Tuesday, September 24, 2013

INCARCERATION - Sacrifice - Tape/7 Ep - FDA / Dawnbreed Records



Denke ich an Dinge, die mich auf unterhaltsame Weise gegruselt haben, dann liegen die in der Vergangenheit. Die besten Geschichten waren immer die in schwarz/weiß, die mit den meisten Spinnenweben, den dicksten Nebeln über britischen Mooren und dem schrecklichsten Hundegeheul der Hammer – Unterhaltungsfront. Der Wert solcher Werke lag in der Vermeidung explizierter Reizüberflutung, der gewollten, oder aber aufgrund des Budgets nicht machbaren Auslassung von exzessiven Darstellungen von Ficken und Köppe absäbeln. Das war eine Gentlemen – Welt. Somit war die Fantasie gefordert, deren Ergebnisse meist grausamer ausuferten als es ein Maskenbildner jemals in Gips und Latex hätte gießen können. Liegt also die wahre Kunst der Unterhaltung, wenn es denn die der düsteren Stimmung, der Gänsepelze und kreischenden Jungfrauen sein muss, wirklich allein in den nostalgischen Storys aus der farblosen Ära? Oder ist es gerade das Fehlen bunter Überzeichnung, das Monstergeschichten und Spukhäuser so anziehend macht, auch noch nach Jahren? Ich für meinen Teil ziehe mir immer gern die alten Klamotten aus dem Regal, schmeiße die Deckenlampe mit meinem Schlappen aus und freue mich über unkolorierten Horror.
Selbiges und noch viel mehr trifft auf die Musik zu. Wenn es denn mal einen Grund gibt, die alten Originalpressungen aus ihren Schubern zu befreien, dann doch nur, um in Nostalgie und der eigenen, verwelkten Jugend zu baden. Und in dem Wissen natürlich, von Anfang an dabei gewesen zu sein, auch wenn eine Mauer dazwischen stand. Umso mehr  freut es mich, dass der Trend, die alten Klänge wieder aufzugreifen immer noch anhält. Wenn Musiker immer noch wissen, wie die Geburtsstunde des Knüppels, der Harmonieabstinenz und der Bleibeschwerung klang, dann habe ich Grund, das nicht immer gebührend geschonte Vinyl der Death Metal Erstbesteigungen noch einige Zeit in Ruhe zu lassen. INCARCERATION ist so eine Band, eine die in gewisser Weise von der Globalisierung profitiert, eben davon, dass heute alles schneller geht, aber mit viel Engagement auch dagegen steuert. Jedenfalls klingen die ersten 3 Stücke, die mir bis dato vor die Fleischflinte gekommen sind, sehr authentisch nach der Art Death Metal, die seit gefühlten Äonen in meinen Regalen schlummert. Death Metal der wenig mit Technik zu tun hat, der sich durchprügelt als wäre die Schlacht noch jung, der schartig und damit authentisch produziert ist. Das Trio besorgt es uns sehr flott, fiedelt zwischen den schrammligen Riffs klassische Solis ein, die noch nicht so flüssig klingen, wie sie vielleicht wollen. Sie wetzen schweißtreibend die Messer, erinnern mich an ein Sägewerk, in dem Späne nach Akkord gemacht werden, in dem Splitter fliegen und Blut den Boden bedeckt, weil nicht alles rund läuft und immer mal ein Finger ins Sägeblatt rutscht. Und das darf auch sein! Der Gesang hat einen coolen Hall, wie es damals einige schwedische Bands hinbekommen haben. Und die Musik selbst? Die trifft sich an einer Schnittstelle aus brasilianischer Regenwaldabholzung und europäischer Sumpflandschaft von Holland, über Deutschland bis in diverse skandinavische Reservate. Alles im glaubwürdigen Stil der ausgehenden 80er und frühen 90er. Das mit dem brasilianischen Einschlag hat die heute in Hamburg stationierte Band ihrem Gründer und Mainman Daniel (Duracell) Silva zu verdanken, der INCARCERATION in seiner alten Heimat aus einem alten Specksteinaltar geschnitzt hat. Das Aufstocken zu einer echten Band, das Verlagern seiner Präsenz ins kühle Nordeutschland wird sich nun als Vorteil heraus stellen, da Musik mit so viel Pfeffer unter der Vorhaut auf die Bühne gehört und kein tristes Eingekerkert sein im feuchten Keller fristen darf. Und das mit dem Spitznamen bezüglich des trommelschlagenden Batteriehasen ist auch nicht aus der Luft gegriffen. Ob der sich den nun selbst auf das Revers geklebt hat, oder irgendjemand den Unwillen zu musikalischem Stillstand in ein prägnantes Wort gefasst hat, weiß ich natürlich nicht. Die 3 Stücke jedenfalls haben genug Energie, den Spirit der totmetallischen Steinzeit über die letzten 25 Jahre zu kicken, als wäre das nur ein entspannten Badminton – Turnier mit Pina Colada an der Strandbar. INCARCERATION fetzt, hätte ich in den 80ern gesagt, weil die wie die Derwische um die Kante wetzen, weil da ständig alles in Bewegung ist, weil die Produktion genau so scheppert, wie ich es gewohnt war, weil die mir nicht nur was zurück bringen, sondern sich selbst beweisen, dass Qualität, unsterblich ist. Und ich spreche nicht davon, dass jemand dafür der fetteste Virtuose vor dem Ziegenfuß sein muss, nein ich will nur hören, dass eine Band das spielt, was sie auch zu vertreten bereit ist, dass es sich nicht um Trends dreht sondern um die persönliche Attitüde. Im Falle INCARCERATION bin ich davon überzeugt. Deshalb lege ich jetzt die geschwollenen Füße hoch und lass mir die 3 Stücke intravenös in Dauerapplikation durch mein Gemüt tropfen. Zu erschleichen gibt es davon 2 Versionen in eng begrenzter Stückzahl, auf Vinyl und das klassische Magnetband für den Walkman. Haltet euch ran, wenn ihr wisst was gesund für euch ist!  
8/10

No comments:

Post a Comment