Friday, September 27, 2013

EARDELETE - Devilogy - Cd / Bizarre Leprous Prod.



Ein flächendeckender Bombenteppich aus entmenschlichten Geräuschen geht um das Gorebattalion nieder. Die Einschläge rücken immer näher, sämtliche Rekruten der Blood & Pussy Kompanie ziehen ehrfurchtsvoll die Köpfe ein.  Vor den Gräben entstehen zusehends mehr Granatentrichter, die ihren schlammigen Inhalt über das Feld verteilen, deren Böden sich sofort mit Brackwasser füllen. Brackwasser bestehend aus menschlichen Exkrementen, rotem Lebenssaft und schmutzigen Gedanken.  In einem dieser Löcher ist das letzte Zirpen der Toten zu hören, die sinnlos nach der Mutter schreien. Zwischen den Reihen spazieren nackte Schlampen auf der Suche nach brauchbaren Genitalien und der Teufel zieht die Fäden in dieser Kakophonie aus Lärmterror und einem Übermaß an krankem Humor. Als alles aufhört – gleich nach Song 16 – die 666 so oft zitiert wurde, dass die Pforte in die Verderbnis bequem im Polkarhythmus durchtanzt werden kann, setzt ohrenbetäubende Stille ein. Und ich weiß nicht, was schlimmer ist?
EARDELETE sind zurück und packen den Pornopimmel wieder mal an den Eiern, überspitzen jedes Klischee mit Lust und sind doch wieder viel mehr als eine Bande Gestörter, die ihre sexuellen Triebe nicht im Leben unterbringen können. Köstlich ironisch und mit dem Mittelfinger in Richtung saubere Unterwäsche, so sehe ich die Band, die schon zu ihren NCC Zeiten gnadenlos gehackstückelt hat und dennoch keinen gewöhnlichen Goreschlamm unter den Schuhen hatte. Dank der heiteren Tschechentruppe weiß ich nun, was ein Rimjob ist, ich Trottel. Und ich weiß dass das für mich nicht in Frage kommt. Den einen Part finde ich geschmacklich nicht einwandfrei und für den andren fehlt mir die Gelenkigkeit.  Danke die Herren, nun ist mir klar wozu über 600 Schwänze gut sind, dass man sich durchaus zwischen Satan und dem Teufel entscheiden kann, dass Eric Idle für jeden Spaß zu haben ist, auch wenn er sicher nicht gefragt wurde, dass der Gehörnte auf anale Kreativität steht und sich mit Vergnügen die Rosette versilbern lässt, dass MC Donalds an Großmutters Höllenfeuer brutzeln und noch vieles mehr. Ich weiß nun auch, dass ein Abba – Remix gar nicht so albern sein muss, dass selbst eine völlig durchgepfiffene Bande von Selbsthandanlegern daraus noch was radiotaugliches macht. Auch wenn ich vermute, dass das nur ein Gefallen für den obszönen Oberextremen Curby ist, der sich seit Jahren als bekennender Abba – Fan outet.
Und mir wurde bestätigt, denn das ist nun wirklich nicht neu und immer wieder lobenswert, dass EARDELETE so bescheuert sie auch sein mögen, so sympathisch sie ihren Comedyfick auch rüberbringen, sich zwischen ihren primitiven Goreejakulaten immer wieder mehr verbirgt als der 3 Akkorde – Abgrund. Natürlich stampft das in erster Linie mal Dellen in den Tanzboden, lässt aus jeder noch so stramm aufgeblasenen Hüpfburg die Luft entweichen. Natürlich ist Eingängigkeit die oberste Maxime und alle Wünsche der Genrefans werden pronto befriedigt. Aber wir hören auch immer wieder, wie echt griffige Riffs geschrieben werden, wie gut sich geschickt platzierter Riff – Drive inmitten all des Gerülpses und Gequiekes macht. Das auch im Schmutzgenre so was wie Atmosphäre entstehen kann, die eben nicht nur mit Ledermasken und Latexschniedeln zu tun hat. Dabei ist es eben auch nicht gleich verwerflich, die Hosen mal oben zu lassen. Und es ist schön zu wissen, dass Musiker sich noch selbst auf die Schippe nehmen können, dass sie es explizit treiben können, es aber nicht gleich so plakativ aussehen lassen müssen. Das macht einfach Laune, selbst ohne nachweisbare Alltagstauglichkeit!
Mit bewusstem Verzicht, der eigenen hinlänglich bekannten Musik neue Facetten zu entlocken, ist EARDELETE wiederholt ein Album entwichen, dass ihre Anhänger nicht enttäuschen wird, dass zu neuen Tanzorgien animiert. Und eines das die meisten Metalheads außerhalb des Tschechischen Grindcore – Radars nicht die Bohne interessieren wird. Devilogy packt den Teufel am Beutel und presst ihm ein Zugeständnis ab. Wenn in Bälde der große apokalyptische Schlussakkord über das Antlitz unseres narbigen Planeten tönt, dann dürfen sie auf der Aftershowparty spielen. Dann gibt es noch mal ein deftiges Sparvergnügen mit Vorkasse.
Das einzige was ich an dem neuen Album so richtig Scheiße finde, ist das Cover, das selbst mit Kinderhand gezeichnet nicht dämlicher hätte ein können.  Alles andere passt, erfüllt Erwartungen und strebt nicht nach neuen Ufern, bedient sich in der Szene und bei sich selbst, lässt keine Aussetzer zu und hat doch noch genug Tiefe um nicht als poplige Selbstkopie auf der Ramschhalde zu landen. Was sonst sollte ich über die Musik denn erzählen. Wer EARDELETE kennt, weiß genau wo er seinen Schwanz reinsteckt und wer nicht… nun der sollte sich von Mutti Verbandsmull aus der Apotheke holen lassen und keine Angst vor bösen Überraschungen haben.   
8/10

No comments:

Post a Comment