Wednesday, September 25, 2013

ABOMINANT - Onward To Annihilation - Cd / Deathgasm Records



20 Jahre und 10 Alben nach dem Kalben aus der Death Metal Vagina Kentuckys´ hat sich an der musikalischen Zuverlässigkeit der Band kaum was geändert, stilistisch nichts bewegt. Warum auch? Und stimmt das wirklich? Selbstbekennend hat Mike May mir 2010 mal erzählt, dass es dafür keinen Grund gäbe, dass sie nicht nach den Sternen greifen und einzig die Songs schreiben, die sie selbst gern hören würden. Aber auch vor Stagnation haben sie keine Angst, denn sie leben in dem festen Glauben, dass jedes Album anders wäre als der Vorgänger.  Und nun ja, auch wenn sie an ihrem ureigenen Stil, der kompromisslosen Mixtur aus Death Und Black festhalten, bietet jede neue Rille auch neue Facetten. Dafür muss man sich nicht mal das Ohr verrenken.  Es sind immer nur Details, welche aber das Gesamtbild der Band zu prägen in der Lage sind. Das aktuelle Album, das wohl auch wieder unter dem internationalen Radar durchfliegen wird, wendet sich etwas von der stilistischen Nähe zu Vital Remains ab, hat jetzt mehr Black Metal Elemente im Fokus, und obendrauf (oder mittendrin) einen echten Speed Metal Song. Ernsthaft, auf so einen Scheiß muss man erst mal kommen, zwischen all dem schwarzen Geballer eine solche Nummer zu platzieren, fordert Selbstvertrauen und dicke Eier. „Hold Your Ground“ ist das wohl untypischste, das ABOMINANT bisher in der Lage waren, vom Haken zu lassen. Und dann umschiffen sie noch die Klippe der grausigen Albernheiten, was im Kern des Speed Metal liegt, nicht an der Band selbst. Das Stück ist lustig anzuhören, mit seinem Tempowahn rast es nahezu vorbei und der Kastratengesang verlangt Nervenstärke, trotzdem verunglimpft es weder die generellen Absichten der Band, noch machen sie sich selbst über das Genre lustig. Seltsamerweise funktioniert der kurze Ausbruch aus der schwarzen Hölle ohne anzuecken, und währt gerade mal 1/3 der Spielzeit, die sie sich sonst nehmen, um ein Stück ans Ende zuführen.
An Hypocisy machen sie sich auch zu schaffen, covern „Left To Rot“ mit einem Sound, der mich gar nicht an das Original erinnert hätte. Im Grunde schlucken sie das Ding einfach unzerkaut runter.

Um wieder und wieder ein Album in relativ stabiler Besetzung aus dem Kellerfenster zu werfen, so lange am Leben zu bleiben, bedarf es eines langes Atems und nicht allzu großer Egos, die sich aneinander reiben. Wenn eine Band auf dieser Ebene funktioniert, dann kommt vielleicht nicht immer die ideale Füllung für einen überschwappenden Kreativpool heraus, aber stets Zuverlässiges jenseits banaler Schrammelkunst. Die leben ihre Musik und pushen das auf ihre Weise. 10 Alben und diverses Kleinholz sprechen Bände. Kann sein, dass Nummer 10 als Jubiläumsrille etwas weniger überzeugend als der Vorgänger ausgefallen ist, beschenken müssen sie sich letztlich aber nur allein. Und unterschätzen sollte man Onward To Annihilation auch nicht, saugt es seine Kraft doch in vollen Zügen aus der Erfahrung und dem Spaß von 2 Jahrzehnten. Wenn wir heute von den guten alten Zeiten palavern, leichtfertig jede neue Band begrüßen, die dem Aberglauben der Rückbesinnung erliegt und dann auch noch fette Alben mit stilistisch gefestigten Kompositionen vertickt, dann gilt es in erster Linie nicht zu vergessen, woher dieser Spirit kommt. Dass es dort draußen Bands zu Genüge gibt, die den Anfang der Schlange gesehen haben, zumindest dem Kopf sehr nahe waren, und die auch heute noch Geschichten zu erzählen haben. In einem sind ABOMINANT auf jeden Fall groß, in ihrem Streben, Trendfreiheit für ihr eigenes Schlachten und Bluten zu propagieren. Mittlerweile ist der Zopf auch viel zu grau, um sich mit solchem Unsinn wie der Aufweichung der eigenen Überzeugung, der Überschreitung von eben erst gezogenen Genregrenzen zu beschäftigen. Und so hacken die Drums auch anno 2013 noch ohne Ausfallerscheinungen, flitzt die Leadgitarre über ihre Solis wie die Fliege über das Marmeladenbrot und sind die Riffs so was von schwarz beschattet, dass dem Norweger im dichten Tannendickicht die Schminke von der Fratze läuft. Und es brüllen die Kehlen unheilige Kriegsgesänge in die Mikrophone und kotzen dem Establishment mit Schmackes ins Gesicht. Wer behauptet, ABOMINANT würden sich lediglich für stumpfen Death Metal hergeben und an intellektueller Bewegungsarmut kranken, dem sei empfohlen, genau hinzuhören. ABOMINANT stehen für klassischen US Death Metal, der keine Vergleiche scheuen muss, ein aufrichtiges Statement in Punkto Kompromisslosigkeit abgibt. Von dieser Richtung sollte Onward To Annihilation betrachtete werden, dann versteht ihr auch wohin die Band will und wie es möglich war, so lange durchzuhalten. Dann erkennt ihr, dass ihr eben eine Scheibe aus sicherer Hand gehört habt, eingespielt von Profis, die nie aufgehört haben, Fans zu sein, und die vor allem niemanden mehr was beweisen zu müssen.  Und ihr seid vielleicht auch in der Lage dieses entsetzliche Cover zu vergessen, dass schon aufgrund seiner Farbgebung die 2 Gallertknöpfe zum Schielen bringen. 
7/10


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