Monday, September 2, 2013

PENTAGRAM Chile - The Malefice - Cd / Cyclone Empire



Es ist schon erstaunlich, was andere so aus der Mottenkiste holen. abgelegtes, vergilbtes, vergessenes und nostalgisches. Da gibt es verstaubte Kleinkunst und erschlagenen Scheißdreck, es kullern Perlen hervor, meist aber nur verrotteter Unrat.
Und bei den Chilenen von PENTAGRAM war ich mir gar nicht so sicher, welchen Zettel die am Zeh tragen. Sollen ja Kult gewesen sein, damals in den 80ern mit ihren paar Demos. An mir ging das vorbei wie die Wachablösung unter Den Linden, weil ich meine Jugend dem Sozialismus gewidmet habe und nichts mit der Dekadenz aus dem Staate Pinochet zu tun haben wollte … oder so was in der Art.
Geschafft hat das Trio (das heute nicht mehr in Originalbesetzung spielt, weil der Drummer Probleme mit den artistischen Knochen oder nachlassender Koordinationsfähigkeit hat, vielleicht auch einfach dem Teufel nicht mehr den runzligen Arsch lecken will) es einst nie. Kein Schwanz auf dem ganzen blöden Erdenrund wollte deren angeblichen Kult unter Vertrag nehmen und da haben sie ihren Kram einfach in die Tonne gekippt. Den einen oder anderen Anlauf gab es mit der Zeit noch, allein das Durchhaltevermögen nahm proportional umgekehrte mit dem voranschreitenden Alter der Andenspechte ab. Na und nun, ein gefühltes Menschenleben später machen sie sich doch tatsächlich wieder auf, um ihre Midlife – Crisis zu pflegen.  Macht das Sinn? Uns mit ihren Problemen vom älter werden zu belasten, haben wir damit nicht alle selbst genug zu schaffen? Was kann uns denn eine Band bieten, die selbst den Arsch nie wirklich an die Luft bekommen haben, was will sie uns erzählen außer traurige Geschichten vom Versagen und nervigem Selbstmitleid. Und wie fies ist das überhaupt, wenn später Bands, die mit ihrem Krach gutes Geld verdienen, PENTAGRAM als eine Inspirationsquelle angeben, die aber selbst in die Röhre gucken müssen! Was soll uns eine so beschissene Geschichte lehren?
Um es kurz zu fassen; einfach alles! Zweifel mag angebracht sein, ist aber in keiner Weise berechtigt. Die fixen ollen Säcke finden nur und seltsamerweise heute mehr Gehör, als in der Steinzeitepoche des Extrem – Metal. Musikalisch passen sie da rein wie verhärtete Kadaveranhängsel in feuchte Dunkelheit. So als wäre es nicht nötig, irgendeine kreative Lücke zu schließen, musizieren sie ganz authentisch im Bodensatz einer viel zu großen Szene. Und sie bringen es auf den Punkt, denn sie interpretieren ihr eigenes Erleben der Zeit, als die Schubladen in der metallischen Rumpelkammer noch überschaubar waren, karikieren so, wohl eher unbewusst, die mannigfaltigen Stilblüten und vor allem das verknöcherte Konkurrenzdenken gepaart mit der Intoleranz einer einst einigen Szene.  Und wie kriegen sie das nun hin? Indem sie nahezu ein viertel Jahrhundert ausblenden, uns mit teutonischem Thrash bepflastern, wie einst die doofen Punks die Bullerei zu den Chaostagen. Dazu vernehmt ihr die ersten Ansätze amerikanischen Death Metals, als die neue Musik sich noch vorsichtig im kleinen Kreis präsentierte. Zu Unterstützung ihrer scheinbar wirklich ernsten Absichten, haben sie sich Leute ins Boot geladen, die ebenfalls was zu sagen hatten. Damals wie auch heute, immer noch oder schon wieder. Schmier bratzt ins Mikro bei „Spontaneous Combustion“ und jeder wird glauben, das ist ein originaler Destruction Song. Mark Grewe ist dabei, bleibt aber bei „La Fiura“ eher unauffällig, zumindest nicht sonderlich prägnant. Und dann gibt es da noch „Tompa“ Lindberg, der sein Organ in „Sacrophobia“ quetscht, es aber irgendwie klingt, als wäre es lose mit der heißem Nadel angestrickt worden.
Davon abgesehen überzeugen PENTAGEAM auf ganzer Linie, packen einen Haufen Songs aus, die älter als die Erfindung des Bartes sein könnten und doch erfreulich frisch und scharf debütieren. Mit einer mehr als nur gelungenen Mixtur aus deutscher Thrash Metal Historie, alten Sepultura, Schulterschluss mit Possessed und einem Hauch an langsam verrottendem Floridafeeling leisten die Chilenen ganze Arbeit. Warum nur lief es einst so gar nicht und heute steht vergleichbares Material im Scheinwerferlicht und alles überschlägt sich mit Recht vor Begeisterung? Rätselhafter Planet! Aber wie heißt es immer; Geschichte wird von Siegern geschrieben. Nun vielleicht trifft das hier ausnahmsweise mal nicht zu. 
8/10

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