Tuesday, September 3, 2013

PURIFY THE HORROR - Namen vergessen - hoppla - Ep / Sociopathic Sound Recordings / Dissected Records



Das Grindschwein, jenes wenig possierliche Fleischpaket, hat sich verstohlen und von hinten in die Szene geschlichen, bis es zu einer Kunstform wurde, der nur ernsthafte Musiker noch Wiederstand leisten. Zuerst war da noch der Schweinezerstörer, der mit viel Anspruch auf sich aufmerksam machte. Dann aber gab es nur noch die Partylaune, die mit Spaß und verbaler Sauerei wenig Überzeugungsarbeit leisten musste, um ein breites Grinsen die geneigte Gemeinde der Gore und Spaltter Hackfressen zu zaubern. Plötzlich war das Grindschwein überall von massiver Präsenz, ob bunt kostümiert mit zornig rosa Antlitz, ob als Covermotiv von sexuell unausgeglichenen Künstlern oder als Geräuschkulisse hinter oder vor saftigen Gitarren, die zudem noch mit mindestens 9 Metern Eigendarm bespannt sind. Es bekam seinen eigenen  nicht lizensierte Pigscream Verbalkunst Eintrag im großen Buch für unmöglich gehaltene Gesangesentgleisungen. Und es war wider alle Erwartung intelligenter als das profane Hausschwein, dessen äußerliche Kopie nur Staffage für unglaublich anspruchsvolle Lyrik ist. So der Aberglaube. Letztendlich profitiert die fleischige Steckdose nur von ihrem Unterhaltungswert, und der darf tatsächlich nicht unterbewertet werden.
So geschieht es, dass es immer noch neue Ableger gibt, die ihre Anonymität hinter der Maske des grunzenden Fleischlieferanten Numero Uno verstecken. Kürzlich entdeckte man zum Beispiel im Mittelbritischen wieder einen Neuzögling. Dieser versprüht den Charme seiner Insel auf ebenso rüde Weise wie das Klischee des Fußballassis mit Faust, Knüppel und Spaß am Blutvergießen. Wenn man in unseren Breiten dem Vereinsleben mit Doppelkopf und Fassbier frönt, gibt es dort ganz ungepflegt auf die Fresse und keiner beschwert sich. Auf ebenjener Niveauschiene bewegen sich PURIFY OF HORROR, die sich tatsächlich hinter ihren Schweinerein verstecken, bzw., ihre Identitäten nicht preisgeben wollen, weil sie Angst vorm Abdecker haben.
Nun vielleicht kann ich sie beruhigen, denn die Angst kann ihnen genommen werden. Der Notschlachter haut sich die Axt lieber selbst vor den Brägen, bevor er sich an das Trio heran wagen würde. Denn deren Musik ist so ungezügelt brutal und ungeschliffen, so ungepflegt holprig und selbstironisch und vor allem so zynisch und mit landestypischem Humor übersät, dass das nur Inselaffen respektive Schweine hinbekommen. Davor hat auch der fettwanstigste Schlachter Respekt! Bis sie aus ihrer Ecke irgendwann heraus kommen, pflegen Sergeant Squeal, Bear – Pig und Lord – Pig ihren Status als unbekannte Anstifter zu debiler Sauerei und schweinischen Gelagen aber noch ein Weilchen. Mit der ganz groben Keule zimmern sie wenig schöngeistigen Grindcore auf die Kalotte, erschrecken mit ihren stimmlichen Ausbrüchen ganze Kommunen friedlicher Kleintierzüchter. Vorrangig müssen sie Gas geben und ins Mikro geifern, wüst durcheinander rattern und nur ganz dezent dem Groove ins Steuer greifen. Das angenehm primitive Gemeuchel versaut Liebhabern modernerer und intelligenterer Varianten des Genres gehörig den Geschmack. Denn bei PURIFY OF HORROR reichen kurze und prägnante Stücke, die ihre Wurzeln wohl wirklich in der eigenen Szene haben und vom Napalmtod bis hin zu Gorerotted reichen. Jenen übrigens stehen sie musikalisch nicht unwesentlich nahe. Und auch die intellektuelle Absicht hinter der Unternehmung Schweinewalküre ist vergleichbar; hinter der Fassade von dreckigen Schweinen die Grindrevolution vom Zaun zu brechen! Gut Gorerotted brauchten keine Masken, aber ihre Benehmen machte die auch glatt überflüssig.
Ziel ist nach Eigenbekundung ein ultimatives Konglomerat aus Brutalität und Chaos in Form dieser Ep über uns zu bringen, gegen das es kein Gegen mittel gibt. Wie wäre es mit Strom abschalten?, schon mal so weit gedacht? Davon mal abgesehen … ich muss gestehen es funktioniert, das musikalische Desaster ist sehr glaubwürdig und macht neben immensen Kopfschmerzen auch Freude. Dafür muss man natürlich schon etwas derangiert durch den Alltag stolpern, aber das klappt, selbst wenn der Debüthorror namenlos bleibt! Geht mal hier schnüffeln:

7/10

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