Thursday, September 5, 2013

SCORDATURA - Torment Of The Weak - Cd / Blasthead Records



SCORDATURA zermahlen mir gerade die Einrichtung! Indessen sitze ich mit Audrey Hepburn und Tippi Hedren beim Frühstück. Audrey lächelt auf ihre unnachahmliche Weise, die es unmöglich macht, ihrer grazilen Reize nicht zu verfallen. Schon am Morgen trägt sie ihr so berühmtes kleines Schwarzes und nuckelt genüsslich an ihrer Zigarette. Ihre unschuldigen Rehäuglein zeigen keine Reaktion auf das Geballer um uns herum, sie bleibt einfach nur cool, so wie sie das bei Tiffany´s   gelernt hat. Tippi hingegen steckt das nicht so leicht weg. Die Hände zum Kopf erhoben, als wollte sie gerade eine garstige Möwe vertreiben, die von oben durch ihr Schädeldach will, zeigt sie all ihren Unmut. Den Mund zum Schrei weit offen, die Augen zugepresst sieht man ihr all die Panik und die Angst an, die diese Musik zu dieser Stunde in ihr ausgelöst haben muss. Audrey scheint mir stumm sagen zu wollen; Ich helf dir nachher aufräumen, wenn ich hinterher mein kleines Schwarzes in deiner Waschmaschine waschen darf.  Und wie sie das darf! Sanft steigt ein dünner Rauchfaden von ihrer Zigarette, die an der Spitze eines überdimensionalen Mundstücks thront, an die Zimmerdecke. Tippi schreit mit erhobener Stimme herüber; Bist du noch ganz bei Trost? Der Typ ist doch nicht mehr beisammen, wenn so was bei dem schon morgens läuft, was denkst du was der tagsüber macht? 
Klar der hackt Babys in die Bowle und hat seine eigene Jungfrauensammlung im Kartoffelkeller, singt „Goodby Horses“  mit eingeklemmtem Schwanz! Frauen und ihre Fantasien, vielleicht solltest du auch putzen kommen, dann wirst du schon sehen! 

Tippi ist immer noch unbeeindruckt; Wir sind Schauspielerinnen, da überleben wir den Terror doch berufsmäßig, denk nur als ich gewartet habe,bis es dunkel ist

Kann sein, aber dieser Terror ist echt, das was da aus dieser vibrierenden Musikanlage freigelassen wird, treibt mir das Blut aus dem Kopf, das verursacht Schmerzen, lässt an geistiger Gesundheit zweifeln! Das mach ich nicht mit, frühstückt allein weiter, ich krieg nichts mehr runter

Sagt sie und zieht sich zurück, die Hände weiter erhoben, den Mund offen, die Augen geschlossen.
Audrey sieht gelassen und verträumt zu mir herüber? Spürt sie, dass ihre blonde Kollegin Recht hat? So ganz ohne sind Tippis´ Bedenken nicht. Schon der Beginn  der Scheibe prognostiziert nichts Stubenreines. Wieder einmal muss ein Kerl mit subjektiver Konfusion und erhobener Stimme sein Leben an irgendetwas Benzinbetriebenes hergeben. Und dann schüttelt es den Frühstückstisch durcheinander, dass die Marmelade in der Schüssel mit dem Hausgeschlachteten landet. Ein immenser Druck schiebt mich tief in die Lehne meines Stuhles und in der Kaffeetasse entsteht ein Minitsunami. Nichts geht ohne diese frontale Gewalteinwirkung, es kracht bis unter die den Dachfirst und ist dabei doch so klar strukturiert. Wenn jede Band ihren brutalen Death Metal so ernst nehmen würde, wäre die Sache mit der Klimaerwärmung noch eines unserer geringsten Probleme. Ganz im Stile der 90er, als der Amerikaner sich diese Variante des Death Metal einfallen ließ, schippert das Debütalbum von SCORDATURA durch die Welt. Problemlos an die großen Vorbilder DyingFetus, Skinless und Deeds Of Flesh anknüpfend, überzeugt mich der Kopfschmerzbeat bis fast ins letzte Detail. Die Fußmaschine nadelt nach Präzisionsmaßstäben und ist zudem noch hammergleich produziert. Die Saitenfront reißt groovig und schwartig an ihren Instrumenten, Obertöne pfeifen ein Lied ohne Bedauern, alles passt ins Bild. Zwei stimmlich gewaltbereite Marktschreier verkünden ihr Anliegen ohne Bemühen um allgemeines Verständnis, peitschen sich gegenseitig mit differenten Tonlagen zu Höchstleistungen. Geschwindigkeit am Limit ist nahezu durchweg von Vorteil, aber lange keine Pflicht. Das Gesamtpaket funktioniert auch noch, wenn man es in seine Bestandteile zerlegt. Dass die Protagonisten keine Amerikaner, sondern Schotten sind, wissen sie musikalisch perfekt zu übertünchen. Hier handelt es sich tatsächlich um fühlbaren Terror, auf wenig subtile, dennoch künstlerische Weise. Aber im Gegensatz zu Tippi lässt mich das ganz entspannt mein Brötchen knuspern. Bei SCORDATURA scheint der Rausch das Ziel zu sein und in den haben sie mich gerade versetzt. Torment Of The Weak scheint mir eines der reifsten Alben der Kleinholzszene zu sein, dass dieses Jahr in die Öffentlichkeit drängt. 

Und die beiden Damen, meine ausgewählte allmorgendliche Frühstücksgesellschaft? – eiskalt bewahrt die eine weiter die Fassung, während die andere die ihre immerwährend verliert. Hängen beide wieder an der Wand, eingefroren in ihrer Welt. Weiber!
9/10

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