Saturday, September 7, 2013

ECOCIDE - Eye Of Wicked Sight - Cd / selbstmutiert



Imaginäre Szene, Klischeeklappe 666:
Als der Bolzen den Schlächter von hinten traf, hielt er nur kurzzeitig prustend inne. Solche Attacken war er zu Hauf gewöhnt und konnten ihn gar nicht mehr erschüttern. Er setzte seinen Weg über eine staubige Piste irgendwo zwischen Florida und Kalifornien fort, der festen Überzeugung, allein den Olymp der langen Haare, rauschigen Bärte und der gestählten Töne zu beherrschen. Was er nicht wusste; die Spitze des Bolzens war aus Blei, das langsam sein Blut vergiftete. Und es wuchs etwas heran, nährte sich vom Schlächter und blieb auch immer verbunden mit dem Bolzen, sowie dem Dreck der Straße. So entstand nach einigen Marschjahren ein Symbiont, der ploppend aus einem der zahlreichen Geschwüre des Schlächters platzte und auf dem Mittelstreifen kreischend die Realität des Lebens erkannte. Seine Wahlheimat, die Niederlande beeinflussten seine musikalische Zielvorgabe nicht im mindesten, gaben ihm aber reichlich Raum zur Entfaltung. Und da rumort er heute selbstbewusst, nennt sich ECOCIDE und treibt mit wohl situiertem Geräuschterror ökologischen Weltenmord, oder wenigstens akustische Emission bis ans Unerträgliche. Für ungeübte Alleskonsumierer versteht sich.
Und schon klar wo es herkommt und hingeht? Oder bin ich mal wieder zu sehr im Eck? ECOCIDE sind ein junges Dreigestirn aus Oranje, dass sich ganz tapfer an eine Mixery – Version aus Bolt Thrower und Slayer heran wagt. Beeinflusst sind sie zusätzlich und deutlich von amerikanischem Death Metal der frühen 90er. Massacre wird da gern mal genannt, und da kann ich mit guten Gewissens mitgehen. Tja, und da habt ihr die Grundzutaten zu einem momentan, und hoffentlich bis in die menschliche Abenddämmerung, wiedererweckten populären Sound. Einst war der Thrash wohl das dominierende Element in der orangen Alieninvasion (auf die Lyriks bezogen – kommt gleich), heute stehen schwere Leinwände aus nicht immer wirklich markanter und runtergeschraubter Gitarrenarbeit im Licht. Heute darf der Bass seinen Anteil einfordern und der Gesang das stimmgebende Organ vor eine wahre Herausforderung stellen. Dass der Thrash aber nach wie vor eine große Rolle spielt, macht sich bezahlt, wenn ein Song wie „Terror From Beyond“ heraus kommt, der sich auf sein dominantes Riff verlassen kann und nicht an Slayer vorbeikommen will. Die Thrash Riffs sind längst nicht alle so Schlächter - betont, kommen aber allesamt gut weg.
Ein paar Schattenseiten hat der Mutant aus Holland aber doch. Manchmal klemmen die Kompositionen hinter einem zu gewöhnlichem Stahlvorhang fest, daraus entsteht dann so was wie „Beneath The Flesh“, das vordergründig zumindest viel zu banal ist, zu gewöhnlich für das engagierte Vorhaben. Gesegnet mit einem grausigen Lead kann das Stück wenig zum kleinen Plastikdiskus beitragen. Des Weiteren ist der Hauptgesang doch schnell langweilig, weil zu sonor, zu emotionslos, zu gleichförmig. Dem positiven Gesamtbild schadet es letzten Endes wenig, unterstreicht nur, dass auch an einem starken Debütalbum immer noch was verbessert werden kann.
ECOCIDE werden an diesen Makeln nicht kranken, wo sie doch außerirdischen Support haben. Ich habe selbst gesehen, wie ein Alien für ein paar Gramm Gras an die ein Selbstportrait verschacherte.  Hat sein hässliches Antlitz auf fragwürdig künstlerische Weise mit bunten Farben auf den Karton getuscht hat.
Auch das Intro stammt aus extraterrestrischer Feder, klingt nach einer verstimmten Spieluhr jenseits von Beteigeuze, die am Ende in Disharmonie zerfällt. Das ganze ECOCIDE Universum beschäftigt sich mit erdferner Bedrohung, mit dem Auge des Bösen, der Gefahr jenseits der Milchstraße oder ähnlichem Quark. Wahrscheinlich haben die selbst kleine, säureverspritzende Bastarde in der Brust, die sie antreiben, ein solch flottes und zügelloses Brett zu fahren. Hab irgendwo gelesen, dass die Band auch eine progressive Ader besitzt. Nun, die haben die Wirtsbewohner dann bestimmt längst ausgesaugt. Übrig geblieben ist größtenteils geschicktes und überzeugendes Komponieren und lautes Vortragen von Lärm aus antiken Metal – Quellen. Das reicht mir auch erst mal!
7/10

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