Wednesday, September 4, 2013

MASTER - The Witchhunt - Cd / FDA Rekotz



Paule heißt er, ist der B…., nee so kann ich das nicht anfangen. Oder vielleicht doch…? Schließlich gibt es nur einen Meister, wenn es um die Sache geht. Gut, kann man sich streiten, wer denn nun den Death Metal erfunden hat, aber spielt das überhaupt noch eine Rolle? Fest steht, dass Speckmann gaaaanz nah an der Wiege der Szene stand, das rosige Plärren des Rackers und den matschigen Mutterkuchen mit eigenen Augen gesehen haben muss. Er hat bereits rüde und wenig harmoniebedürftige Musik gemacht hat, als die meisten von euch noch mit Schaufel und Plasteeimer über die eigene Kleckerburg gestolpert seid. Die Geschichte von MASTER hat einen verdammt langen Bart…in zweierlei Hinsicht. Die eine unterliegt der persönlichen Ästhetik, die andere ist kritikfrei positiv gemeint. Dass Speckmann nach diversen Berg und Talfahrten seinen Verstand immer noch auf Bodenhaftung hält, und scheinbar ganz genau weiß wo er hingehört und wo er herkommt, macht den Gandalf des Totmetall irgendwie auch glaubwürdig und sympathisch, selbst wenn er in der Öffentlichkeit nicht lachen kann. Sieht immer so grimmig und ernst aus der Junge, ist eben alte Schule. Mit einzigartiger Beständigkeit macht er diesen Herbst nun das Dutzend voll. Zusammen mit seinen tschechischen Kumpels hat er 11 neue Stücke produziert, die gar nicht groß beworben werden müssen. Denn wo MASTER draufsteht… . Für musikalische Überraschungen ist er nun mal nicht gut, aber die nicht eben kleine Fanschaar kann sich auf ihren Paule verlassen. MASTER erkennt man immer. Das liegt zum einen am dicken Midtemposound, der traditionellen Master-Death Metal transportiert wie nichts sonst. Dann wäre da die Stimme; klingt immer noch nach gequetschtem Kehlkopf, erst aus voller Brust und dann nach hinten raus mit verschwommenem Buchstabensalat irgendwie leidend. Herrlich! Und zu guter letzt erkennt man´s auch an den Lyriks! Für die es sich schon immer lohnte, etwas Zeit einzuplanen, weil sie sonst so schwer akustisch andocken. Denn wenn ein Amerikaner und Europaasylant jemals patriotisch war, dann ist das hier aufs Genauste nachzulesen. Und das nicht in plakativer Bekloppte rasseln mit den Ketten Attitüde, sondern auf weltoffene, unglaublich vernünftige und systemkritische Weise. Speckmann rennt gern unsensibel viele seiner waffenschwingenden Landsmänner und Weltenretter über den Haufen, sagt was er denkt und hat die gesündeste Weltanschauung, die ich aus der Metalszene kenne. Musik wie Texte haben im Universum MASTER gleiche Priorität, müssen sich gegenseitig stützen und lassen keinen Platz für halbgare Albernheiten. Speckmann und Kumpels nehmen ihren MASTER absolut ernst.
Beweisen muss die Truppe das nun sicher nicht mehr, hörbar aber bleibt es immer, so wie auch heute, wenn uns reichlich riffstarke und markante Stücke ein weiteres mal vor den Latz geknallt werden, als hätten wir nichts anderes verdient. Jeder Saitenzupfer bohrt sich in den Verstand, um dort parasitär Eier zu legen und zu jungen, einschleichende Behäbigkeit aufzulösen, Beschaulichkeit und Bequemlichkeit auszumerzen. Die Musik klingt dabei wie zu erwarten trockener als eine zerbombte Wüstenoase, härter als Viagra irgendwas stählen könnte. Und wenn Speckmann seinen Bass unerbittlich bearbeitet, seine Statements sprichwörtlich ins Mikro röchelt, dass die Onkologen schon Schlange stehen, um seinen Kehlkopf zu begutachten, dann sind Zdenek und Ales dabei, dem ganzen Unterfangen eine Basis zu geben, aus dem verbalen Attacken und brummelnden Katzendärmen unnachahmlichen Death Metal zu machen. Dann reißen Drums ganze Wände ein und die Gitarre schrubbt im Wechsel fleischiges zu Spänen oder hetzt durch klassische Solis mit und ohne Melodieverzicht, kurz und knackig, ohne sich in Selbstüberschätzung die Finger zu verrenken. Ohnehin habe ich immer das Gefühl, dass ein MASTER Song nur das Nötigste enthält, und nicht aus Eigennutz ausgeschmückt wird. MASTER marschieren einfach durch, auch dieses mal. Speckmann macht den amerikanischen Traum zum Alptraum, oder besser gesagt, er zeigt auf, dass dem so ist. Und wie ließen sich Nachtmare besser intonieren, als mit Musik die an Brutalität und Wahrheit keinen Schritt zurück weicht. Mit Death Metal der unverfälscht das darstellt, was er ursprünglich sein wollte – Aufbegehren gegen eingefahrene, kommerzielle Gier, gegen verlogene Beteuerungen, gegen verschnarchte Konventionen. MASTER zelebrieren das laut und verständlich auch anno 2013, ohne dass es aufgesetzt oder albern rüber kommen würde. The Witchhunt ist rohe Basisarbeit und Death Metal mit unnachahmlicher Überzeugungskraft! Ihr wollt ansprechende Kurzweil mit dem Vorschlaghammer? Dann beugt eure Häupter ihr Wichte!   
9/10

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