Tuesday, August 13, 2013

GRINNED - Grin And Bear It!! - Cd / Bizarre Leprous Prod.



Wenn ein Tscheche eine Reise tut, dann gibt es nichts zu grinsen, dann wird daraus immer blutiger Ernst. Zum Spaß fahren andere weg, der Tscheche nur um Krawall anzuzetteln. Selbst wenn es ihn nach Irland verschlägt und der dortige Krawall eigentlich schon längst befriedet ist. Die Insel schwimmt in ärmlicher Beschaulichkeit und müht sich, ihre Schulden zurück zu erstatten, und dann kommt da so ein Pakalude und sucht Ärger! Etwas irritiert unter den Iren bleiben ihm nicht viele Alternativen um seine eigene Klischeesucht zu befriedigen. Romanistische Dates mit Schwarzbier und Schaf, Schollen fischen bei Sturm und Magendurchbruch, oder irgendwas durch die fruchtbare Furche ziehen. Aber da denkt er sich, ich war doch mal ganz gut dabei, bei Mincing Fury und dem ganze Rattenschwanz, damals in der fernen Heimat, warum also nicht machen, was ich auch auf die Reihe bekomme. Na und das hat er dann, hat sich ein paar trinkfeste Einheimische engagiert und gefragt, was wollt ihr, das ich auch will, ich kann Grind!  Das können die auch, wollen aber nicht so wirklich, lieber was mit Hardcore, nö Death Metal.  Verflixt verfahrene Situation, das mit der freien Demokratie und Europa und so. Na gut, sagt der Mitteleuropäer, dann machen wir halt alles und hören was wird. Ein bisschen hat es gedauert, doch jetzt müssen wir es alle hören, und so führt uns die Truppe durch das einsamste Kotzerama der Musikgeschichte, mistet mit uns Schweinekoben aus, singt mit uns ihren eigens komponierten Gangsta Grind ala Blood Duster und haben ein zwielichtiges Stelldichein mit einem Hermaphroditen. Sie kümmern sich rührend um ihr Geschäft und schöpfen wenig Hoffnung, wenn es um Jobs und Zukunftsplanung geht. Das alles stopfen sie in ein musikalisches Korsett, das dann alle Facetten von Grind/HC und Death Metal umfasst, manchmal lostritt wie die Wildsau und manchmal auch am Rande der Banalität nagt. So ist das eben, wenn man zur Kompromissbereitschaft erzogen wurde und immer freundlich jede Hand schütteln will. Aber der Tscheche will, dass es was wird und wenn er die Brechstange ansetzen muss, sonst kommt er doch noch in die Verlegenheit, sich in kalten Inselnächten an ein Lämmchen zu kuscheln. Das geht natürlich gar nicht, und deshalb versucht er so oft es erforderlich ist, das Ruder in seine Richtung zu reißen und mit brutaler Hektik und zornesbereitem Aggressionspotential der Musik die typische rohe und coole Kante zu geben, die den Tschechengrind so beliebt macht. Da muss Feuer unter den Ofen und das Gewöhnliche gehört zur Esse hinaus geblasen. Dass es nicht in vollem Umfang gelungen ist, liegt wohl an den unerfahrenen Insulanern, die ihre Instrumente mit den Därmen ihrer Haustiere bespannen und auf ihren Farmen sonst nur mit Folklore aus dem Sack und schlechtem Fußball zu tun hatten. Letztendlich führt der Ausländer die Einheimischen ganz gut an, setzt sich durch wenn es wichtig ist und lässt sie gewähren, wenn es ohnehin keine Rolle spielt. Die Mischung aus frei interpretierbaren Stilelement gibt GRINNED sogar das gewisse Etwas, wenn man auch auf das eine oder andere was hinter dem Et hätte verzichten können. Die Kotzorgie zum Beispiel, die ist lange nicht so witzig wie gedacht, die arme Sau die sich da die Galle nach außen stülpt hat mein ganzes Mitleid gewonnen. Deshalb gibt es dafür immer ein aufrichtiges Skip und wech! Als gelungene Wiedergutmachung verbreiten die Grind Core Gangstas aber rüden Stadionspaß und lassen solche Ausfälle vergessen.  Von brutal auf die Zwölf bis hin zu punkig unbeschwertem Pseudorevoluzionieren ist alles vorhanden, was einen durstigen Abend rund macht. Vorrangig ist das Album unterhaltsam und eben nicht musikalisch anspruchsvoll. Nix für die Lehrbücher zukünftiger Generationen, nur Stoff für verqualmte Kneipen und Kellerclubs. Aber genau da gehört solche Musik auch hin, sollten die Musiker tatsächlich andere Absichten gehabt haben, dann ist wirklich was aus dem Gleis gesprungen. Ich bin mir sicher, der Tscheche bereut im Nachklapp seine Reise in den Norden unseres schönen Kontinents nicht, hat dort ein paar Kumpels gefunden, mit denen er auf die Pauke hauen, Pups leer saufen und einen flotten Darm zupfen kann. Die Brüder sind dermaßen gut unterwegs, dass da bestimmt noch mehr nachkommt. Zugehört und mitgetanzt! 
7/10

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