Tuesday, October 8, 2013

DEMONICAL - Darkness Unbound - Cd / Cyclone Empire



Herr Schulman hat mal wieder ein Album auf die Reihe gebracht. Der alte Schwede schreibt die Dinger in beruhigender Regelmäßigkeit, so wie andere ihre Alte verprügeln oder im Supermarkt Schnapsregale leer saufen, ganz präzise. Seit den frühen 90ern macht er das nun schon, lässt seine Bassaxt blubbern und strickt Alben, zieht auch mit seinen alkoholschwangeren Kameraden über Zeltplätze und belästigt friedlich besoffene Camper, vernichtet gar Mobiliar aus dem Ourdoorversandshop. Er ist Garant für Lärm mit Qualität, und er überrascht uns in künstlerischer Hinsicht nicht wirklich.

Der Einstieg mit Keyboard erinnert rudimentär an das was Fabio Frizzi für Fulci komponiert hat und jedem Splatterklassiker mit schlechten Schauspielern (Helden mit kreisrundem Haarausfall) und hanebüchener Story  seinen Stempel aufdrückte. Und was so beginnt, muss blutrot und rücksichtslos weiter gehen. Die Musik auf der neuen DEMONICAL ist eine fette Schwarte, aber wenig herausfordernd oder gar ein selbstgenageltes Floß zu neuen Ufern. Auf das was da auch immer noch kommen mag, ist auf berechenbare Weise Verlass. Hier mal etwas mehr, da mal etwas weniger, in grober Richtung rückläufig zu den Ursprüngen, so in etwa stellt sich die Musik dar, und das kann kaum das Schlechteste sein. Das ewig kreisende Besetzungskarussell hat damit angeblich nichts zu tun. Auch nicht damit, dass „Darkness Unbound“ wieder viel direkter ans Eingemachte geht, als der Vorgänger mit seinen quasi epischen, zumindest heroischen Anleihen schwülstiger Schwerterklimperei.  War auch cool, und irgendwie immer noch dezenter als andere ihre Schlachten austragen, im Nachhinein funktioniert DEMONICAL nach der aktuellen Devise aber schon mehrere Ticks besser. Und wenn die Bässe schnarren und der Katzendarm dermaßen locker auf das Holz gespannt ist, wenn Drums wie Betonmischer bei Hammerwäsche klingen, dann ist da immer noch Platz für Melodie, dann kriecht immer noch dicker Nebel über den schwedischen Death Metal Friedhof. DEMONICAL setzen ganz auf Tradition und Lokalkolorit, kennen sich damit bestens aus und erzeugen einen Drive, der uns wohlig an die Geschichte nordischer Totschläger gemahnt. Herr Schulman gibt die Richtung an, wer nicht spurt weiß wo ein anderer Herr, der Herr Zimmermann das Loch gelassen hat, so wenigstens könnte man glauben. Tatsache ist aber, dass alle Alben von Centinex bis Demonical von ebenjenem unverblümten Stil geprägt sind, von tief gestimmten Instrumenten, von siechenden Melodien, von flotten Rhythmen ohne hörbaren Spaßfaktor und dickes Midtempostakkato. Mal schleppt er sich, mal springt er auf. Und auch das neue Album hat sein Entombed Solo, da unten links neben dem Pfad. King Of All könnte zum Inbegriff dessen werden, was Death Metal aus der Region nördlich der Ostsee momentan so ausmacht. Das Stück ist relativ variabel, im Tempo etwas behäbiger und von schauerlicher Leadgitarre begleitet. Das ist auf den Punkt der morbide Scheiß, für den der echte Elchmordfanatiker töten könnte. Dazu muss angemerkt werden, dass gerade dieses Teil aus der Feder des neuen Sängers stammt und somit schon einen kleinen Unterschied zu dem markiert, was Herr Schulman sonst so schreibt. Natürlich nur im Detail, denn im Grund sind sie sich einig, wo die Reise lang geht, und wer den Triebwagen unter Dampf setzten darf. Ob „Darkness Unbound“ an die Rock Hard Popularität des Vorgängers heran reichen wird, oder ob selbstüberschätzende Meinungsbildner ihnen es übel nehmen werden, dass sie wieder mehr auf die eigenen Füße schauen, anstatt in die Weite des Blutackers und der gehissten Segel, muss sich noch zeigen. So aber klingen DEMONICAL zumindest für mich authentischer und ehrlicher, die rohe Kante steht der Band einfach besser. Auf der Digi – Version gibt es noch 2 Bonustracks abzugreifen. Zum einen Kreators´ World Beyond, das gar nicht so leicht zu erkennen ist, weil es im Sound skandinavischen Instrumentenniederschlags fast erstickt. Bis das Solo einsetzt, denn das ist dann doch viel zu untypisch für DEMONICAL. Schön einen Klassiker zerlegt, die Hunde. Und dann noch Burned Alive vom 2007er „Servants Of The Unlight“. Lohnt sich also, würde ich behaupten! 
8/10

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