Friday, September 20, 2013

BODYFARM - The Coming Scourge - Cd / Cyclone Empire



Die Bodyfarm ist im ursprünglichen Sinne die anthropologische Forschungseinrichtung schlechthin – drüben bei den Amis. Da die dort bekanntlich so viel spinnerte Pfosten in den eigenen Reihen behüten, die mit diversen Utensilien die tollsten Sachen aus der Unschuld schnitzen können und sich nicht um Legitimationen kümmern, brauchen die in logischer Konsequenz auch einen Acker, wo die ihre Berge an Kadavern abkippen können. Na ja, klingt böse und ist auch nicht so, dient ja vielmehr der Verbrechensbekämpfung. Und dann schimmeln da Tote unter feuchtem Laub und blähen in der Mittagssonne, schrumpeln in trockenen Erdlöchern und treiben blubbernd in Wasserlachen. Alles im Namen der Wissenschaft, was für in geiler und makaberer Spaß. Und was für ein ertragreicher  Nährboden für das Metalgenre. Mit diesem Hintergrund aus Verwesung und Neugier, Tod und Wissensdurst steht der niederländische Namensableger (ohne wissenschaftliche Absichten) mit dem 2. Album vor den Toren. Erstaunlicherweise weist weder das Cover auf freiwillig gespendetes Gammelfleisch hin, noch tut es die Musik. Ersteres hat etwas Episches und wirkt in seiner Gänze wohl nur in der Vinylversion. So eine beschissene Cd ist doch viel zu klein, um künstlerisch bemerkenswertes wie den Pinselstrich von  Juanjo Castellano gebührend in Augenschein zu nehmen. Sieht wirklich großartig aus. Zum anderen geht auch die Musik nicht den amerikanischen Weg von Gewalt, Pussies und Patriotismus, vielmehr folgt Bodyfarm dem schwedischen Modell. Das mit aller Präzision, die teils stumpfes und auf Funktionalität ausgelegtes Komponieren, teils flottes Songwriting mit viel Köpfchen vereint. Mit Freude am Instrumentieren, am traditionellen Bleigießen, am morbiden Geschmäckermord schiebt die Band eine Wand nach der andren vor sich her und lässt nur selten hinter das Geschehen an der selbsterrichteten Frontlinie blicken. Bewegt die Band mehr als klassischer Death Metal, mehr als griffiges Nackenbrecherstakato, mehr als sägende Riffkannonaden und markige Vocals? Der Focus liegt auf dem Maschinengewehr und der Flak, auf Angriff und gnadenlosem Gemetzel, auf dicken Midtemposchwarten und schnellem Vorwärtsdrang. Populistisches Stahlbiegen könnte man so etwas nennen, wenn da der Landkreuzer intoniert wird, ein zweiläufiges Ungetüm aus dem letzten großen Weltdesaster. Und tatsächlich klingt die Gitarre, als würden die Diesel warm laufen, lauter als ein Tigerpanzer und bedrohlicher als der Rums der Dicken Berta. Solche, der Unterhaltung der Irren wie mir geschuldeten martialischen Kriegsfrönerei , ist die Basis, das Mistbeet auf dem das komplette Album gründet. Zumindest im Sinne eines roten Fadens. Denn natürlich gibt es hinter dem angesprochenen Vorhang noch andere Facetten zu bestaunen. Da überrascht doch ein Akustikintermezzo, lieblich und liebebedürftig mit klassischen Absichten verborgen unter einem plätschernden Sommerregen. Auch wenn es im folgenden Höllensturm schnell vergessen scheint, bleibt ein kleines helles Lichtlein am verrauchten Horizont zurück. Und dann ist da auch noch Enter The Eternal Fire. Diesem in keinster Weise eingerosteten Bathory – Klassiker widmet die Band ihre volle Aufmerksamkeit, macht daraus eine mal mehr mal weniger am Original orientierte Bodyfarm – Version, die sich dann aber grundlegend vom Album unterscheidet. Und eine Version, die ich der Band gern abkaufe, weil sie Spaß macht und eben nicht stur nach dem zu erwartenden Bandkonzept tickt. Den Niederländern ist damit und generell mit dem neuen Album ein ganz dickes Ding gelungen. Ein Album in dem Einflüsse von Entombed ebenso eine Rolle spielen mögen, wie meinetwegen Slayer (Vortex Of Terror), und wo die heimische Death Metal Landschaft genau so wenig unberücksichtigt bleibt, ist eines das auch zwingend Selbstständigkeit verlangt, bevor es im Kampf irgendwo verloren geht. Und genau das haben die 4 Rohrbieger scheinbar spielend drauf. The Coming Scourge greift vom ersten bis zum letzten Ton und ich weiß nicht so recht, was man daran noch hätte besser machen können. Der Sound walzt wie die akustisch protegierten Panzer, das Songwriting sorgt für genug Freiraum zur Entfaltung, Riffs brechen Knochen, unterschwellige Melodien ziehen den spielerischen Riemen stramm. Die Lyrics ergötzen sich in Klischees der angenehmen Art und das Artwork letztendlich ist wie schon erwähnt eine satte Augenweide. Weil alles zusammen passt und weil die Musik und der ganze Rest Spaß machen, weil echter Death Metal mit einer gewissen Atmosphäre jenseits intellektuell versandeter Schlachthöfe nur so klingen kann, gehört diese Rille unbedingt in die eigene Kollektion. Daran gibt es nichts zu zweifeln und später zu bereuen.
10/10

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