Thursday, September 26, 2013

EMBLAZONED - The Living Magisterium - Mcd / Deepsend Records



Wenn  Musiker von u.a. Decrepit Birth und Jungle Rot (nur die bekannteren in unseren Breitengraden) sich zusammen tun, ein unvergessliches und über die Maßen bösartiges Statement in punkto brutalen Musizierens abgeben wollen, das mit großem Tönen und Klappern auch so propagieren, dann denk ich mir; Ach du unheiliges Weißblech, jetzt gibt es aber Dellen! Von eben jenen Bands bin ich auf die eine oder andere Weise so manches gewöhnt, von technischen Finessen der blutigen Strickkultur bis hin zu primitiven Kriegstrommeln. Und beides ist wahrlich mehr als funktional. Was also ist von dem neuen Projekt EMBLAZONED  zu halten, zu erwarten, worauf wird sich der Mob im Keller einigen, können sie sich irgendwo in der Mitte treffen, oder gibt einer nach?

Das Intro verzichtet schon mal gänzlich auf Auskunft, entpuppt es sich als 90 - sekündiger Geräuschpegel mit vollkommen sinnloser Existenzbettelei. Das hätte die Band jemand anderem in die braune Papiertüte stecken können, für die eigenen Zwecke taugt so ein Überfluss an Nichts eben nichts. Dann aber rockt der Roll, und das nicht im Sinne eines ausladenden Hüftschwungs, sondern auf die finstere Art. EMBLAZONED  entpuppen sich schnell als Schwergewicht, das sich gar nicht so wirklich auf landestypischen Death Metal fokussieren will, das sofort eine schwarze Endung an alles hängt, was vornweg Basisarbeit in Sachen Death Metal ist. Auffällig ist die sehr tief gezogene Basslinie, der Sound kokettiert mit den Kumpels aus Schweden und attestiert dem Akt eine schneidige Verbindung zur alten skandinavischen Schule. Das bleibt aber über die gesamte Spielzeit eher sekundär. Zudem ist erwähnter Black Metal Anteil so groß, oder zumindest ausgewogen, dass man schnell die Wälder rauschen hört. Das liegt zum einen an den keifenden Vocals, die die tiefen und markigen Growls mehr als ergänzen, schleimiger und diabolischer klingen, als pures Kreischen. Und natürlich an der Gitarre, die in den gebremsten Parts für sinistere Stimmung sorgt, ein relativ helles Aussagebild erschafft, den Sound bewusst am schwarzen Unwesen hält. Den Gegendruck erzeugt wie schon erwähnt der Bass, dessen Brummigkeit dem Gesamtgeschehen Authentizität und Härte verleite. The Living Magisterium macht einen wenig freundlichen und extrem ernsthaften Eindruck, ist nicht wirklich kompliziert oder hochgradig anspruchsvoll gewickelt, verzichtet aber auch auf einen zu primitiven Frontalcharakter. Diese Ep ist ganz genau das was sich der Amerikaner unter blackened Death Metal vorstellt. Dazu nutzt er lediglich das was andere irgendwann mal mit Erfolg in den Genpool gekippt haben. Auch das wieder raus fischen erledigen EMBLAZONED eher mit dem groben Netz. Die Erfahrung, die sie als Musiker seit Jahren durch die Existenz schmuggelt genügt, um aus mehr oder weniger interessanten Vorgaben ihren eigenen Sud anzusetzen und damit zu überzeugen. Sicher, die ganz dicke Kelle ist dieses erste Räuspern der Akteure nicht, ob es unvergesslich bleibt, wenn nichts mehr nachfolgen sollte, darf auch gern angezweifelt werden, billig und belanglos ist aber definitiv was anderes. Humorresistenz, damit müssen sie leben, das müssen sie sich vielleicht ankreiden lassen, denn der Spaßfaktor geht bei so viel Düsternis schnell verloren. Kein dezentes Grinsen zwischen den Stakkato – Riffs, kein verschmitztes Lächeln unter den rasenden Leads, kein Quäntchen Freude unter der Marter eines etwas in Bedrängnis geratenen Drumsounds. Der hätte ruhig mehr Aufmerksamkeit verdient. Die sich gegenseitig hassenden Vocals drücken alles so ein klein wenig ins Eck.  Aber Musik, die mit nordischem Black Metal ein Stelldichein sucht, ohne sich ganz ergeben zu wollen, ist eben nicht lustig. Da ringen dann Blasphemie und Finsterforst gegen brutales Knüppeln und geschickte Arrangements. Welche im Black Metal zumeist hinter blank polierten Schwertern und bleichen Fratzen, dem Image eben, zurück stehen. Unterm Strich denke ich, ist EMBLAZONED die Symbiose ganz gut gelungen, sie geben so viel von ihren Wurzeln her, dass sie dem schwarzen Geseire Glaubwürdigkeit verleihen, aber noch lange nicht genug, um sich ihrer eigenen Intention, dem Death Metal,  nicht mehr bewusst zu sein. Wie viel davon Kompromiss und wie viel wahre Überzeugung ist, lässt sich nach nur 4 Songs noch nicht sagen. Diese aber geben vielleicht schon mal einen Vorgeschmack auf das was die Band noch vorhaben könnte. Dann erwartet euch irgendwann Musik, die relativ variabel sein wird, vom technischen Standpunkt keine Sorgen macht, vielleicht nie der große Überraschungsfänger sein wird, mit Souveränität aber allzeit das Nackenfell strapaziert. Mal sehen was hinterm Horizont dereinst drin sein wird, vorerst humpelt der Gehörnte noch. 
6/10

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