Thursday, August 22, 2013

HUMILIATION - Turbulence From The Deep - Cd / Deepsend Records



HUMILIATION hab ich diesen Sommer gesehen. Eine Handvoll nicht eben hünenhaft gewachsener Malaien, die ihre Bühne belagert haben, wie einst die Türken Wien. Mit Druck und Effektivität. Die Türken von einst waren zwar kreativer in ihrem Werken, aber kaum erfolgreicher als die Lärmkrieger von heute. Wien ist jedenfalls nicht gefallen, so manch Nackenstrapazierer vor der Bühne schon. HUMILIATION funktioniert ganz gut, wenn Alben von Obituary, Bolt Thrower und SFU im Regal ein harmonisches Beisammensein frönen. Musik, die mit überdimensional fettschwartigen Riffs aufwartet und die so minimalistisch konzipiert ist, dass es nur um Effektivität, nicht aber um die große Kunst geht, ist dermaßen unkompliziert zu schlucken, wie sich ein Tripper andichten lässt. Es ist wahrscheinlich nicht fern der Realität, dass dem Verantwortlichen das Basisriff zwischen Kippe und Porzellanabteilung im Sanitärbereich einfällt und es schneller auf die Klopapierrolle gekritzelt ishat, als der Riemen ins Becken plumpsen kann. Genau betrachtet passiert in den einzelnen Songs, auf dem kompletten Album nicht viel. Die Gitarre haut mit immensem Druck ihre Statements zu Groove und Brutalität raus, der Drummer wippt mit Zielgenauigkeit und Timing auf seine Pedalen rum und der Sänger, nun der macht nichts anderes als darauf zu verzichten, seinen kehliges Stimmvokabular zu variieren. Bloß keinen Grund für so einen Quatsch suchen, dann könnte es noch emotional werden. Coolness und granitene Fassade gehen über alles! Jeder anderen Band nimmt man so was schnell krumm, bei den Typen aus Malaysia funktioniert das aber trotzdem. Und warum? … weil es saugeil klingt. Die kriechen mit einer gottgegebenen Schwerfälligkeit durch ihre Scheibe wie eine Schnecke auf der eigenen Schleimspur rückwärts, sind völlig unaufgeregt und sorgenfrei am Trümmern, wollen lediglich so heavy sein, wie es ihre seltsame Fantasie erlaubt. Zugunsten dieses Vorhabens lassen sie dann alle technischen Bedenken zurück, kippen die gesammelten Scheißeimer mit anspruchsvolleren Inhalten in den Ozean und pissen provokativ noch hinterher. Denen ist es genauso gleichgültig, dass sie inhaltlich auf der Stelle treten, wie dem Papst die leidige Kondomgeschichte, wo er doch sowieso nicht darf. HUMILIATION konstruieren mit relaxter Gewaltbereitschaft auf kompositorischer Ebene dick aufgetragene Geschichten vom U-Boot Krieg, bleiben mit ihrer leicht durchfeuchteten Karre bei stürmischer See immer dezent unter der Wasserlinie, um nicht ins Schlingern zu kommen. Mit stets gleichbleibender, exakt gerader Marschroute passieren sie alle Turbulenzen unbeschadet. Vielleicht lassen sie sich mal auf leicht kabbelige Fahrt ein, drehen die Diesel mal etwas höher, aber diesen Unsinn lassen sie auch schnell wieder hinter sich. Sind ja keine verrückten Raser, wie leicht bumst man irgendwo gegen und dann ist das Konzept der bleiverhagelten Beschaulichkeit im Arsch. Das geht gar nicht, und deshalb baut der geschickte Taktiker und Meister in  praktischer Kriegsführung immer nur ein schwerfälliges Riff in die Mitte seines Kahns und schmückt außen herum mit gerade dem Nötigsten. Wenn Musik auf diese Weise schon in den Tagen textfreier Weisheiten wie „Slowly We Rot“ funktionierte, kann es heute nicht der falscheste Weg sein. Im Gegensatz zu ihrer Art, Death Metal ohne Zeitverlust zu interpretieren, sich nur um das Wesentliche Gedanken zu machen und den ganzen Tand denen zu überlassen, die glauben, dass sie es besser hinbekommen, ist ihre Karriere sehr rasant. Oder sagen wir lieber, ihr Produktionstempo. Das drückt nämlich beträchtlich fester aufs Pedal als die eigene Musik. 4 Alben in 4 Jahren, dazu ein paar Split und Ep Sachen, es scheint mir jede Menge freie Zeit in der grünen Hölle zu geben. Aber wie bereits angedacht, wird der Stirnschweiß nicht in Strömen fließen, wenn man solch positiv primitive Songs häkelt. Das ist die einfache Schule, aber wie schon ein berühmter Stammvater der Musiker sagte; Es ist nicht das Schlechteste, sich an den einfachen Dingen zu erfreuen. In diesem Sinne solltet ihr die Scheibe genießen, macht das im Liegestuhl in eurem Laubenpiepergarten, auf dem Balkon oder unterm Bahndamm, mir egal, sucht euch einfach ein schattiges Plätzchen. Lasst euch mit schwerwiegender Beharrlichkeit einlullen und heißt eure Albträume mit offenen Armen willkommen! 
7/10

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