanten Brennpunkten von Stockholm sein könnten, wo das Bier entweder zu warm oder zu kalt serviert wird. Vielmehr beerben sie eben jenen Schweden, der aus den Wikingern wahre Metaller gemacht hat. Was auch immer, mit ihren elegisch schwülstigen Songs, mit ihren rhythmischen Kriegstänzen, ihren zornigen Black Metal Verweisen, mit ihren fast schöngeistigen und harmonischen Momenten, mit all den klassischen Seitenwegen und all dem drum herum von Melodie und Riff, von heiserer Kehle und getragenen Gesängen ist ihnen ein Album gelungen, dass mitten ins Zentrum trifft. Ein Album, an dem kein Ton überflüssig oder aufgetragen erscheint, eines an dem alles da ist wo es hingehört. Und das dazu eben noch eine Bandbreit von Stilelementen vorweist, nach der andere Adepten lange und vergeblich graben. Wenn Feuer auf Eis trifft, dann entsteht nicht nur jede Menge Dampf, der schnell im Nichts verpufft, nein dann splittert und kracht es, dann zischt und kocht es und der daraus entstehende Sud schient zeitlos. „Fire Meets Ice“ hat meine nostalgische Seele vollends überzeugt und mein sonst so sehr vom Knüppel im Rhythmus gehaltenes Pumporgan tatsächlich fest gepackt. Da liegt die volle Punktzahl unterm Hammer! 
10/10

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