Sunday, October 6, 2013

MERCILESS TERROR - Vile Extinction - Cd / Devil's Clause Records



Um gnadenlosen Terror im Musikgeschäft unterzubringen, muss man zum einen Musik schreiben, die die Leute hören wollen und zum anderen darf man gerade so plakativ sein, dass es niemandem gleich auffällt. Natürlich, das selbstbewusste Präsentieren der eigenen dicken Eier gehört immer dazu, wenn das Geschäft funktionieren soll, wer da aber dann übertreibt, sich zu ernst nimmt, steht schnell im Aus. Die Briten um ihren Frontmann Dale Linsdell, der hier im Gegensatz zu seinem sonstigen Aktionsradius einen anderen musikalischen Weg bestolpert, klappern mit ihren postapokalyptischen Alpträumen  lautstark ums Eck. Sie legen sich mit einigen Stereotypen an und wandeln musikalisch auf sehr vertrautem Terrain, lassen risikofreudige Abkürzungen aus ihrer Vita tilgen. Gnadenlos eben, auf dem direkten und seit Jahren massiv gepflasterten Pfad in Richtung Zielflagge, so ungefähr tickt das Rhythmuspendel, mental und fühlbar. Etablieren muss diese Art Höhsturz niemand mehr, ist der Twist doch hinlänglich und Generationsübergreifend bekannt. Thrash Metal vor dem Herren, das ist vom ersten Akkord an klar, rollt ohne anzuecken und wird von einem Bleimantel auf vokaler Ebene abgefangen. Ganz so rund läuft die Kugel dabei bezogen auf das Besetzungskarussel nicht, oder hoffentlich eher lief. In der relativ kurzen Bandkarriere hat Terrorpapst Linsdell seinen Stab fast 2 mal zur Gänze ausgetauscht. Hat wohl besondere Ansprüche der Herr, vielmehr eine spezielle Vision. Denn die Musik versucht mal wieder 2 Genres miteinander in die Kiste zu zwingen, so wie es viele anderer vorher schon mit Erfolg (oder nicht) beübt haben. Auf Vile Extinction treffen sich die Vorgaben der grauen Revolutionäre von Slayer, Destruction und Malevolent Creation. Auf das so erzeugte Riffmassaker, das an Thrashgranaten nicht zu überbieten ist, deckelt Linsdell seine Stimme, die in diversen Tonlagen fast allein aus Death Metal besteht, von Growls über Obituary Textlosigkeit bis hin zu grindigem Kehlkopfüberschlag. Das scheint erst mal gar nicht zu dem Thrash Metal seiner Begleiter zu passen, die sich die Finger blutig zupfen, um aus fest gezurrten Vorlagen so was wie ein innovatives Blutbad zu zaubern. Gelingt trotzdem;  irgendwo im High Speed Himmel, wenn in der Kurve die Scherkräfte gnadenlos zuschlagen, wenn sich das Dach vom Chassis rollt und der Lack im Sturm verloren geht, wenn die Band auf Teufel verpiss dich die Stöcke zerdrischt und die Saiten strapaziert, dann geht die Vision des Herrn Linsdell auf. Und dann wird klar, warum so immens todesbleiverliebter Gesang so prima in das Geschredder passen will. Weil die Musik, mit all ihren stadtbekannten Riffs und Arrangements ohne Eingewöhnungszeit erstklassig kaschiert wird, weil der Gesang eine Krone aus ungezähmter Brutalität oben auf setzt. Das geht, weil der technische Anspruch stimmt, die Musik auch mal Luft zum atmen bekommt, besonders zum Ende hin, wenn sich balladeske Töne einschleichen und dem Album einen depressive verstimmten Charakter bescheinigen. Und das geht, weil, es auf genau diese Art extremen Spaß verbreitet, selbst wenn so gut wie nichts dem eigenen Mist entwachsen ist. Was macht das schon, wenn der Konsument bereits zwischen Bier und Schnaps wählen muss, sich den Kopf zerbricht, wie er heil aus der Stammkneipe ins Schlafzimmer kommt, dem Eherochen aus dem Weg wankt und wo verdammt die Autoschlüssel abgeblieben sind, dann wird ihm in Sachen audioterroristischer Unterhaltung wenigstens die Entscheidung abgenommen, solchen Service bietet sonst niemand im Vollrausch an. Aber mal halbwegs ernsthaft, wem aggressive Thrashgeschichten über das morgendliche Pflaumenmus wandern wie Stubenfliegen, dem gefällt mit Sicherheit, was MERCILESS TERROR da anbieten. Schartige Riffs auf Adrenalin, pures Headbangerfutter, überschnappende Drums und heisere Kehlen, das ist es doch, was der der traditionellen Kutte gut auf den Rücken passt. Und dass es beinahe durchweg pfeift, als hätte der Orkan das Wasserglas umgekippt und in China fehlt ein Fahrrad, dass so viel Speed in dem Gemetzel steckt, dass Sauerstoff in Schallrichtung aus der Atmosphäre gedrückt wird, damit müsst ihr umgehen. Geschwindigkeit ist keine Hexerei.   
7/10

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