Wednesday, October 30, 2013

UNCOFFINED - Ritual Death And Funeral Rites - Cd / Memento Mori



UNCOFFINED, ha, der verdammte Bandname sagt schon alles. Die hobeln sich eine morbide Ode an das Leben unter der weltweiten Friedhofserde von der Leiste. Die Briten, die bewusst auf den Spuren von Black Sabbath wandeln, nur halt auf Death Metal Art und generell um einige Nuancen behäbiger, schaufeln so ziemlich jedes Grab wieder auf, in dem irgendwann mal eine Genreleiche versteckt war. Die Atmosphäre, die sie mit ihren unter die Schuhsohlen gestimmten Instrumenten fabrizieren, ist so was von düster und fett vernebelt, dass die aus der Nummer nie wieder raus kommen. Sollten die irgendwann mal die Absicht hegen, aus der Band was andres außer Doom und Sludge zu locken, müssen die vorher zum Abdecker. Bis dahin weht der Wind Richtung finnischer Verzweiflung, gepaart mit erwähnten und kaum zu überhörenden Klassikern und Szeneurvätern. Stimmlich passt das natürlich nicht, das klingt eher, als käme dem Sänger das Mittagessen wieder hoch…und zwar mehrfach. 

In diversen Kritiken und auch von Seiten der Bands kommen metaphorische Vergleiche zu alten Hammer Filmen auf. Und um ehrlich zu sein, beschlich mich das gleiche Grauen, noch bevor ich anderswo eine Kritik gelesen hatte. Gut, ob Christopher Lee in seiner aktiven Vampirkarriere mit solchem verstörenden Dröhnen aus der Gruft geschmissen werden wollte, oder zu diesen immens zähen und schartigen Riffs Jungfrauen an den Zwickel wollte, muss stark in Frage gestellt erden. Aber die Band selbst nimmt sich offenbar der Thematiken der alten britischen Horrorschmiede an, versucht wirklich erfolgreich so einige der Geschichten, rudimentär versteht sich, am Kragen zu packen und in Töne zu kleiden. Zusätzlich nutzen sie noch diverse Samples von besorgten Exorzisten, Geisteraustreibern, Hexenjägern, Satanisten und Zombieschlächtern oder so was in der Art. Wie die Musik, wirkt dadurch auch das Image gewollt angestaubt. Na ja, und weil der Gefühlsteppich dermaßen sinister daher kommt, haben sie das wohl auch richtig angepackt. So wie der Untote ungelenk über den städtischen Leichenacker stolpert, so mäandern auch UNCOFFINED über den Szenefriedhof, packen hier mal was Verwestes am Schopf und machen draus Kunst im Sinne von arthritischem Metal. Andererenorts lassen sie sich mal von einer flattrigen Hexe auf dem Besen über rauchende Ruinen mitnehmen und generieren Horror fast ohne Aufwand. Generell setzten die Jungs einzig und allein auf puren Düsterkram, auf Bässe, die das leidvolle Stöhnen der in ihren Särgen noch eingenagelten Wachgewordenen übertönen, auf unaufgeregtes Druming, das mehr als gemächlich das Katzenfell streichelt und auf kaum herausfordernde aber ungemein funktionale Gänsehautmelodien. Und Zeit lassen sie sich mit allem: Damit mal aus der Hüfte zu kommen, damit einen Song in Schwung zu bekommen, damit den Hahn auch irgendwann mal wieder abzudrehen, damit irgendwas mit Metal zu tun haben zu wollen. Viel lieber rütteln sie in aller Arschruhe an den Fundamenten der Metalgeschichte und schreiben Songs, die auch ein Toni Iomi zumindest als interessant betrachten würde. Technik und verschachtelte Arrangements, die große Kunst den Knoten in die Gitarre zu machen, berührt die nicht die im Mindesten. Die wollen einfach nur stumpf und zäh wie Morast an ihren Instrumenten zotteln. Irgendwo zwischen Winter und Saint Vitus, zwischen Melancholie und ultimativer Todeserfahrung.

Das Tempo ist durchweg jenseits herzgefährdender Überlastung, stilistisch wird viel in den 70ern gewühlt, nur der Sound ist halt dicker und die Vocals um mehrere Nummern weiter am Rand von Gut und Böse. Die rockige Schlichtheit weicht einem bleischweren Vorhang aus primitivem Death Metal. Resistent gegen die Unbilden der Moderne nehmen UNCOFFINED uns mit in die Vergangenheit, als alles noch so schön einfach war. Als die Friedhöfe noch nicht abgeschossen werden mussten, weil subversive Elemente Blumen klauen und räudige Köter in die Rabatten kacken, als Nebel noch aus der Nebelmaschine kam und nicht digital dazugesaut wurde, als Blut noch aus Kakao und Lebensmittelfarbe bestand und Spinnenweben in jedem Winkel akzeptiert wurden. Nach der etwas schlichten Devise eines karrieremachenden Kleinwüchsigen, ist es nicht das schlechteste, sich an den einfachen Dingen des Lebens zu freuen. Oder in diesem Fall an dem was danach passiert. 
8/10

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