Friday, August 30, 2013

SEROCS - The Next - Cd / Comatose Music



In seiner Frühphase war SEROCS so was wie ein liebgewordenes Stiefkind des Mexikaners Antonio Freyre, für dessen Erziehung er ganz allein verantwortlich war. Er nährte es, wusch es, hegte, pflegte, liebkoste und prügelte es, bis ein hässlicher kleiner Bastard aus einem stählernen Kokon schlüpfte. Heute ist das ein multinationales Projekt, dass aufgrund von Distanzüberwindung und viel zu viel Aktivität der Mittäter, kaum einen wirklichen Bandstatus erreichen dürfte. Es verdingen sich Leute aus Amerika, Kanada und Finnland an diesem mexikanischen Racker, drücken ihm alle irgendwie ihren Stiefel in den Nacken und pinnen ihn damit etwas zu sehr am Boden fest. Hier haben wir Leute von Monstosity und Vile dabei, von Kataplexia und Sotajumala, wohlgemerkt stellt das nur eine Auswahl der bekannteren Bands dar, an denen die Mitmusiker sich zu schaffen machen. Hinzu kommen diverse Gastmusiker von Lecherous Nocturne und Demilich, und ein jeder will seinen Rotz in die Suppe spucken. Es kann somit gar nicht ausbleiben, dass sie ihren Fußabdruck im Antlitz des kleinen Scheißers zurück lassen und der selbst als gebeuteltes Kind mannigfaltige Blessuren davon trägt, die er so schnell nicht überwindet. Zusätzlich sind alle Stücke wohl auch in anderen Studios produziert worden. Wenn dem so ist, dann ist das Chaos perfekt und der Faktor Homogenität ein Witz. Auch mit perfekter Vita und irrsinnig viel Talent und Geschick kann die Chance auf den großen Brocken, den genialen Fischzug schnell mit leeren Netzen und stumpfen Haken enden. Dann nämlich, wenn die Musiker sich ihrer Hingabe an das Produkt, der totalen Unterwerfung an die eine Sache plötzlich nicht mehr bewusst sind. Dann bröckelt die Front und feindliche Kampfverbände erstürmen lange für unschlagbar gehaltene Bastionen. Dann ist die Musik, die sich immer noch auf hohem Niveau bewegt, und das muss bei der Riege der Mitmischer vorausgesetzt werden, doch nichts weiter als das Herunterwichsen des eigenen Könnens. Dann geht Inspiration verloren, es wird lediglich das abgerufen, was einem auch im Schlaf aus dem Kittel purzelt. Klar, auch so was ist noch weit über der Norm unerfahrener Krachfetischisten. Das ist aber leider auch wenig überzeugend, zu gleichförmig, vergisst die prägnanten Parts und wirkt auf diese gewisse professionelle Art schrecklich lustlos. So will zumindest ich keinen technischen Death Metal hören. Wenn er ostwärts einfährt und den Schacht westwärts verlässt, ohne Spuren zu hinterlassen, dann ist die ganze Unternehmung SEROCS viel zu abgeklärt und selbstverliebt, dann fehlt der objektive Blick von außen.
Um nun wirklich schlecht zu sein, fehlt es an schlechten Musikern, denn auch wenn sie zumindest auf dieser Rinde an mangelndem Spürsinn kranken, erwarten euch dennoch souveräne Songs, denen an Geschwindigkeit und technischer Ausrichtung ein sehr gesundes Maß an Knowhow innewohnt. Das selbstgesteckte Ziel, den technischen Bleihagel zu den eigenen Wurzeln zurück zu führen, gelingt auf The Next nur zum Teil, denn sie stecken irgendwo zwischen Cryptopsy, Gorguts und Defeated Sanity fest, ohne deren intelligentes Spiel für sich selbst abrufen zu wollen. Denn am Können liegt es nicht. Wem es jedoch genügt, sich mit sicheren Blastnummern die Kronen locker prügeln zu lassen, wer straightes Spiel mag und nicht gern zu intensiv um die progressive Ecke denkt, wer sich einfach mal so richtig aufs Kreuz legen lassen will und nach einen brutalen Ritt bettelt, na dem wird jeder Wunsch erfüllt. Wund im Schritt und morsch im Rücken werdet ihr euch von eurer Liegestatt hochquälen, wenn das Gemetzel vorbei ist. Klare Bässe und vertracktes Gitarrenspiel mit mehr oder minder funktionalen Riffs treiben Schindluder mit der eigenen Überzeugungskraft, und der Drummer nagelt alles von hinten, was den Rock nicht fest halten kann.
Von dieser Seite betrachtet machen SERCOS durchaus einen guten Job. Wer aber höhere Standards setzt und aufgrund der Besetzung auf Anspruch plädiert, wird mitunter bitter enttäuscht. Dem fehlt mit Sicherheit der Hauch des Besonderen, der vermisst Griffigkeit, dem geht just die technische Hölle nicht tief genug. Geht irgendwo probehören, und dann müsst ihr halt selbst entscheiden. Ich verschenke 6 Punkte, die rein auf  Musik reduziert sicher unterbewerten, betrachtet man das Gesamtpaket, aber wahrscheinlich sogar hoch gepokert sind.
6/10

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