Friday, October 11, 2013

SOUL REMNANTS - Black And Blood - Cd / HPGD Prod.



Dass sich die Ankündigung, amerikanischen Death Metal mit norwegischer Brandrodung zu vermischen, nur in wenigen Ansätzen bestätigt hat, lässt mich wesentlich wohlwollender mit dem aktuellen Album der Bostoner Kapelle SOUL REMNANTS umgehen. Manchmal taugt so ein Pressetext eben auch nur so viel wie ein Pamphlet von Springer.  

Aber von vorn. Die Band wandert seit 10 Jahren über regionale Äcker, hat erst ein Album im Vorfeld auf der Habenseite und kippt immer mal wieder das Lineup. Viel mehr erschließt sich mir nicht, außer dass die momentane Besetzung in musikalischer Hinsicht das Holz nicht mit stumpfer Axt bearbeitet und auch nicht mit rigoroser Brutalität ans Werk geht. Viel mehr offenbart sich von Beginn an eine thrashige Seite, die zwar dem Death Metal im eigentlichen Sinne geopfert wird, aber bei den Arrangements häufig präsent ist, beim Sound auch immer mal wieder. Also bieten SOUL REMNANTS so was wie die südamerikanische Methode, mit Death Metal umzugehen und bringen dabei auch altes Suffocation Material ins Spiel. Das kann im Umkehrschluss nur bedeuten, dass ihr es mit einem echten Feuerwerk zu tun bekommt, eines zwar das sich nicht an die Highspeed Vorgaben südlich des Äquator hält, im technischer Hinsicht aber sehr wohl auf Augenhöhe steht. Die Amis rücken immer mal wieder vom Gaspedal ab, zugunsten verfeinerter Strukturen und breitflächiger angelegten Songs. Vielleicht reicht auch einfach die Luft nicht. Auf den hohen Saiten ist immer wieder ein klassisches Intermezzo zu hören, der verantwortliche Zupfer ist ein offensichtlich geschickter in seiner Zunft. Ihm im Nacken sitzt ein Sänger, der mit nicht zu tiefen, eher immens aggressiven Kehlkopfentzündung auf sich aufmerksam macht. Dem Gekreuzigten sei Dank, ist er aber immer noch weit genug entfernt von skandinavischen Waldschraten. Das was so gar nicht zu typischem US Death Metal passt, ist die Leadgitarre, die teilweise Töne anstimmt, die auch einer profanen Metal Band gut zu Ohr stehen würden. Das Geschickte daran ist, dass es kaum auffällt, also immer noch in das Gesamtkonzept passt, der Musik sogar die gewisse besondere Note verpasst. Am Ende ist das der Clou, mit dem SOUL REMNANTS punkten werden, dass sie Genres zusammen bringen, ohne dabei irgendwas erzwungen zu haben. Thrash, Death und urwüchsiger Metal, und ja von mir auch eine rudimentärer Note norwegischer Gesichtsmutation. Die kommt durch beim halbballadesken und übermäßig musikalischen, melodischen 8 Minuten Keil Dead Black. Das Ding, in der Mitte des Albums lullt mit sanften Melodien ein und versucht uns wiederum in seinem Mittelpart mit gewöhnlichem Black Metal Rhythmus und einem Sänger, dessen Stimme plötzlich zu viel Zitrone auf den Trigger bekommen hat. Ich konnte mich dem hinterlistigen Anschleichen blasser Profanität erfolgreich wiedersetzen, hab keinen Schaden davon getragen und stehe dem Versuch der Bekehrung lächelnd gegenüber. Die wollten einfach mal eine Facette zeigen, die sie sonst im stillen Kämmerlein unter einem Berg schimmliger Putzlappen verstecken, oder hatten die Absicht mit ihren Instrumenten mal neben der Spur zu reiten und auf alles andere zu pfeifen. So eine Art spontane Laune, affektlabil nennt sich das. Mir egal, der Ausbruch hat mich, wenn auch überrascht, nicht wirklich berührt. So gefühlvoll und gleichzeitig hassgetrieben zu sein, macht nur deutlich, dass bei denen da drüben was gewaltig schief läuft. Gewürdigt und vergessen! 

Alles andere bleibt schön sauber, setzt bei Tempo und Inhalt auf greifbare Vielfalt und rumst vorrangig mächtig am Gatter des Gewöhnlichen. Wer will, hört dabei auch immer mal wieder den musikalischen Mut eines Schuldiner heraus, aber auch die aggressive Spannung, die eine Band wie Sadus zu erzeugen in der Lage ist. Nur dass die Rhythmusgitarre schön dick ist, dass die Kompositionen sich immer die Nähe zu Suffocation und vergleichbaren Größen sucht, ohne den brutalen Macker raushängen zu lassen, ankert das Gesamtwerk im Death Metal. Die flinken Finger und das intelligente Spiel des Verantwortlichen mit Namen Tom Perziosi überschreiten Grenzen, die dieses Album mit Leichtigkeit wegbläst. Und das ohne die eigenen Wurzeln leichtfertig zu missachten. Bei SOUL REMNANTS handelt es sich also um eine Band, die nach 10 Jahre wenig veröffentlicht, aber viel zu sagen hat. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät, den eigenen Marker in den Sumpf aus Radau und Gewalt zu platzieren. 
8/10

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