Monday, October 28, 2013

SUTURE - Carnivorous Urge To Kill - Cd / Comatose Music



Die Sache mit der Auferstehung ist gar nicht immer so erfolgreich, wie sie der vom Holz gehakte und in die Steinkammer gesperrte Vater der Untoten bezeugen könnte, wenn er den Schniedel nicht so erbärmlich eingekniffen hätte und klamm und heimlich zu Papi unter den himmlischen Küchentisch zurückgekrochen wäre. Vor allem muss sie nicht so kompliziert sein. Waren ihm wohl zu blöd, die schnöden Menschlein, erst ist das mit der Akquise schief gelaufen, hernach ist man der Buhmann und dann steigt auch noch einer der Vertreter ohne ordentliche Kündigung aus, verrät sogar brisante Innenansichten der Firma, nur weil er von der Konkurrenz besser bezahlt wird. Das Geschäft scheint vollkommen ruiniert. Beim letzten Meeting hat er sie noch mal eingeschworen; ihr könnt das, gebt alles und klingelt an jedem verdammten Haus!, und als er danach im Garten einen Joint rauchen will, um diese Versager nicht mehr sehen zu müssen; zack gibt’s eins auf die Nuss. Scheiß doofe Menschen, erst tun sie sich mit dem neuen Produkt schwer und dann hängen die den Marketingleiter auch noch zur Show auf den Bügel. Nö, so nich, kaut mal ruhig auf den ollen Kamellen herum, ich bin dann mal weg. Wenn ihr mich braucht für das Seelenheil und all diesen Tinnef, dann schau ich nach dem Burnout vieleicht mal vorbei; sagte es und verpisste sich durch die Hintertür. Und so wartet eine über tausende Jahre wachsende Gemeinde von naiven Herdentieren auf das Blöken eines Typen mit nur einem Latschen und auf seine großen Verkündungen vom himmlischen Königreich und der Erlösung. Erlösung überhaupt - wovon denn? -  vom besoffenen Ehegatten, von der zeternden Vettel in der Küche, vom Zweitwagen oder dem unterbezahlten Bürojob, von Montagen oder von zu hohen Bahntickets? Was für Spinner, warten auf weise Worte aus zweiter Hand!
Wie das mit der Auferstehung richtig geht, dass zeigen SUTURE aus den Staaten. Eine Band die viel zu wenig gehört ist, aber zu den Vertretern mit den dicksten Testikeln im Underground gehört. Zum einen Musiker mit einem sagenhaften Talent, wenn es um effektives und ansprechendes Songwriting geht. Und zum anderen auch zeitgemäß eine Botschaft verbreiten kann, die über die Jahre Staub angesetzt haben mag. Wie sie das machen? Eigentlich ganz einfach, vielleicht kostenintensiver wie andere Rückkehrer, aber einfach. SUTURE veröffentlichen ihr 10 Jahre altes Album einfach noch mal. Nur nicht so wie es gewöhnlich gehandhabt wird, mit einer Glanzpolitur aus dem Rechner, sondern die haben das ganze Teil neu eingespielt. Das mag nun müßig klingen und nicht für jeden nachvollziehbar. Aber der Ton danach ist um einiges aktueller, deutlicher und druckvoller. Kaum vergleichbar mit der rohen Kelle, die vor einer Dekade den Mörtel in die Fugen geklatscht hat. SUTURE haben das bewusst gemacht, klar im Schlaf wohl kaum, aber sie wollten vor einem wirklich neuen Album keinen allzu großen Graben zu ihren frühen Werken … nun ja, graben, und so die Zweifler auf ihre Seite ziehen. Zumindest ist das meine Hypothese. Aber das Konzept könnte aufgehen. Die Variante anno 2013 ist kein unzeitgemäßes Evangelium, das von einer prunkvollen Kanzel in die glotzende Gemeinde gefurzt wird, bei der die Grammatik so antik ist, dass kein Deutschlehrer, der was auf sich hält, diesen grenzdebilen Quark mit in die Grundschule bringen würde. Auf „Carnivorous Urge To Kill“ -  reloaded – erwartet euch das komplette Paket an brutaler Soundmaschinerie, mit einer Produktion die an Deutlichkeit und Kraft kaum überzeugender sein könnte. Ihr werdet vor den Blastbeats knien wie einst die mediterranen Leichtgläubigen im Staube vor dem Fahnenflüchtling. Die hohen Saiten bieten das technische Chaos, das von den tiefen mit Groove und Härte gedeckelt wird. Vorsichtige Progressivität kokettiert mit geschickten Künstlern und der Axt, die das rohe Fleisch auf dem Holzblock zerteilt – metaphorisch natürlich. Das Songwriting ist tatsächlich eine Messe, auch nach so langer Zeit, eingängig und anspruchsvoll, und gerade deswegen klingt die Rille wie ein vollständig neues Album. Ein Album getrieben vom Rückenorkan der integeren Schreibkultur des Death Metal, von intelligenter Raserei und mörderischen Grooves. SUTURE schließen die Lücke zwischen Suffocation und Dying Fetus, und das kostet sie scheinbar kaum Mühe. Die müssen sich nicht mit alten Geschichten in Erinnerung rufen, sondern machen aus den alten einfach neue. Das funktioniert auch gedenk der Tatsache, dass sie sich prominente Verstärkung geholt haben. James Murphy (Death, Obituary & Disincarnate), Rick Rozz (Death & Massacre) und Jim Nickles (ex-Malevolent Creation). Die nehmen das Album zusätzlich noch ins Gebet und gnadenlos auseinander. Desweitern haben sich die Pastoren vom blutigen Stuhl dazu entschieden, zwei neue - alte Stücke vom Demo „Deconstructing Anatomy“ ins Testament zu hacken, die Songfolge neu zu mischen und ein neues Artwork als angemessen für ein neues Produkt zu erachten. Alles zusammen gezählt ist die Aufhübschung von „Carnivourus…“ nicht nur legitim, weil das Album längst nicht mehr erhältlich ist und weil die Band wieder mitmischen will im Streit um den wahren Glauben, sondern weil es einschlägt wie die schwielige Faust Gottes!
9/10

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