Saturday, August 17, 2013

IN SILENT - Potępienie - Cd / in eigener Verantwortung



Der Sturm an polnischen Death Metal Bands, die den Haarwuchs auf ein Minimum vom Schädeldach blasten, hält bereits an, seit das Gaspedal erfunden wurde. Und den Nachbrenner, denn den benutzen blasphemierende Gewaltaktkombos permanent, es ist nicht unwahrscheinlich, dass eine der frühen Knüppelbrigaden darauf die Patentrechte hat. Weltberühmt ist er geworden, der Hammer aus unserem östlichen Anrheinerstaat, großartige Musiker und perfide Künstler hat er hervor gebracht. Und irgendwie will keine Band aus Polen was anderes machen, tanzen alle den gleichen teuflisch berauschenden Tanz…und verlieren dabei immer wieder ihre Individualität. Das schmälert den Wert der Musik nicht unbedingt, lässt aber das Besondere vermissen. Wenn du heute eine neue Band von nebenan hörst, dann weißt du häufig, was dich erwartet. Durchdrehende Drums, getreten von einem Vieh von Schlagwerker. Düstere und rasiermesserscharfe Riffs, vernebelt atmosphärisch mit dezenten Black Metal Hooks und einen Sänger, der so viel Abneigung gegen was auch immer in der Stimme hat, dass er als Dämonenaustreiber undercover arbeiten könnte. Alles ist sehr durchdacht, strukturiert und aufgrund des jahrzehntelangen Konsums auch leicht berechenbar. Hinter solchen Acts stecken fast immer ausgezeichnete Musiker, Profis in ihrer Präsentation und mit Leidenschaft dabei. Einzig nur an Weitblick mangelt es. 

So auch geschehen bei IN SILENT, die zu ihrem eigenen Nachteil einen wichtigen Vorteil längst verspielt haben. Den vom frühen Vogel … relativ betrachtet. Denn ein Teil der Jungs hält die Band schon seit 96 am Atmen. Nur ein Album ist nie dabei raus gekommen, und nun könnte es vielleicht schon zu spät sein, um ein eigenes Territorium mit altbekannten Werkzeugen abzustecken. Gekrankt hat es wohl an einem ewig labilen line – up, das die Stabilität von Wackelpudding hat und nicht geeignet für ein festes Fundament war. 4 Demos, enthusiastischer Anfang (mit Doom – bevor jemand Kerosin über die Drums geschüttet hat) und dann nur noch mäandernde Existenz, da fehlte es zusätzlich noch an Ehrgeiz, an den Ellenbogen, an Ideen oder den richtigen Kontakten. Lässt sich drüber jammern, ändert aber gar nichts. Anno 2013 stellt die Band ein souveränes und professionelles Album vor, das über alle Ingredienzien verfügt, die polnische Sounds so liebenswert macht, bestes Nackenkracherfutter. Der Teufel weiß die Brutalität und den rigorosen Vorwärtsmarsch zu schätzen. Da nun aber wie erwähnt und bekannt zahllose andere schon wesentlich früher über den Acker gestürmt sind, bleibt solch Nachzüglern bloß noch die Ruinenlandschaft zum Abgrasen, das wüste Land zum Beackern. Und trotzdem weigern sie sich, vom vorgegebenen Pfad abzuweichen, sich einen eigenen Weg durch den Moloch, das Wirrwarr der Szene zu suchen. Sie tun das was sie am besten können und das ist nun mal der blutrot gefärbte Lokalkolorit, in dem sie sich suhlen, mit dem sie ihr selbsterrichtetes Gemäuer, um nicht zu sagen Gefängnis anstreichen. Aus dem heraus sie ihre Stimmen erheben um viel zu bekannten und dennoch funktionalen und vor allem ehrlichen Death Metal Kartuschen Gehör zu verleihen. Lyrisch rollt das alles in Landessprache vom Band, was aber bestimmt nichts mit dem bisher ausbleibenden Erfolg zu tun haben muss, sondern eher von einem gewachsenen Selbstbewusstsein zeugt. „Potępienie“ bedeutet übrigens so viel wie „Kritik“, womit sie vielleicht auch bei sich selbst nachhaken sollten, im Allgemeinen aber auf textlicher Ebene weitestgehend auf oberflächliches verzichten. Das ist natürlich nur Spekulation und völlig Wurst, weil es so wie so keine Sau versteht. Wichtiger wäre es gewesen, der Musik mehr Glanz zu geben, darauf wurde aber verzichtet. So ist das ziemlich kurz geratene Album in seiner Spielzeit genau richtig, bevor es zu langweilig wird. Denn ein Stück zieht wie das andere im Stechschritt die Parademeile runter, für wirkliche  Höhepunkte fühlt sich niemand verantwortlich. Und wenn  der Rausch vorbei ist bleibt die Feststellung, dass die territoriale Zuordnung der Musik keine Herausforderung war und der Rest hüllt sich in schnelles Vergessen. Souverän und professionell, wie schon gesagt, mehr leider nicht. https://www.facebook.com/pages/In-Silent/144051922326331
6/10

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