Wednesday, October 30, 2013

INSURRECTION - Prototype - Cd / Galy Records



Crowdfunding – das ist wenn man blank ist, und sich seinen Urlaub durch schnorren bei Mildtätern finanziert! Früher brauchte man dafür eine Lizenz und ein Schifferklavier. Und heute ist das Betteln im globalen Datenstrom up to date. Da erklär mir doch mal einer, warum es plötzlich so hip ist, mit leeren Taschen anderen an den Beutel zu gehen, um sich hinterher mit braungebrannten Arsch durch das bunter Nachtleben von 100 Strandbars zu lachen. Welchen Hebel muss man da wo ansetzen, um den Verstand der Geldverschwender auszuhebeln? Das geschieht ja nicht unter Zwang, wie sagen wir mal, wenn ich einen Flughafen bauen will und das Geld über rechtlich legitimen Raub dafür missbrauche. Nee, Crowdfunding ist eine Methode des Privatsektors, die meist nur einer Person oder Gruppe zugutekommt. Steuern sind für das Allgemeinwohl gedacht, zum Beispiel eben für Flughäfen, Opernhäuser, Bahnhöfe, Citytunnels, Militaria, was so ein Land eben am Laufen hält, attraktiv macht. Aber die gerade populäre Attitüde  von „Haste ma ne Mark, dann schreib ich deinen Namen irgendwo ins Eck“, setzt sich in gleichem Maße durch wie zum Beispiel das politische Streben Europas sich bei konspirativem Getuschel besser wieder in die Augen zu sehen, bevor der hinterm Atlantik auf „laut“ drücken kann.

Crowdfunding funktioniert tadellos, da kannst du dann vom Rand der Welt springen, mit dem Rad nach China fahren, oder eben ein neues Album aufnehmen. So geschehen bei den Kanadiern von  INSURRECTION die das dann auch noch passenderweise Prototype nennen, als wollten sie den Testlauf lediglich für noch größere fremdfinanzierte Schläge zum Einsatz bringen. Aber lassen wir das wie mal beiseite und betrachten das was

Prototype ist das nunmehr 3. Album in einer 10 jährigen Bandgeschichte, die nicht ohne personellen Verschleiß durch die Dekade gegangen ist. Reiberein sorgen für Spannungen, und Spannungen für ein gewisses Maß an Aggression. Das wiederum ist gut für den kreativen Prozess, zumindest wenn es um Metal geht. Nichts schreibt sich besser und klingt hernach überzeugender, als mächtig angepisst zu sein. Damit habe ich den positiven Teil der Scheibe gefunden. Oder anders ausgedrückt, der Zweck heiligt doch noch die Mittel. Das was INSURRECTION hier mit dem aus der Kollekte entstandenen Longplayer gelungen ist, ist ein nicht von der Hand zu weisendes brutales Album mit allen Ingredienzien die der Death Metal dort im transatlantischen Sektor für gebrauchsfertig erachtet. Wir haben einen gesunden technischen Standard, wir haben brutales Dazwischen gehen, wir haben Melodie und jede Menge Groove. Das alles zusammen klingt beinahe traditionell, die Produktion aber verhilft dem Gesamteindruck auf eine moderner klingende Stufe. Gern werden Vergleiche zu Misery Index gezogen. Stimmt auch, Grooves, Doppelgesang, der grindige Unterton und die technische Sicherheit, mit der die Songs präsentiert werden, haben schon fast brüderliche Verwandtschaft. Nur klingt es eben nach einem Produkt aus einer (fast zu) sauber produzierten Schmiede. Zudem schleichen sich Stakkatos aus dem Hardcore Sektor ein, die ebenfalls in der Verbindung zum Death Metal auf einen aktuelleren Anspruch pochen. Was auch deutlich ins Hintertreffen gerät, ist der Twist auf den hohen Saiten, weil das Chaos und die künstlerische Kakophonie, das Querdenken ausgeschlossen werden. INSURRECTION sind diesbezüglich viel mehr um Eingängigkeit bemüht, als ihnen vielleicht bewusst sein dürfte. Nistdestotrotz beherrschen die Akteure ihre Instrumente bis ins letzte Zipfelchen, keiner geht im Sound unter, jeder darf sein Können zur Schau stellen. Der Bass ist knatternd und fröhlich in aller Deutlichkeit zu hören, die Drums klingen satt und Leads wie Rhythmus von den 6 Saiten treiben ein nachvollziehbares Doppelspiel. Vorrangig setzt die Band auf Härte und Harmonie, den Schädel zu gewagt aus dem Fenster zu hängen, das vermeiden sie ganz deutlich. Und mit dieser Methode fahren sie auch ganz gut. Prototype ist unterhaltsam, bis zu einem gewissen Maße anspruchsvoll und lässt sich vor allem nicht festlegen. Der erfolgreiche Versuch, diverse Variablen aus diversen Genres einzubinden gelingt. Drive und rhythmisches Dauergebrezel treffen auf das Laufrad in dem der Hamster verreckt, Intelligenter musischer Terror hält den Kreisel in Bewegung, egal ob sich ihm kompositorische Hindernisse, Rhythmus-, und Geschwindigkeitswechsel, dezentere und angepustete Töne oder die der hemmungslosen Sorte in den Weg stellen. Wer technischen Death Metal mag und von markigen, etwas zu hellen Riffs gebügelt werden will, wer den Enthusiasmus der Musiker spüren will, aus der gehamsterten Kohle einen verträglichen Gegenwert zu zaubern, der ist hier durchaus an der richtigen Adresse. 
7/10

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