Tuesday, September 10, 2013

THE MEATFÜCKERS - Gangbang From Hell - Cd / Asenath Records



Intellektueller Leerstand macht sich breit, drunten im Mexikanischen. Raubbau am Kommerzprodukt Heavy Mörtel ist das Ergebnis pornografisch fixierten Schlächterwahns. Die ganzen liebreizenden Gorespacken haben in Mexiko ihr eigenes Mekka erschaffen. Ziehen sich einfach die Maske über den Aztekenschädel, treten in den Ring und vermöbeln, zumindest grummelnd und kreischend mit verbaler Verantwortungslosigkeit, unschuldige Jungfrauen, weil sie es eh nicht anders wollen, und beugen sich wohl auch sonst gern weiter aus dem Fenster, als üblicherweise für gesund betrachtet wird. Am Sonntag danach geht´s dann mit der Mutti wieder zur heiligen Messe. Das kann als Gesamtpaket durchaus Unterhaltungswert haben, wer musikalisch übel auf die Ohren vertragen kann und ideologisch flexibel ist, dem stehen in der Pornohölle von Mexiko alle Kokainschuppen offen! Und wenn wir von Gore und Porn hören, im Grunde ist die Herkunft piepegal, dann denken wir an Gut und Dildos an den Ohren, an Tschechien mit seinen obszönen Extremen, an Boratbadespandex und durchgepfiffene Clownerie vor diversen Bühnen. Dann ist das jedesmal ein Heidenspaß, der wertungsfrei und vor allem folgenfrei bleiben muss, wenn Montags wieder der Alltag zuschlägt. Es sind Happenings unter Gleichgesinnten, sexuell möglicherweise derangierten oder zu kurz geratenen Wahnsinnigen, die dicksten Spaßbollen für ausgelassenen Unsinn und brutales Hüpftheater. Das macht Laune und kann schrammeln, bis der Vorhang fällt, je ausgefallener umso besser.
Aber wohl nur die wenigsten rechnen bei einem Namen wie THE MEATFÜCKERS und einem Albumtitel wie „Gangbang From Hell“, der an plakativer Streuung kaum zu schlagen ist, mit verwanztem Black Metal. Das Fetischkommando streift sich auch die ledernen Kleinteile über die Vorderfront, nennen ihrer Releases in einem Wahn von Einfallsreichtum „Porn To Be Wild“ oder eben „Gangbang…“, geben ihren Fantasien über vom Satan besessene Schlampen, Mietfrauen und anderen Dingen, die ich hier aus Gründen der geschmacklichen Hygiene nicht preisgeben will, viel Raum. Die lassen ihren Müll einfach laufen, besser gesagt kippen sie ihn ohne Scheu in den Äther. Stopfen ihre intelligenzresistenten Eruptionen in einen Mantel aus Old School Black / Thrash, der als europäischer Pedant zu diversen Bemalten durchgehen könnte. Rein musikalisch ist die Potenzgranate vielleicht nicht mal ganz so schlimm, wie der lyrische Anteil an diesem fragwürdigen Unterfangen, der Spaßfaktor wird jedoch mächtig ausgebremst. Wenn der Teufel aus der Hölle bricht, um sich junges Fleisch vor den Dorn zu nageln, dann hat das einen recht fiesen und künstliche ernsthaften Anstrich, dann ist kein Platz mehr für vergnüglich lächelndes Publikum, dann muss zornig nach außen gestrahlt werden wie ein überfluteter Reaktor irgendwo am anderen Ende der Welt. Dann kommt die Absicht, mit Latex und Leder auf verzweifelte Brautwerbung zu gehen, in ernsthafte Schieflage, da  die Zukünftige nicht mehr mit einem ordentlichen sexuellen Techtelmechtel rechnen kann, sondern davon ausgehen muss, auf einem schattigen Altar zu landen, und jemand bindet ihr einen stinkenden Ziegenbock auf den Bauch. Das Intro zur Scheibe sagt diesbezüglich schon alles „Dead By Cumshot“. Zum einen unüberlegt bei einem Klassiker entliehen, zum anderen; wenn der Bock abspritzt, geht das nicht mehr als Versehen durch die Versicherung. Es gibt eben musikalische Momente, wo es nicht genügt, textlich auf Pseudoprovokation zu setzen und musikalisch das Genre einfach nur bedienen zu wollen. Wenn es zu oberflächlich wird, die Mucke so lala am Ereignishorizont um Aufmerksamkeit bettelt, der Sound dem einer unrund laufenden Waschstraße ähnelt, dann fällt auch mal weniger Zuneigung hinten vom Laster. THE MEATFÜCKERS ist sicher keine Band, die zumindest in unseren gemäßigten Breiten das große coming out haben wird. Dafür bräuchte es mehr, oder auch weniger von allem. Klar, schlechter und einfallsloser geht es fast immer, aber das soll nicht der Maßstab sein. Hier geht die Kreativität schon mächtig in die Hose, und dafür müssen nun Unschuldige bluten.  
4/10

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