Wednesday, October 2, 2013

EXHUMER - Degraded By Sepsis - Cd / Comatose Music



Für EXHUMER scheint es gerade ganz gut zu laufen. Zur Zeit sind sie mit Psycroptic auf Europaabriss und haben das neue Album im Beutel dabei. Zudem scheint der Deal mit Comatose auf gesunden Füßen zu stehen, dem Label, dass sich löblich um all die Durchgedrehten kümmert, die ihren Latte morgens aus Kinderschädeln nippen.  Ja geht scheinbar endlich  voran, Ende 2013. 5 Jahre haben sie sich Zeit gelassen, um eine neue Scheibe auf den Weg zu bringen, der Hammer des Vergessens kreiste schon bedrohlich. Ob sie nun alles wieder gut machen können? Rücksichtslos und berechnend soll sie sein, der Fanatismus in Sachen Brutalität wird angeblich auf die Spitze getrieben. Geschwindigkeit und Aggression lassen eine folgenschwere, blutgetränkte Pein am Hörer aus. Blumig preist der Pressetext mit feinster amerikanischer Übertreibung „Degraded By Sepsis“ an, als gäbe es keinen Pfad um die Erfahrung herum, mit diesem Album ringen zu müssen herum.
Gut, ich hab das Ohr mal rangehalten, und ich sehe hier sowohl ganz typische brutale Raserei vom Gegengewichtkontinent, als auch modernere Stilmittel. Die Band lässt den Blast von der Leine, der Drummer will gar nicht aufhören, in seinem Equipment zu wühlen. Unterbrechen lässt e sich quasi nur durch sich selbst, indem er von der Basshölle aus Tiefschläge verteilt. Die drosseln das Tempo zwar kein bisschen, ziehen aber sprichwörtlich die losgelassenen, tollwütigen Köter immer wieder in die Spur zurück. Dann rumst der mit seinem Basser einen Beatdown in den Boden, dass das Himmelszelt wackelt, der Käse vom Mondteller purzelt und die Schiebestange bricht. Traditionalisten in Sachen Hackfleischkunst werden damit vielleicht so ihre Befindlichkeiten haben, aber es funktioniert eben. Tja, und was noch? EXHUMER haben es sich gemütlich gemacht, zwischen Fußmaschinen zerlatschen und dem Nachbrenner als Lieblingswaffe, zwischen Gitarrentwists und Groove, zwischen Salm und mörderischen Riffs. Generell liegen die meisten Stücke recht eng beieinander, so wie genormte Hühnereier in der Supermarktpappe. Glückliches Freilandgebolze, gefüttert mit ausgewählten Schadstoffen. Das könnte mancher als Negativum werten. Um das aus der Schusslinie zu nehmen, unterbrechen die Italiener ihre Scheibe immer mal und bauen sogenannte Interludes ein, klimpern irgend was nicht ganz stubenreines, machen einen auf mystisches Gruselgezirpe oder wackeln am Regulator in astreiner Spukhaustradition. Ganz überzeugend ist die Vertuschungsaktion allerdings nicht. Zumal die nicht eben opulente Spielzeit dadurch noch geschönt wird. Wenn ich fair bleibe, dann ist mir das ziemlich gleich, denn qualitativ ist das Gemetzel eine wahre Lecke, quantitativ höchstens – da ist eher Magerkost angesagt. Nach 5 Jahren hätte man diesbezüglich mehr erwarten dürfen. An dem Spaß, den die Musik verbreitet ändert das aber gar nichts, nicht an der Tatsache, dass die Brüder technisch bemerkenswert beschlagen sind, dass sie sich Ihrer Sache vom ersten Oberton bis zum letzten Tiefschlag sehr sicher sind.
Inwieweit das nun wirklich rücksichtslos ist, liegt im Auge des Betrachters, oder hängt viel mehr am humanen Schalltrichter. Denn den Topf bepflanzen sie nun mal nicht neu, was wohl auch keine Absichtserklärung erfordert. Berechnend ja, das kommt dann schon hin. Denn auch wenn die Platte mit allen Wassern gewaschen ist, die beim brutalen Death Metal nun mal fließen, bleibt doch der, nicht mal negative, Eindruck zurück, dieses Pferd schon mal geritten zu haben. Kranker Scheiß ist das allemal, daran gibt es nichts zu deuten. Und wie fanatisch gehen sie ihrer eigenen Sache nach? Ist das Album Beweis dafür, dass die nun alle Messer mit Nachhaltigkeit schärfen? Auch das wird sich erst noch beweisen müssen. Denn wer 5 Jahre zwischen 2 Alben verstreichen lässt und eben nicht der große Rockstar ist, dem das am Arsch vorbei gehen darf, der hat immer noch einige Baustellen offen.  Ich möchte trotzdem der festen Überzeugung sein, dass „Degraded By Sepsis” genug zu bieten hat, um künftige Lücken wenigstens für geraume Zeit zu füllen. Dazu reichen 90 % Bleifuß und 10 % Beschwichtigung. Noch mal 5 Jahre sind allerdings tödlich. Nun seid ihr gefordert. Wenn ihr glaubt, ein Album das sowohl hemmungslos im eigenen Netz zappelt und großen Ansprüchen zur Genüge gereicht, als auch kompromissbereit und technisch ziemlich ausgebufft ist, überleben zu können, dann lasst euch von EXHUMER mitziehen. Und erwartet nicht irgendwelch Variationen klassischer  Metal – Elemente zu hören, darauf hat die Band scheinbar bewusst verzichtet. Oder sie zumindest nicht hörbar gemacht. Erwartet nur offensive Gewaltausbrüche und Vollbedienung der ganz brutalen Schippe, dann wird alles gut! 
8/10

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