Thursday, September 19, 2013

MASADA - Hideous Rot - Ep / Deathgasm Records



Masada, die alte Trutzburg der 12 Stämme, die sich den Invasoren aus dem letzten mediterraneren Weltreich entgegen stemmte, endete für ihre Einwohner bekanntlich in einem suizidalen Massenereignis. Dem Römer muss das vorgekommen sein wie die testamentarische Hölle, hätten sie seinerzeit dem religiösen Verlauf der eigenen Geschichte vorgreifen können.  Masada steht seitdem jedenfalls für unbeugsamen Freiheitswillen. Nach eben jener Burg haben sich vermutlich die Amerikaner MASADA benannt und untermalen die Ereignisse aus der Antike mit einer technischen Kakophonie. Hätten die Juden dereinst über die Vorteile eines elektrischen Verstärkers verfügt, der beinfreie Römer hätte sich in sein Kettenhemd gepisst. Oder hinein in was auch immer gerade über die Laufstege von Britannien bis Ägypten flanierte. Leider wurde das passende Gerät erst von Einstein Junior auf Tasmanien entwickelt. Somit stehen mal wieder die Amerikaner in der Verantwortung, an Geschichte zu erinnern und sich eigennützig zum Untertan zu machen. Damals, als alle noch in Sandalen zum Bergsteigen gingen, hielt der Amerikaner sich noch zurück, da er von seinem eigenen, riesigen Land gar nicht wusste, er überließ die Rettung der Welt dem Perser, dem Griechen und schließlich dem Römer. Aufgepasst hat er und später auch die Demokratie über die unterdrückten Völkerscharen der Welt gekippt … behauptet er. 
Aber zurück zu MASADA, die mit ihrer ersten Ep lauthals von den Zinnen einer im Staub der Zeit berühmt gewordenen Festung brüllen. Zwar schallen sie sehr rustikal, was den Sound betrifft, vielleicht hat auch jemand während der Aufnahmen das Mikro  in einer Fastfoodtüte versteckt und im Frittenfett ersäuft, musikalisch aber hat das schon was zu bieten. Dafür muss man aber zwingend frühmetallische, amerikanische Progressivität im Death Metal mögen. Am ehesten erinnert mich die Band an Sachen von Atheist oder Cynic. Nun noch nicht auf deren fingerverknotendem Niveau, aber der Pfeil flitzt in dieser Richtung von der Sehne. Latent Sadus scheint auch zu erkennen, gleichwohl das mit dem Thrash eher als Vermutung im Eck steht, denn als hörbare Tatsache vordergründige Absichten hegt. Den akustisch klarsten Moment hat die Band auf einem sehr seltsam anmutenden Zwischenspiel. Das nennt sich Fluteotherapy, lässt im Namen vielleicht vermuten, worum es sich drehen könnte und klingt am Ende als hätte Ian Anderson auf seiner Querpfeife einen Dauerorgasmus. Hinter den Sinn dieser Spielerei, des Dauergestönes und der Flötenhetzerei steige ich nicht. Hinter das was im eigentlichen Sinne Metal ist schon. Glaube ich zu mindestens. Die hohen Seiten werden vorrangig gefordert. Das in einem angestrebt gesunden harmonischen Verständnis in Bezug auf das Songwriting. Bei den Drums könnte man dem Irrglauben verfallen, die werden partiell rückwärts abgespielt, was aber vermutlich entweder an skurrilen Effekten liegt, oder aber am wenig befriedigenden Endmix. Dafür hat der Bass die hellsten Momente im gesamten Bandkonzept, der darf solo knattern und sich voller Stolz zeigen, darf ein Eigenleben führen und als Begleiter auf die tonale Rückendeckung scheißen. Genau so wie es sich für 90er Prog – Tot gehört. Vermutetes Konzept ist nun aber nicht immer so klar strukturiert, neben der angekratzten Harmoniebedürftigkeit ankert auch das Gegenteil, und das eröffnet der eingangs erwähnten Kakophonie Tür und Tor. Die Musik supportet quasi das Chaos der Geschichte. Es donnert laut tönend und häufig weniger feinsinnig als gut gewesen wäre gegen Stein und Knochen, verspritzt Blut und Hirn, hinterlässt rohes Durcheinander und blankes Entsetzen. Aber auch Erstaunen und Anerkennung sind Endprodukte dieses sehr kurzen Einstieges in die Szene. Für wahre Fans von Death bis weiß ich wem, liegt die Produktion mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit viel zu schrill und scheppernd in den gemarterten Ohren, die Effekte an den Drums, aber auch auf dem Gesang wirken viel mehr willkürlich als gewollt und die hohe Kunst der alten Recken steckt bei MASADA auch noch in den ausgelatschten Schuhen verwirrter Kinder. Dass die 4 Stück trotzdem Unterhaltungswert haben und Potential für zukünftige Allmachtsfeldzüge freilegen, steht für mich und meine heutigen Kritikpunkte außer Frage, Eine Band die sich nicht mit dem Gewöhnlichen abgibt, nicht zu jeder Bedingung eingängig sein will, hat meinen vollen Respekt verdient. Deshalb lässt sich Hideous Rot  nach kurzer Anfangsstotterei gut verklappen, mag es noch so labil produziert sein, oder mit der heißen Nadel gestrickt erscheinen. Daraus entwickelt sich vielleicht doch mal eine progressive Death Metal Geschichte die verstanden hat, wohin die Typen aus den 90ern wollten und nicht am ewigen Jugendwahn moderner Karohemden – Metaller klebt. Also erwartet erst mal nicht zu viel…bis auf Authentizität.
7/10

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