Wednesday, September 18, 2013

CRIPPLER - Threshing Sledge - Ep / selbstgeraucht



Für CRIPPLER, oder zumindest deren vertrauensvoller Belegschaft, ist das Spiel mit dem Terror als gitarrenorientierte Kunstform nicht neu. Die 3 Herren aus dem hohen Norden spielen seit geraumer Zeit zusammen in Scent Of Flesh. Das aber reicht offensichtlich nicht mehr. Mit ihrem neuen Baby orientieren sie sich nun am amerikanischen Hinterhof, springen wenig wild aber doch überzeugend zwischen dezentem Blast, Mid Tempo und Groove hin und her. So wie die Valiummaus in der Lebendfalle. Das Spektakuläre lassen die Musiker vermissen, das Souveräne ist aber allerorts präsent.  Es ist ganz deutlich spürbar, dass keiner der Burschen die Instrumente erst seit letzter Woche im Kartoffelkeller eingelagert hat. Wegen des professionellen Auftretens und so … auf der Gegengeraden jedoch kommt aufgrund dessen auch wenig wirkliche Innovation zum Zielspurt.  Raum für kreative und wirklich frische Geistesblitze ist so knapp wie Frischluft im Andreasgraben.
Nun gilt es aber nicht, sich darüber zu beklagen, was hätte sein können, sondern das zu sezieren, was wirklich ist. Und das ist vor allem eine recht schwere Gitarre, die ihre Stärken aus der Mitte zieht, die sich bei Up – Tempo Geschichten nicht so wohl fühlt und diese auch lieber als Marginalie in die Vergessenheit drückt. Das ist ein Drummer, der vielleicht nicht der variabelste ist, aber präzise den Rhythmus tackern kann und sich nicht verstecken muss. Das ist ein Bass, der als begleitender Verdichter seinem Kumpel der Gitarre ein treuer Freund ist.  Der Fakt der relativen Unauffälligkeit der 4 Saiten liegt möglicherweise an der Tatsache, dass am Därmezupfen bei ebenjenem und auch der Gitarre der selbe Mann die Verantwortung trägt. Und da setzt er eben auch mal Prioritäten. Solange das ohne negative Tendenzen bleibt, sei es dem Ehrgeiz geschuldet, seiner Gitarre ordentlich einen aus dem Kasten zu leiern. Ist ja auch gelungen.
Das ist ein vokales Organ, das in tiefster Tonlage doch noch einiges an verständlichem an den Mann bringt. Oder aber auch den Dämon aus dem Käfig lässt und effektiv in Szene gesetzt jedem Teufelsaustreiber die abgegriffene Bibel zu Ascher zerfallen lässt. Das ist der Griff zu den hohen Seiten, der nicht überstrapaziert wird und mit klassischen Solis gar nichts zu tun haben will, der aber im relativ stumpfen und sehr schweren Sound auch etwas abhanden kommt.
Wirklich neue Facetten sucht die Band auf diesem ersten Schrei nach Aufmerksamkeit nicht. Der Focus liegt auf gängigen Strukturen, die in ihrer Funktionalität immer noch einschlagen können wie ein Dresdner Winter. Nackenfutter, das ist es, was CRIPPLER da aus den humanoiden Fleischrohren finnischer Baukunst ballern. Mit der sonst so beliebten finnischen Tristes und Neblewerferstimmung, mit tiefgespülter Verzweiflung und musikalischer Depression hat das gar nichts zu tun. Die nehmen ihr Lehrstück des 90er Amerikanismus sehr ernst. Von Malevolent Creation über Jungle Rot bis zu Dying Fetus geht alles, auf die nordeuropäische Art irgendwie. An Coolness mangelt es ein wenig, zu fixiert auf die brutale Keule mit dem ernsthaften Schwung sägen sich die Stücke durch den näherkommenden Ereignishorizont. Es hätte sicher nicht geschadet, mal etwas mehr aus der vorgefertigten Hülle zu schlüpfen, auch mal locker zu lassen,  in Punkto  Glaubwürdigkeit steht das Trio jedoch auch ohne solche Wagnisse auf sicheren Füßen. Der Druck, den sie wie einen unsichtbaren Stahlvorhang vor sich herschieben, haut bei direktem Kontakt doch sehr  gesund in die Magengrube und lässt die schrumpelige Haut um die Testikel kräuseln wie angesengte Schweineborsten.
Deshalb lohnt es durchaus, diesen nicht frischen (rein von der Idee), aber sehr schmackhaften Songs das nötige Gehirndressing zur Verfügung zu stellen und abzuwarten was da noch so kommt.  Spätestens Frühjahr 2014 soll der nächste Weckruf durch den dichten Tann ziehen und wer bis dahin nicht die Gnade der 1, 80 Meter Tiefe erfahren hat, kann gern wieder mit dabei ein. Wollen doch mal sehen, inwieweit sie in der Lage sind, den internen Kreativpool  noch anzuheizen und woher sie dann ihre Kohlen beziehen werden. Bis dahin wird das Demo mit dem schmackigen Sound noch so manchen langen dunklen Abend überstehen müssen, bevor es an die endgültige Überzeugungsarbeit geht.   
7/10

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