Thursday, October 24, 2013

DISTHRONE - Anti-Sytem - Ep / Hellprod.



Wer entsinnt sich nicht gern in nostalgischer Rückbesinnung an eine heile Welt an den legendären  Bruderkuss von Leonid und Erich. Gut die jüngeren unter euch kennen wahrscheinlich nur die Popart Version. Die auf der 2 gealterte Knaben ihre Knautschzonen aneinander pressen und ihre Verbundenheit mit Zungenschlag begrüßen. Oder ihr geht mal in Börlin flanieren, am Reste des antifaschistischen Schutzwalles propagieren die beiden ihre Zuneigung auch.
Dies war der Versuch, zwei nicht ganz so konforme  Ideologien in ein gemeinsames Korsett zu zwängen. Dessen waren sich die Opis seinerzeit möglicherweise nicht bewusst, Fakt ist aber, dass der eine nur des anderen Vasall war, und der andere sich darüber zumindest im Klaren gewesen sein muss. Wenn die Senilität und der nimmermüde Stimmbruch nicht damals schon Stolpersteine auf dem roten Pflaster waren. Verstanden haben sich beide als revolutionäre Wortführer im Sinne früherer Vollbärte, denen bedingungslos  Folge zu leisten war. Und wenn nicht, dann wurde die Sache mit dem Entzug des Nachtisches ins Unermessliche ausgeweitet. Aber das führt jetzt zu weit. Tatsache ist, dass der Russe und der (Ost) Deutsche gänzlich konträre Sozialisationen hatten, dass deren Geschichten auch deshalb so weit auseinander liegen, weil sie sich ständig gekloppt oder zwangsgeheitratet  haben. Auch die Mentalität der einstigen Brudervölker hat weniger Gemeinsamkeiten als das Paarungsverhalten von Regenwürmern und Buntspechten. Und trotzdem wurde über lange Zeit öffentlich propagiert, wie nah sich die Kampfgenossen gegen Faschismus und Imperialismus stehen, welche Opferrolle sie genötigt sind einzunehmen. Nach außen also der Schulterschluss, nach innen, unter den zerlumpten Decken des blinden Gehorsams, da passte und gehörte wenig zusammen. Und wie es ausging, das wissen wird, denn das haben wir gemacht, den Opis die Tür gezeigt und unsere in den Beton gerammt.

Sooo und jetzt ein ganz weit hergeholter, aber mir fiel nichts anderes ein, Bogen zu DISTHRONE, einer Black/Crust Band aus einem der europäischen Schuldenwinkel, aus Portugal. Die Musiker sind relativ frisch verlobt und  hebeln ihre erste Ep in die holprige Bahn. Black Metal und Crustpunk zu verbinden ist kein Novum. Was die Brigade aus solch künstlerischer Aufwiegelei aber macht, ist ziemlich enttäuschend. Sie fügen 2 differente Stile zusammen und lassen es klingen, als läge das gar nicht in deren engerer Absicht. Der Drummer rüttelt langweilig und primitiv auf seinen Eimern und Deckeln, während der Sänger eine überaus hässliche Stimme aus dem Fleischsack hext. Wenn denn hässlich als physischer Ausdruck für nerviges Krakeelen dienen darf. Diese  dominierenden Komponenten knattern fast emotionslos durch einen bröckligen Bunkersound, der dem Bass noch das Krachen überlässt, das überaus stumpfe und so kaum beabsichtigte Dröhnen über Gebühr forciert. Einzig die Gitarre hat das Nachsehen, wird deren Arbeit doch verschluckt, wie der selbstständige Einzelhändler im 5 Jahres Plan. Ab und zu macht sie sich mal Luft, wenn sie fast tharshige, an Lemmys´ Kumpel angelehnte Riffs vorträgt, die wenigstens partiell mitreißend sind. Aber im Großen und Ganzen ergibt sie sich ihrem Schicksal und passt sich der grausigen Akkordearmut an. Es gibt natürlich nichts gegen die beliebte 3 Akkorde Keule zu sagen, aber DISTHRONE sind von dieser Attitüde weiter entfernt als Beteigeuze von Gottes Arschloch. Sogar ihre melodische Seite „.I Am The Graves Of The 80's” in freizügiger Anlehnung an Darkthrone unterliegt soundtechnischen Repressalien.
Hier noch ein Versuch zu intervenieren. DISTHRONE sind natürlich nicht beflissen von den Überproduktionen einer viel zu hektischen und selbstverliebten Krawallmusik – Epoche zu profitieren. Wer will, sieht sie eher in der Tradition der miefigen Proberäume, den Kellerlöchern ohne Fenster, sieht sie in den Zeiten als das ganze scheppernde Paket auf 4 oder meinetwegen 8 Spuren während eines Livesets auf den mitgebrachten Rekorder gedrechselt wurde. Als alles aus heutiger Sicht noch bieder war, aus damaliger aber den Gipfel des pubertären Aufstandes darstellte. Und aus diesen Keimzellen musikalischen und ideologischen Ungehorsams hat sich ja schließlich auch eine weltweit prosperierende Szene  entwickelt, die einigen das große Geld einbringt, und dem Rest meist außerhalb des Mainstream immer noch Spaß macht. Ob das zur Versöhnung mit doch recht billigen Tonfolgen und harmonieresistenten Verbalausfällen reicht, liegt an euch. Time goes by, und neue Generationen schreiben neue Gesetze, wer zurück bleibt, dem wird irgendwann die Luft gestrichen. Zumindest bedarf es eines gewissen Maßes an Kreativität um das Spiel auch heute noch mitzuspielen.  
4/10

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