Sunday, August 18, 2013

MAJALIS - Cathodic Black - Mcd / Pulverised Records



MAJALIS, das ist schwedische Gegenpolmusik. Die funktioniert (oder vielleicht auch nicht) wie die beiden Magnethunde, eine in den 80ern weit verbreitete Deko, mit einem schwarzen und einem weißen Kunststoffköter in Miniaturformat. Beide hatten einen kleinen zylinderförmigen Magneten von links nach quer durch ihren Hartplastikleib geschoben. Deswegen konnten sie sich gegenseitig entweder am Arsch lecken, schnäuzeln, oder eben nicht. Kam nach physikalischer Späterkenntnis darauf an, wie rum der Magnet gepolt war. Und das ist der Vorteil oder das Dilemma bei MAJALIS, da ich nicht genau weiß, ob sie mit dem Publikum lieb kuscheln wollen, anziehend aufgestellt sind, in die „Leck mir das Rektum blank“ Richtung tendieren, oder generell abstoßend sein wollen, weil die Musik so eigenwillig und unnahbar erscheint. Gefangen irgendwo zwischen Vorschritt und Stillstand, zwischen musikalischer Progressivität und einlullendem Doom ploppen die 3 überlangen Stücke teils harmoniebedürftig, teils seltsam unterkühlt hin und her. Sie erzeugen wenig Einigkeit in der Frage, ob es Sinn macht, sich strukturell auch mal festzulegen. Und dahinter verbirgt sich so was wie eine egozentrische Maxime, das hat im Grunde klassischen Charakter. Die Band wehrt sich mit Erfolg an irgendwelchen Metal – Klischees teilhaben zu müssen. Lieber bezirzen sie uns mit endlosen Melodien, hauchen wie ein lauer Abendwind durch einen staubigen Traumfänger im Schlafzimmerfenster. Oder sie punkten mit nicht allzu komplizierten aber markanten Riffs, die eine gewisse groovige und rockige Note zurück bringen. Wirkliche Bekenntnis zu einer Seite wollen MAJALIS nicht ergreifen, der doomige Anteil ist aber schon bedeutsam. Nur angelt auch der nicht zwingend im Topf der Gewohnheiten, denn dafür fehlt die vernebelte und düstere Atmosphäre fast völlig. Viel deutlicher mäandert Melancholie wie ein roter Faden durch das Gespinst aus Moderne und dem Gestern. Der Gesang orientiert sich viel deutlicher an gequetschter und gebrüllter Hardcoreattitüde, lässt den sonst im Schlafanzuggenre so verehrten monotonen Grummelvokal weit hinter sich. Viel mehr erinnert der Vortragskünstler an einen kommunistischen Apparatschik, einen propagandistischen Einheizer, der seine Genossen blutrot in der Reihe stehen sehen will. Mit Inbrunst schwellen die Halsschlagadern – so müsst ihr euch das in etwa vorstellen. Im Hintergrund schwebt manchmal ein spaciges Piano, das diesen 50er Jahre „Invasion from Planet Mars“ Sound drauf hat und punktgenau in das extravagante Geschehen passt. Also Akustik und Beschaulichkeit übertrumpfen den eigentlichen Metalpart, was die Zugänglichkeit zu der Musik der Schweden schon ziemlich erschweren dürfte. Wer aber nach eher ungewöhnlichem Stoff sucht, sich mit der Bong das Wohnzimmer heizt und auch in den buntesten Farben schwarze Flecke vermutet, dem könnte das vielleicht gefallen. Und dann noch einen Tipp zur letztendlichen Entscheidungsfindung: MAJALIS ist ein Seitenarm von IN MOURNING. Und auch da ist das Konzept der verstärkten Gitarren und der zornigen Gemüter schon sehr speziell. So weit weg davon bewegt sich MAJALIS höchstwahrscheinlich nicht. Jedenfalls machen die Musiker mit der neuen Band nicht die große Biege und grasen kein komplettes Neuland ab, lieber verlassen sie sich darauf, was sie mit Sicherheit auf die Reihe bekommen und variieren auf Freistilniveau. Dass es zwischendrin und auch letztendlich droht langweilig zu werden, liegt in der Sache selbst, die ganze Nacht ohne zu schlafen an die Decke zu glotzen ist auch wie ein Gummiband. Da braucht man schon ein besonders Talent, um das mit der nötigen Begeisterung durchzustehen. Das Auf und Ab, das Hin und Her der Emotionen, der musikalischen Stilelemente wird dem einen auf den Magen schlagen, den anderen schlichtweg überhaupt nicht interessieren und dem Introvertierten eine dicke Träne aus dem Knopfloch locken. So ist das eben im Leben. Aber wen kümmert das schon, MAJALIS sind bestimmt nicht angetreten, um es jedem recht zu machen. Subjektiv betrachtet mir übrigens auch nicht. Unterm Strich sind die Ambitionen der Musiker höher zu bewerten als das Ergebnis. 
6/10

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