Tuesday, October 1, 2013

SCALPEL - Sorrow And Skin - Cd / Sevared Records



Was in den Jahren so alles über Sevared Records und angegliederten Sublabeln erschienen ist, gibt sich in Sachen brutales Gehacktes die sprichwörtliche Klinke in die Hand. Allein an grafischer Gewalt zierten Sevared Releases den teutonischen Indexgedanken wie Graffiti Berliner S- Bahn Brücken, wenn der deutsche Moralwächter denn um die Bands und deren Coverartwork wüsst, versteht sich. Aber ähnlich wie bei der Barnes – Truppe in den 90ern, setzt sich auf dem Label ein nicht zu bezwingender Gedanke an die Spitze; Blutiger und Brutaler geht immer! In diesem Sinne stimmen Musik und Leinwand fast immer überein, wenn von der Rille gehackt wird, wenn der Alkohol mit gleicher Fliehkraft sprudelt wie das Testosteron , wenn Blut aus dem Player spritzt und jedes Klischee mit Genuss bedient wird, dann stellt sich so ein muggeliges, warmes Gefühl von Heimatverbundenheit zu Sevared ein.  Außerdem macht die Company auch großartige Underground – Arbeit. Das haben nun auch SCALPEL aus Massachusetts begriffen und ihr erstes Album genau da veröffentlicht, wo sie mit ihrem Radau und ihrem Intellekt hingehören, in den 7 Kreis der Hölle, in das Zentrum des Chaos oder auch direkt an die Bar. Passend zu ihrem Bandnamen haben sie ein extrem scharfes Kleinkunstwerk anzubieten, dass sich nur mit Mühe der Kakophonie erwehren kann, dem das Tohuwabohu aus 90 US – Tot und hemmungslose Grindattitüde mit straffer Struktur begegnen. Nur um die Ketten am zerreißen zu hindern, nur um den Wahnsinn vor den Toren zu halten, denn der kiebitzt zwischen allen Tönen durch. SCALPEL befinden sich auf einer Gratwanderung, rechts liegt erstklassiger Death Metal der alten Schule, links der tiefe Abgrund der Individualität. Und aus diesem schöpfen sie recht festen Standes ihren Sud und kippen ihn auf die andrer Seite. Das Ergebnis dieser wilden Mischung ist bemerkenswert. Die Musik hat alles was wir einst von Cannibal Corpse gewöhnt waren, die Brutalität, der Drive, die Kompromisslosigkeit. Hinzu gesellen sich Verweise auf alte Morbid Angel, was der Musik eine offen heraus gespielte melodische Plakatierung verleiht und gleichzeitig dieses düstere Feeling mit sich führt. Nur darauf allein verlassen wollen sich die Musiker nicht, und so liegt das Tempo der Stücke fast immer um einiges höher als diese Musik es eigentlich verantworten will. Zu jeder Sekunde macht sich das Gefühl breit, hier explodiert gleich was und die Protagonisten haben alle Hände voll zu tun, um ihre Geisteseruptionen nicht dem Kontrollverlust anheimfallen zu lassen. Schlauerweise fährt die ganze Gesellschaft ihre irrsinnige Party auch mal gen Wasserglas und lässt das gemarterte Gästevolk kurzzeitig entspannen. Dann lässt zumindest die Leadgitarre einen progressiveren Ton vernehmen, kümmert sich darum, dass der Rest auch mal das Tempo raus nimmt. Gerade dem Drummer scheint das richtig schwer zu fallen, aber auch er nickt dann so ein Stück wie The Black Juices ab, das partiell eher an eine gelungene Intonierung einer Höllenszene aus Dantes Inferno erinnert, denn an ein texanisches Schlachthaus.  Der Titeltrack ist auch so einer, einer der sich auf sinistere Art melodisch verkauft und ankommt, der nicht auf das volle Programm angewiesen ist und umso mehr Stimmung erzeugt. Und das erweist sich im Nachhinein als geschickter Schachzug, hätte die Truppe lediglich durchgeknüppelt, wären die Feinheiten, die technischen Kniffe zu denen sie scheinbar spielend fähig sind, ersatzlos abgesoffen. So aber stellt sich hier eine Band auf, deren Talent nicht schon beim Frontalkicken verpufft, sondern eine, die auf mehr Tiefe setzt, als es der erste Blick zulässt. Und Humor haben sie wohl auch noch, selbst wenn der nicht gleich aufgeht. The Exterminator / Human Slaw ist ein als Song angepriesenes endloses weißes Rauschen aus der Empfangshölle einer Kurzwellelnlangeweile. Nichts als akustisches Testbildschnarren und Fernsehschnee. Könnte man sich fragen, ob deren Techniker mit dem Kopf aufs Pult geschlagen ist, oder jemand die Klospülung   ausgehakt hat. Wahrscheinlicher scheint mir aber mein folgender Reim. Exterminator nannte sich der erste Frontrülpser der Band (Besetzungswechsel scheinen was Inflationäres bei Scalpel zu haben), und der hat das erste Demo Human Slaw eingegurgelt. So wäre es auf den 2. Blick möglich, dass die verbliebenen Musiker hier irgendeine Art Retourkutsche fahren. Wahrscheinlich lachen die sich noch eine Weil darüber kringelig, während der Rest gar nichts rafft. Gut, der Nonsens lässt sich schnell wegskippen. Alles andere ist immens fit, es ist leicht vorstellbar, wie der Gitarrist mit seinen Fingern über den Gitarrenhals flitzt und blind die unmöglichsten Griffe findet, wie der Drummer ackert und seine helle Freude an seinen oktopusartigen Verrenkungen hat. Regurgitation, frühe Skinless, Artry Eruption mit viel besserem Sound, die ganze Palette an amerikanischer Undergroundmetzelei ist was für euch?  Überflüssiger Dilettantismus, das Produzieren einer Kellerscheibe um jeden Preis missfällt euch? Na dann habt ihr jetzt etwas gefunden, für das es keine Ausreden mehr gibt. https://www.facebook.com/Scalpelofficial
8/10

No comments:

Post a Comment