Saturday, October 26, 2013

HELLCRAFT - Tyranny Of Middle Ages - Cd / RTM Productions



Damals in der UdSSR war der Grad der Verstrahlung erheblich, als in der ukrainischen Provinz der Supergau geübt wurde. Hernach kamen die Eingeborenen auf die seltsamsten Ideen. Wollten ein eigenes Reich, einen eigenen Diktator und Festpreise für Spirituosen von der Kolchose. Und nur weil irgendwo einer den Schraubenschlüssel ins Getriebe geworfen hat. Die Spätfolgen sind heute noch Teil der Agenda „Jugendvergiftung durch imperialistische Medienunzucht“. Jüngstes Beispiel sind HELLCRAFT, eine Band in variablem Umfeld um den Mailer geboren, lange nach der Katastrophe aber mitten in eine neue hinein. Die Kinder des Atom spielen ziemlich verstrahlte Musik mir folkloristischer Komponente und einem Faible für Trash … habe ich geglaubt als mich der zornige Ukrainer - Vlad mit seinem nicht ganz blitzblanken Säbel von Cover / Portfolio herab mustert. Wie zur Bestätigung seines nonkonformen Umtriebes mussten noch Gepfählte und Gekreuzigte um ihn drapiert werden. Das Leiden einer einseitigen Schlacht tropft mit Wonne in ein Klischeepfützchen und ich wappne mich für das kommende Grauen aus dem tiefen Osten. Aber ganz weit vorbei gezielt, mühsam erarbeiteten Erwartungshaltungen sind auch so gar nichts mehr wert. Ich denke noch, lassen wir uns vom Retortenzarismus eins auf die Geschmackspapille geben, aber da glitzert die Pusteblume gründlich grünlich im Dunkeln.

Vom einstigen Klassenfeind der Eltern inspiriert, beschäftigen sich HELLCRAFT fast ausschließlich mit schädlichen Amerikanismen, haben die ganze dekadente Erfolgsgeschichte von Sex und Gewalt in sich aufgesogen und leben sie schamlos aus. Ziel ist die Machtergreifung des US Death Metals als der noch nicht verwaschen und trendy und modern und groovy und slam und brudl und einfach doof war. Die Band richtet ihren Fokus auf die frühen 90er aus, als sich Morbid Angel noch mit echten Dämonen prügelten. Ja ich glaube „Altars…“ ist dem Altar im vorsibirischen Proberaum geopfert worden. Und was soll ich sagen, die Herren haben intensiv zugehört, jeden Ton durch jede Körperöffnung gesogen und die graue Masse der Erkenntnis mit Noten aus der Hölle tätowiert. Denn nicht nur dass sie mögen, was die Amis einst so auf Vinyl diabolisiert haben, sie wissen es auch umzusetzen. Egal ob die Rhythmusgitarre zum Schneiden dicke Riffs anbietet, sich manchmal in slayereskem Gewirr verirrt, oder die Leadabteilung ganz klassische kurzgegriffene und meist disharmonische Tricks auf den hohen Saiten ausführt, der Plan geht auf. Düster ist der Kram, den sie aus der heimischen Unfruchtbarkeit stampfen. Um das Terrain passend zu lockern, trommelt da einer, dem die Fußmaschine an die Hühneraugen gewachsen ist, zeichnet so verantwortlich für immensen T 34 Druck, man hört quasi die Knochen unter Panzerketten bersten. Die Stimmung ist weitestgehend vernebelt und sinister und die Lyrics russisch. Versteht kein Habicht, aber auch egal welche Art von Buchstabensalat zur Auswahl gestanden hätte, bei der etwas zu sonoren und bedingt langatmigen Verbalkommunikation des Sängers ist der Quell der Sprache eh unwichtig. Lediglich beim letzten Stück, dass sich vom massiven Gewitter der Vorgänger insofern unterscheidet, dass es viel getragener, partiell melodiöser und vor allem viel länger ist, hätte es gut getan, wenn man die Absichtserklärungen, die der Frontmann aus dem Säckel holt, auch verstehen könnte. Hier offenbart sich die traurige russische Seele, selbst wenn sie keine mehr sein müssen –Russen meine ich. Da kommt er nämlich mit gar nicht so dummen, wenn auch nicht gerade aufregendem cleanen Gesang aus der Deckung. Hätte ich seinerzeit in der Schule bloß besser aufgepasst. Eine wirklich tragende Rolles spielt der Fakt, dass ich in Bezug auf das Russische so kompetent bin wie die Merkel beim Datentransfer, letzten Endes aber wohl kaum.
Ich für meinen von Vorurteilen geprägten Teil bin positiv angetan von so viel negativer Energie die uns da aus der Ukraine entgegen schwappt, und natürlich überzeugt vom Death Metal der kriegslüsternen und etwas verirrten Slawenkinder. Sie suchen ihre Geschichte vor der Türschwelle und benutzen als Hebel den Bleiknüppel der vermeintlichen Patrioten, Weltmachtsfantasten und Meister der Telekommunikation. Ich halte HELLCRAFT für eine erfolgreich um Authentizität kämpfende Band, bei der es Spaß macht, wenn die Saiteninstrumente im Topf der elektrisch verzerrten Möglichkeiten rühren und immer wieder schlagkräftige Nackenbrecher am Löffel zu kleben haben. Es bereitet ungetrübte Freude, Zeuge zu werden, wenn der Drummer sein Kit durch den Fußboden tritt und der Sound rustikal aber saugstark aus dem kleinen runden Silberling entweichen will. Für Veteranen und Sucher, Death Metal Fanatiker und Fetischisten sollten HELLCRAFT trotz rotzhässlichem Cover einen Ausflug ins Kerngebiet der Reaktorkatastrophe wert sein. 
7/10

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