Friday, August 9, 2013

LOSING SKIN - I Infinite Death - Cd / Blasphemour Records



Autoaggressives Verhalten ist Folge einer psychischen Störung, die auf verschiedenste Ursachen blicken lässt, zum Beispiel wenn Mutter mit der Blage in der Blase ständig voll oder auf Droge war. Wenn´s dann schräg läuft, die spätere Sozialisation eine Achterbahn der Emotionen wird, dann schält sich aus Sohnemann ein waschechter Sadist und Frauenliebhaber heraus, oder aber das Würstchen fängt an, sich selbst mit dem Hammer auf den Fuß zu kloppen. Und das ist nur eine von vielen kreativen Variationen, die solch befremdliches Verhalten gesellschaftsfähig zu Medienfreunden macht.
Der Band aus Spokane, irgendwo dort oben am letzten Zipfel des amerikanischen Nordwestens, quasi am Rande der Zivilisation, wird nachgesagt, dass die Musiker ein solches Verhalten als kleines Massenphänomen betreiben, sich sozusagen kollegial in den Schmerz stürzen. Der Fronter ballert sich das Mikro vor die Blässe, ganz im Stile von Inhumates´ Christophe, der Gitarrist fliegt durch seine Amps und der Drummer nutzt sein Kit als bruchinstabiles Trampolin. Wenn Eisenbiegermusik nicht mehr reicht, um aggressives „Neben den Schuhen stehen“ zu kompensieren, um rosaroten Frust auf wahrscheinlich alles zu kanalisieren, dann ist therapeutische Beobachtung angesagt. Die bekommt die Band nun durch Blasphemour Records, die geben den durchgebrannten Chaoten ein wohliges Zuhause. Ob´s nützt, wenn Mami und Papi fremde Gestörte in Pflege nehmen, oder sie das Eigenheim genauso auseinander nehmen wie sich selbst, muss sich noch zeigen. Zuerst einmal stecken sie ihren Zorn und ihr Engagement alles zu Kleinholz zu pusten in ein neues Album. Und das hat es in sich. Es mischt simplen Death / Thrash mit UK Hardcore und hebelt mit roher Gewalt ein Stück nach dem anderen von der rostigen Rampe. Aber auch hier ist deutlich spürbar, dass der Sänger nur mit Mühe an der Kette zu halten ist, den Beißring hat er längst ausgespuckt und er bellt in wutentbrannter Tonlage seinen Unmut über alles hinaus, was ihm subjektiv zu nah auf die Pelle rückt. Das ihn umgebende Instrumentarium hat alle Mühe, ihn im Zaum zu halten, ihn nicht aus der musikalischen Führung gleiten zu lassen. Offenbar schleppt der die größten Probleme durch sein Leben, und nur weil seine Kumpels durch therapeutische Exzesse gegangen sind, wissen sie, dass sie ihr spielerisches Tempo nicht auf die Spitze treiben dürfen, sonst ist er fort. Dann wütet er mit Axt und Messer. Geschickt tackern sie ihn mit thrashigen Riffs an den Boden, vermeiden verwirrende Technik, um ihn nicht aus der Zwangsjacke platzen zu lassen. LOSING SKIN machen wenig komplizierte Musik, die mit Hardcore Sound und rüdem Charme altgediente Death /Thrash Fans bedient. Aber genau betrachtet sind sie so was wie der Wolf im Schafspelz, denn hinter der recht gewöhnlichen kompositorischen Fassade versteckt sich eine Bestie, deren Fängen niemand mehr entrinnt, wenn der sabbernde Kiefer erst mal zugeschnappt hat. Mit vielmals eher langsamen und schwerfällig wirkenden Anteilen locken sie behäbiges Publikum an, um dann mit der rohen Keule die Kalotte zu zertrümmern, mit Riffs aus der Thrashschmiede in Erinnerungen zu wühlen und Fesseln an ihre Opfer zu legen. Bieder und banal liegt den Musikern nicht, eher rücksichtslos durch die Mitte treten und abräumen was abzuräumen geht. Mitreißend sein und kompromisslos, die Härte der Musik mit der Brechstange durchsetzen, nicht schön sein wollen, nicht angepasst, sondern überkochend vor musikalischen Wutausbrüchen, das ist Maxime, die aus verkannten Künstlern Antihelden macht. Die Musik erinnert latent an Repuked oder Mordbrand, nur ohne den skandinavischen Sound eben, dafür mit vergleichbarer Punkattitüde. Eye Hate God Fans sollten aber genauso auf ihre Kosten kommen. Und der therapeutische Einsatz hat auch was gebracht, wenn nun Mikroständer fliegen, dann nicht mehr gegen den eigenen geschundenen Kadaver. Ein weiteres Mittel zur Selbsterkennung, zur Heilung der verwundeten Seele, ist das Rotzen ins Publikum, somit wird die Aggression in eine andere Bahn gelenkt. Blaue Flecke und Platzwunden sind damit nicht ausgeschlossen, nur eben nicht mehr selbst zugefügt. LOSING SKIN scheinen ein vollkommen durchgeknallter Haufen zu sein, die ihr Revier abstecken wie eine Rotte siffiger Köter und nach jedem schnappen, der was von Erziehung und Gesetz faselt. Sind echt kranke Vögel mit einem saucoolen Album! http://losingskin.bandcamp.com/
9/10

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