Wednesday, October 23, 2013

DOCUMENT 6 - Blut - Mcd / Selbstgetuntan



Läuft gerade, also machen wir´s noch mal, play it again Sam, einbeiniges Laufen ist stolpern. DOCUMENT 6 servieren den audioterroristischen Nachtisch zu Das 4. Reich und das selbstverbrochene Motto lautet, wen sollte es überraschen; Auf Die Fresse. Glücklicherweise machen sie sich nicht auf, den musikalischen Olymp herauszufordern, nach der ewigen Flamme zu greifen, sondern sie bewegen sich genau so rüde durch die Notenwüste aus Elend, Lärm, Spaß und offensiv linksgerichteter Attitüde, wie sie es bereits vorgelebt haben. Zu ihrem demokratischen Recht auf freie Meinungsäußerung  beziehen sie eindeutig Stellung, auch wenn Links im allgemeinen Punkverständnis lediglich gegen Rechts heißt, und das politische Spektrum in seiner Gesamtheit natürlich mehr umfasst, als dem braunen Pack was auf die Nuss zu geben. Egal, wenn sie auf Krawall aus sind, dann passt die Musik bestens. Mit ihrer Mischung aus britischem Grind und Hardcore, als die sich in den 80ern von ihrer 70er Punkeigenerfindung lösten, weil es noch disharmonischer, direkter und härter sein musste, und deutschen Texten mit Humor und Ernst in einem Verbalcontainer, leistet die Band aufrichtige Überzeugungsarbeit. Dass es vorrangig scheppert spielt da kaum eine Rolle. Das Studio hat den Aufnahmen einen basslastigen Sound übergeholfen, dass der Putz bröckelt und baumwollene Schlüpferkonstrukte eilig mit gerissenem Zwickel das Bein herab hetzen. Das wummert dermaßen, dass der eigentlichen Bassgitarre beinahe die Männlichkeit, oder in diesem Falle die Weiblichkeit streitig gemacht wird. Aber die Bedienstete am Instrumente hat da den selbstbewussten Kniff raus, noch eine Spur tiefer zu gehen und das Holz ganz entspannt blubbern zu lassen. Und weil die 4 Saiten so dermaßen durchhängen, haben sie sich ein Eigenleben verdient, dem beinahe eine physische Präsenz nachzuweisen wäre. Irgendjemand muss das doch sein, der unterhalb des Zwerchfelles alles zum vibrieren bringt!
Die Texte sind fast immer gut zu verstehen und laden zum mitpöbeln ein, na und auch der für den immensen Radau verantwortliche Rest muss sich nicht hinter den Ruinen verstecken, für die sie selbst verantwortlich sind. So was wie einen amtlich notierten Abrissfaktor dürfen sie sich schon unter die Kragenklappe nadeln.   
Wer will, erfährt was wahre Geschwisterliebe ist, weil Eva aus Adams Rippe entrissen wurde und er dann quasi mit sich selbst vögeln musste, warum Faschos nach mittelalterlicher Rechtsprechung besser bedient wären als im demokratischen Durcheinander deutscher Hilflosigkeit, warum es auf dem musikalischen Sektor nie zur Ruhe kommen wird, denn außerhalb des Proberaums gibt es immer was zu revolutionieren und warum ihre Musik der wahre Hardcore Holocaust ist.
Zusätzlich und mittendrin vergewohltätigen sie noch den NORMAHL – Klassiker !Wein, Weiber und Gesang“. Davon aber nur die 2. Strophe - bei voller Übernahme der debilen Lyriks wäre der Spaßcharakter des Originals zu offensichtlich für die Härte der Musik gewesen … denke ich. Klänge auch zu albern, „Fun Fun Fun“ ins Mikro zu growlen, und außerdem „vögeln bis die Nille raucht“, da hätte die Mutter der Kompanie wohl nur ein müdes Lächeln über.  Also lassen DOCUMENT 6 ein schön assiges und rücksichtsloses Komprimat von der Leine und zeigen ihre Affinität zu germanischem Zitronenpunk.
Mit nie verhohlener Direktheit reißen die 4 Musiker ein Stück nach dem anderen runter, verhalten sich so melodiefrei und rhythmusbesessen wie nur möglich, versuchen nicht mal ansatzweise ihren Punkstatus zu vergessen, sondern schrammeln und kloppen erfreulich billig auf ihrem Equipment herum. Dass die Technik das aushält, zeugt von handwerklicher Qualität. Und wenn ihr das unbeschadet hinter euch lassen könnt, dann zeugt das von gesundem, elterlichem Genpool … oder eben gerade nicht.
Nun gut Sam, du hast es noch mal gespielt, hast gelernt, dass das Whiskeyglas ränder auf dem Klavier hinterlässt, hast uns Schmerz und Verzückung gebracht. Aber am Ende hast du auch bewiesen, dass es keiner großen künstlerischen Gesten und musikalischen Fertigkeiten bedarf, um aufrichtig zu sein, dass du auch wild in die Tasten hauen kannst und mit dem Holzhammer neue Freunde findest. Also, spiel uns demnächst wieder einen! 
7/10

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