Thursday, October 10, 2013

ONSLAUGHT - VI - Cd / AFM Records



Von der ursprünglichen Besetzung ist bei ONSLAUGHT anno 2013 nicht mehr viel übrig. Einzig Nige Rocket hält tapfer die Stange und behält recht, wenn er glaubt dass Beständigkeit auch in Erfolg gipfeln kann, sollte heute nicht bereuen, dass die Entscheidung für den  Thrash Metal damals von Opposition zu Bestimmung wurde. Egal ob die Insel das rechte Pflaster für derartige Musik war. Sein langjähriger Weggefährte Sy Keeler, der auch nach der Reunion vor fast 10 Jahren wieder an Bord war, ist der einzige, der scheinbar immer daran fest gehalten hat, das Thrash Metal aus Britannien einst aus dem Dämmerschlaf erwachen wird. Trotz legendärer Alben lange Zeit unterbewertet, sind ONSLAUGHT mit Macht im neuen Jahrtausend eingeschlagen und schreiben heute bessere Alben als in den 80ern. Nur die Sache mit dem Spirit ist die gleiche, denn jeder Ton klingt so verdammt erdig, so verdammt echt, dass an der eigenen Überzeugung der Band nicht zu zweifeln sein dürfte.

So ist das  auch auf dem neuen, schlicht mit VI betitelten Album ca. 40 Minuten lang zu spüren. Durchweg Breitbandkino für die Ohren, mit etlichen Verweisen auf die glorreichen Zeiten einer unvergessenen Epoche der Thrash Metal Hochzeit, aber auch mit modernen Arrangements, die es so aber nie ohne die Erfahrungen aus dem Vorfeld gegeben hätte. ONSLAUGHT toben sich auf dem Parkett aus, auf dem sie sich heimisch fühlen, durchbrechen die Grenzen des Thrash niemals und hämmern einen rasiermesserscharfen, beinahe zu sauberen Sound in die Spur. Setzen quasi eine aufgefrischte Duftmarke, die schon vor 2 Jahren eine bemerkenswerte Physis angenommen hat. Ob VI nun eine konsequente Fortsetzung von Sounds Of Violence sein mag, entzieht sich meiner Gewissheit, klar ist aber, dass diesmal nicht alles so direkt, so frontal in die Wand gerammt wird, dass das Album variabler anmutet und definitiv mit mehr technischen Aspekten kokettiert. Kann auch ein Hinweis darauf sein, dass noch immer keine Anzeichen von Stagnation feststellbar sind, dass die Band ihren Thrash auf ihre Weise produziert und das Kreativität nicht auf der Strecke bleiben muss, nur weil diese irrsinnig massiven und überaus typischen Riffs immer wieder den Fokus suchen. Ein gewisser orientalischer Touch ist auch nicht zu verkennen, das funktioniert als Stilmittel auch sehr gut, zumal dabei auf zu offensive Vordergründigkeit verzichtet wird. Und wie erwähnt, durchbohrend und das Gewöhnliche zu Tode hetzend sind die Riffs , die jedem Song vorstehen, die deutlich machen, dass am Fels Thrash Metal nicht gerüttelt wird.
Ob man so einer Band, die physisch in Teilen und im Handeln vollständig aus dem Urschleim von biederem Metal und aufmüpfigem Punk entschlüpft ist, sagen darf, dass sie intellektuell verwandtschaftliche Beziehungen zu Slayer pflegen? Das mag beinahe anmaßend klingen. Und doch üben sie den transatlantischen Schulterschluss. Mit viel frischem Wind versteht sich, vor allzu viel Abrieb schützen der hörbare Enthusiasmus und die übersprudelnde Energie, die die komplette Scheibe tränken, bis der Atem stockt. Musikalisches Waterboarding für ignorante Rotznasen quasi. Wen muss es da noch kümmern, dass auf VI keine wirklichen Überraschungen Platz genommen haben, dass die Stücke eingängig wie ein geölter Sexualunfall sind und deren Marschrichtung schon nach kürzester Zeit berechenbar ist. Das wird alles durch fitte Instrumentierung und mehr als nur gefälliges Songwriting kompensiert. Denn wer nach Thrash in Reinform sucht, der buddelt doch nicht auf fremden Äckern, der geht dahin, wo er weiß dass er bekommt was er will. Und ONSLAUGHT sind sozusagen der Dienstleister, der die möglicherweise derangierten und kranken Bedürfnisse der nicht ganz stubenreinen Kundschaft befriedigt. Wie´s geht wissen sie durch das Glück der frühen Geburt, eigentlich haben sie das Geschäftsmodell ja mit entworfen. 
Was einst Legende war, ist heute Speerspitze in Sachen Establishment vermöbeln, in Sachen Chaosvertonung und auch wenn es darum geht, rein musikalisch alles genau zu durchdenken und die eigenen Ansprüche immer weit über dem Level zu halten. VI wird euch gefallen, ihr werdet mit den Riffs reiten und zu den Solis vögeln, bei den Drums den Kopfe einziehen und die Vokals mit grölen, die ganze Chose von vorn bis hinten lieben. Immer voraus gesetzt, ihr unterwerft euch diskussionslos dem, was echter Thrash Metal euch zu lehren hat. 
8/10

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